Sport

Ehrenamtliche Familien wie die Strobels bilden das Fundament der Juniorengala / Insgesamt packen 250 Freiwillige mit an

Vom Gemüseschnippeln bis zum Grilldienst

Archivartikel

Mannheim.Mit einer ganz harmlosen Frage fing alles an. „Könntest du nicht vielleicht einen Kuchen für die Juniorengala backen?“ Klar konnte sie! Sonja Strobel warf den Backofen an, knetete den Teig – et voilà! Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Knapp 20 Jahre liegt dieses Ereignis nun schon zurück. Seitdem gibt es keine Juniorengala ohne Sonja Strobel – besser gesagt ohne die Familie Strobel. Mama Sonja ist so etwas wie das Mädchen für alles, Papa Michael steht am Grill, und Tochter Marleen hilft bei der Siegerzeremonie. „Wir sind jedoch keine Einzelkämpfer“, bemüht sich Sonja Strobel zu betonen. „In Mannheim und Umgebung gibt es viele Familien, die genauso mitanpacken.“

Die Verbindung der Strobels zu „ihrer“ MTG ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Leistungssport gehörte für sie zum täglichen Leben wie das Atmen, Michael war ein talentierter Geräteturner. Als es darum ging, für die Tochter einen geeigneten Sport zu finden, landete die Familie aber bei der Leichtathletik. „Wir wollten, dass Marleen etwas für ihren Körper und ihre Gesundheit macht. Und bei der Leichtathletik konnte sie das die Hälfte des Jahres an der frischen Luft tun“, fiel die Entscheidung zugunsten der MTG ziemlich leicht.

Die Strobels lieferten ihre damals achtjährige Tochter aber nicht einfach auf dem Gelände im Pfeifferswörth ab, sondern sie interessierten sich auch für das Vereinsleben. Dafür sorgte schon das umtriebige Trainerteam. An erster Stelle nennt Sonja Strobel den Anfang September 2013 verstorbenen Michael Hoffmann, nach dem das MTG-Stadion umbenannt wurde; aber auch Iris und Michael Manke-Reimers sowie Christian Stang. „Die Eltern wurden und werden immer sehr eng eingebunden. Es sind Freundschaften entstanden, die über die Jahre gewachsen sind“, betont Strobel.

Ohne Familien wie die Strobels könnte die MTG die Bauhaus-Juniorengala nicht stemmen. „Die Kosten steigen Jahr für Jahr, ohne unsere 250 ehrenamtlichen Helfer wäre diese für unseren Verein doch sehr große Veranstaltung bestimmt nicht zu schultern“, unterstreicht Meeting-Chef Rüdiger Harksen. Die MTG kann sich dabei nicht nur auf seine Mitglieder verlassen, wie Sonja Strobel zu berichten weiß: „Klar, es gibt Menschen, die dir bei der MTG ständig über den Weg laufen; es gibt aber auch solche, die einmal im Jahr zu uns kommen, weil ihnen die Juniorengala so viel bedeutet.“

Ihr geht auch an diesem Wochenende wieder das Herz auf, wenn alle Rädchen ineinandergreifen. Es erfüllt sie mit Stolz, dass generationenübergreifend kräftig angepackt wird: „Da schmiert die über 80-Jährige Baguettes, während der junge Athlet im Vorfeld der Veranstaltung die Bierbänke aufstellt. Und wenn jemand ruft, dass er dies und das braucht, schauen sich nicht alle an, sondern einer springt immer sofort auf, der sich darum kümmert.“

Um sich einzubringen, nimmt die 54-Jährige, die in Mannheim in der inneren Verwaltung des Jobcenters angestellt ist, eine knappe Woche Urlaub. Denn die Juniorengala beginnt für das große Helferteam nicht erst mit dem Startschuss des ersten Wettbewerbs. „Bis zum Tag X gilt es viel vorzubereiten“, sagt Strobel. Am heutigen Freitag steht zum Beispiel das traditionelle Gemüseschnippeln auf dem Programm, damit die bei den Gästen beliebte Gemüsepfanne rechtzeitig fertig wird.

Wenn es dann am Wochenende ernst wird, muss jeder so ziemlich alles können. Strobel zeigt den Dopingkontrolleuren die Wege, kümmert sich um die Verpflegung der Besucher und Athleten. Dass sich der Aufwand lohnt, weiß sie immer, wenn die Sportler aus über 20 Nationen ins Michael-Hoffmann-Stadion einlaufen: „Dann heule ich immer Rotz und Wasser.“

Begegnung mit jungen Menschen

Sonja Strobel könnte viele Geschichten erzählen, die zeigen, was ihr die Juniorengala bedeutet. Vielen geht es genauso. Sie haben eines gemeinsam: Die Begegnung mit jungen Menschen aus anderen Ländern ist ihnen wichtig. Ab und an kommt es vor, dass kulinarische Aufklärungsarbeit geleistet wird: „Wir haben beispielsweise erfahren, dass unser Getränkeangebot für die schwedischen Athleten außergewöhnlich ist, denn sie kennen in ihrer Heimat keine Apfelsaftschorle“, erklärt Strobel.

Die vielen guten Seelen der MTG gehen die logistischen Herausforderungen jedes Jahr aufs Neue positiv an – und mit einer gesunden Portion Einfallsreichtum. So gab es im Pfeifferswörth schon einmal eine Leichtathletik-Disziplin, die sich 100 Meter Fensterbankputzen nannte. „Wir wollen schließlich, dass alles ordentlich aussieht“, sagt Strobel. Mit Kuchenbacken allein ist es jedenfalls längst nicht mehr getan.