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Leichtathletik Khalifa-Stadion wird aufwendig temperiert

Wie ein Kühlschrank ohne Deckel

Archivartikel

Doha.Draußen auf dem riesigen Vorplatz brennt die Wüstensonne mit aller Macht auf den Beton. Weit über 40 Grad herrschen dort selbst im Schatten der vereinzelten Palmen, die Luftfeuchtigkeit treibt jede einzelne Schweißpore ans Limit. Langsam schleppen sich die Menschen in Richtung des riesigen Khalifa-Stadions, das aus dem Staub am Rande Dohas ragt. Ein kühler Hauch umweht das Gebäude, das zwei markante Bögen überspannen. Viel war im Vorfeld darüber geschrieben und geredet worden, ob und wie es die Katarer schaffen, ein komplettes Stadion trotz offenen Dachs auf eine erträgliche Temperatur herunter zu kühlen. Sicher ist: Sie haben es geschafft. Oben auf den Rängen und unten auf der Tartanbahn fühlt es sich nach einem lauen Frühlingsabend im Allgäu an. Zwischen 25 und 27 Grad zeigt das Thermometer.

Ab und zu streicht eine kühle Brise durch die Reihen. Die kalte Luft strömt aus rund 500 Düsen in die Arena. Nur während des Speerwurfs soll die Anlage ausgeschaltet werden. Die Speerwerfer reagieren empfindlich auf Luftströmungen, die die Flugeigenschaften ihres Arbeitsgeräts stören könnten.

Über die Ökobilanz dieses riesigen Kühlschranks ohne Deckel ist wenig bekannt. Angeblich stammt ein Großteil der aufgewendeten Energie aus erneuerbaren Quellen, sagen die Veranstalter. Für den Hinterkopf: Katar ist deshalb so unermesslich reich, weil sich unter seinem Staatsgebiet die gigantischste Erdgasblase der Welt bläht. Was läge näher, als diese quasi kostenlose Energiequelle anzuzapfen.

Was bleibt, sind Fragen und ein angenehm temperiertes Stadion. Im Khalifa-Stadion müssen die Athleten nur eine Hürde überwinden: die Mixed-Zone. Diesen Bereich, in dem die Sportler nach ihren Wettkämpfen Interviews geben, haben die Veranstalter derart gekühlt, dass mancher schon nach Eiszapfen Ausschau gehalten hat. Verschwitzt und ausgelaugt nach dem Rennen ist das die perfekte Erkältungsfalle.

Im weiten Rund des Stadions ist es am angenehmsten. 50 000 Menschen passen dort hinein. Da in Katar die Liebe zur Leichtathletik offenbar nicht ganz so stark ausgeprägt ist, wurden beide Oberränge vorsichtshalber abgehängt. Um die restlichen Plätze einigermaßen zu füllen, haben die Organisatoren jede Menge Freikarten an Gastarbeiter verteilt. Trotzdem kamen am Samstagabend zum 100-Meter-Rennen der Männer, das Highlight jeder WM, nur etwa 10 000 Menschen.

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