Sport

Rugby Südafrikas „Bokke“ als Symbol für das Ende der Apartheid

Viel mehr als eine Nationalmannschaft

Archivartikel

Johannesburg.Südafrika und den Rugby-Sport eint eine 127-jährige, wechselhaft-turbulente Liebesbeziehung. Einst ein verhasstes Symbol der Spaltung wurde der Sport später von Nelson Mandela als wichtiges Element beim Aufbau einer neuen Gesellschaft genutzt. Bei der Rugby-Weltmeisterschaft in Japan sendet das Springbok-Team bereits trotz der Auftakt-Niederlage gegen Neuseelands „All Blacks“ ganz besondere Signale aus. Denn die alte Gleichung Fußball gleich Schwarz, Rugby gleich Weiß gilt nicht mehr.

Erstmals wurden die „Springböcke“ mit Siya Kolisi von einem schwarzen Kapitän in die Weltmeisterschaft geführt – ein dritter WM-Titel hätte da besondere Strahlkraft. Er liegt im Bereich des Machbaren: Südafrikas Rugby-Recken waren in der Vergangenheit immer wieder für Überraschungen gut und gelten wie die „All Blacks“ aus Neuseeland als sportliche Supermacht. Beim Nachbarschafts-Derby gegen Namibia zeigte das Team vom Kap jedenfalls wieder alte Größe (57:3).

Neben Fußball und Cricket ist Rugby die beliebteste Sportart im Lande. Zu Apartheidzeiten waren die „Bokke“ – so die liebevolle Kurz-Bezeichnung – wegen der Rassentrennung international geächtet. Das änderte sich nach der demokratischen Wende am Kap, als Südafrika wieder auf der Weltbühne mitspielen durfte. Direkt zum Auftakt gab es dabei einen wichtigen WM-Triumph, dessen symbolische Bedeutung für den jungen Nach-Apartheid-Staat sogar Hollywood inspirierte. Wie nachempfunden im Film „Invictus“ übergab Nelson Mandela als erster schwarzer Präsident des Landes dem weißen Kapitän Francois Pienaar 1995 den Pokal.

Auch wenn es mit dem Anfang September gestorbenen Chester Williams damals nur einen einzigen schwarzen Spieler im Team gab: Die Symbolkraft dieser Mandela-Geste war für das tief gespaltene Land auf der Suche nach neuer Einigkeit enorm. „In der Rückschau war 1995 eine Story über uns: Das neue Südafrika hatte seine Identität durch den Sport gefunden“, meinte Pienaar später. dpa

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