Sport

Schach Von dieser Jugendarbeit an den Buchener Schulen profitieren alle Beteiligten / AGs und Turniere „rund ums Brett“ sind immer ein Magnet

Viel mehr als nur Figuren schieben

Archivartikel

65 Kinder und Jugendliche sitzen ruhig und konzentriert in einem Raum. Man hört nichts als das Ticken der Uhren. Viele Lehrer träumen von so einem Szenario – beim Schach ist es Alltag. Es läuft gerade das vierte von fünf Vorturnieren der Volksbank-Franken-Schulschach-Challenge in Adelsheim. In zwei Altersgruppen kämpfen Schüler aus den Schach-Arbeitsgemeinschaften (AGs) der umliegenden Schulen um die Spitzenplätze, die zur Teilnahme am Finalturnier berechtigen, das im Juni in Buchen stattfinden wird. Nach fünf Runden belegen diejenigen die vorderen Ränge, die auch schon für den Schachclub BG Buchen in der Kreisklasse Partien absolviert haben. Aber auch Neulinge, die zum ersten Mal an einem Turnier teilnehmen, können sich regelmäßig darüber freuen, die „Großen“ zu ärgern und Überraschungssiege zu landen.

Bereits in die elfte Saison geht die Volksbank-Franken-Schulschach-Challenge mittlerweile und wird von den Schülern Jahr für Jahr gut angenommen. Damit ist die Turnierserie ein fester Bestandteil der Buchener Arbeit im Bereich Jugendschach und soll Kindern, die Schach-AGs besuchen, ein erstes „Turniererlebnis“ bringen. Trotzdem sind die Wettkämpfe auch für Schüler offen, die nicht Teil einer AG sind oder von weiter her kommen. Aufgezogen und organisiert wird die Schulschach-Challenge von Karlheinz Eisenbeiser, Vorsitzender des Schachclubs BG Buchen. Er war viele Jahre lang Lehrer am Burghardt-Gymnasium Buchen. Wie der Name erahnen lässt, entsprang der Verein einst aus der Schach-AG des Burghardt-Gymnasiums. Folglich hat die Zusammenarbeit von Verein und Schule in Buchen Tradition.

120 aktive Jugendliche

Mittlerweile erstreckt sich die Jugendarbeit über sieben AGs an verschiedenen Schulen, auf die sich ungefähr 120 Jugendliche verteilen. Zur Betreuung wird seit 2006 jährlich jeweils ein FSJler eingesetzt, aber auch Schüler aus der Gymnasiums-AG dürfen schon Grundschul-AGs leiten. Dabei kommt es zunächst nicht so sehr auf die Spielstärke an. „Dass eine Beziehung zu den Jugendlichen hergestellt wird, ist viel wichtiger“, sagt Karlheinz Eisenbeiser. Der Spaß steht also im Vordergrund. Zwar werden in den AGs auch Aufgaben aus Trainingsheften gelöst, aber die meiste Zeit wird mit Spielen verbracht. „Der Spieldrang ist groß, das sollte man dann auch nicht zu pädagogisch machen“, weiß Eisenbeiser, der die AG am Burghardt-Gymnasium jahrelang betreute.

Ziel der Förderung an den Schulen ist natürlich auch, die Jugendlichen dafür zu begeistern, im Schachclub zu spielen. Der Übergang von der AG zum Verein findet allerdings nicht allzu oft tatsächlich statt, denn: Viele verlassen nach der Schulzeit die Gegend oder wollen ganz allgemein ihre Freiheit und nicht fest in einem Verein integriert sein. „Es ist ein Gesellschaftsproblem, dass man sich nicht mehr so sehr binden möchte. Dass Schach bei Mitschülern vielleicht als uncool angesehen wird, spielt auch eine Rolle, besonders bei Mädchen“, begründet Eisenbeiser die Situation. Überhaupt ist es nicht einfach, Mädchen dauerhaft für Schach zu begeistern. „Am Anfang sind es genauso viele Mädchen wie Jungs, die auch genauso gut spielen, aber sie haben die Tendenz, nur untereinander spielen zu wollen“, berichtet Eisenbeiser. „Sie wollen immer zwei, drei Freundinnen dabei haben, und der Wettkampf an sich spielt keine so große Rolle.“

Gerade für Mädchen scheint also der soziale Aspekt besonders wichtig zu sein. Daher bedarf es auch „außerschachlicher“ Aktivitäten, um eine größere Gruppe von Jugendlichen längerfristig „am Brett“ zu halten. „Man muss eine Gemeinschaft schaffen, die über das Schachspiel hinausgeht.“ Geplant ist daher unter anderem ein Jugendaustausch mit Myanmar und Thailand: Nach Südostasien hat man in Buchen schon länger Kontakte und erhält für den Austausch sogar Unterstützung vom Deutschen Olympischen Sportbund. Damit Schüler nicht nach einigen Monaten wieder aufhören, ist außerdem Erfolg ein wichtiger Faktor. Um im Schach voranzukommen, braucht es jedoch Eigeninitiative. „Ab einem gewissen Level können sie sich nur noch verbessern, wenn sie selbst etwas machen, zum Beispiel Partien nachspielen“, sagt Eisenbeiser. Auch online zu spielen boomt seit Jahren und kann dabei helfen, die nötige Praxis zu bekommen.

Erste Kreisklassenerfahrung

In Buchen sollen talentierte Jugendspieler aus den AGs, die in den Verein kommen, zunächst Spielpraxis in der Kreisklasse sammeln. Dort spielen insgesamt sechs Teams, drei davon vom Buchener Schachclub. Die Jugendlichen bekommen dort etwa gleichstarke Gegner, zum Beispiel von den Schachfreunden Anderssen Bad Mergentheim, die neben Buchen die zweite „Jugendhochburg“ im Schachbezirk Odenwald sind. Die Kreisklasse kann dann als Sprungbrett dienen, um sich später in höheren Mannschaften zu etablieren. So finden sich in den ersten beiden Buchener Teams, die in der Oberliga beziehungsweise Verbandsliga spielen, mittlerweile einige Spieler, die der Schach-AG am BGB entsprungen sind. Jugendarbeit erfordert also viel Engagement, zahlt sich aber langfristig aus. Dennoch gibt es in Baden insgesamt nur wenige Vereine, die konsequent und erfolgreich junge Spieler fördern. Ein Paradebeispiel für Top-Jugenförderung sind die Schachfreunde Sasbach, ein Gegner der Buchener „Ersten“ in der Oberliga. Das Sasbacher Team besteht zum Großteil aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die aus der Region zwischen Baden-Baden und Offenburg stammen und lange zusammen trainierten.

Die akribische Jugendarbeit kommt nicht nur den Vereinen zugute. Eisenbeiser glaubt, dass Schach positiven Einfluss auf schulische Leistungen haben kann. Von der Zusammenarbeit profitiert also nicht nur der Verein, sondern auch die Schule und die Jugendlichen: „Die Schüler sind ruhig, konzentriert und haben Erfolgserlebnisse. Außerdem lernen sie, Entscheidungen zu fällen und weiter vorauszublicken. Ein guter Schachspieler ist meist ausdauernd und nervlich stark.“