Sport

Fußball Nach dem Bayern-Rummel will TSG-Trainer Nagelsmann gegen den FC Augsburg sportliche Akzente setzen

Zurück in der Normalität

Zuzenhausen.Endlich wieder "nur" Trainer sein. Julian Nagelsmann war vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr) anzumerken, wie sehr er die Rückkehr in die Normalität in den vergangenen Tagen genossen hat. "Wir konnten ja zuvor durch die Doppelbelastung kaum trainieren, wenn man drei, vier Einheiten mit Inhalt hat, sieht man sofort eine Entwicklung, dass die Jungs vieles besser machen, als wenn sie sich nur in den Spielen beweisen müssen. Das tut gut", erklärte der Trainer der TSG Hoffenheim.

Trotzdem rückte Nagelsmann nicht nur die sportlichen Aspekte in den Vordergrund. Der 30-Jährige nutzte die Gelegenheit, um noch einmal ein klares Dementi in Sachen Bayern München zu geben. "Ich brauche damit nicht umgehen, weil es keine Anfrage gibt und gab - und auch keinen Austausch, keinen Kontakt, null Komma null", stellte der 30-Jährige klar und ergänzte mit Blick auf seinen München-Trip während der Länderspielpause, der in der bayrischen Landeshauptstadt medial ausgeschlachtet worden war: "Natürlich ist mir bewusst, dass spekuliert wird, wenn ich in meine Heimat fahre und dort ein Trainer gesucht wird. Aber ich kann ja schlecht meine Schwiegermutter bitten, ihr müsst jetzt umziehen, da ich nicht mehr nach München darf."

Der TSG-Coach beschrieb, wie er mit seinem Sohn auf einem Spielplatz war und von einem Sechsjährigen gebeten wurde, mit ihm ein Foto zu machen. "Volksnah wie ich bin, habe ich das bejaht", berichtete Nagelsmann. Ein paar Stunden später habe er in den Nachrichten eines Sport-Senders das Foto gesehen: "Der kleine Junge war abgeschnitten. Wahrscheinlich haben der Papa oder die Mama das Bild verkauft." Dass so etwas passiert, sei "mehr als traurig und etwas skurril", aber das gehöre zum Geschäft dazu.

"Werden international punkten"

Man spürte, dass sich Nagelsmann durch die ständigen Wechselgerüchte ins falsche Licht gerückt fühlt. "Ich werde oft dargestellt wie ein Nomade oder Vagabund, der 500 Mal den Verein wechselt. Ich bin jetzt seit sieben Jahren Trainer in Hoffenheim und bin dem Verein dankbar, dass ich immer wieder die Chance bekommen habe, mich zu beweisen", betonte er. "Ich bin jeden Tag glücklich, wenn ich hierher zum Training fahre. Auf dem Platz erkennt jeder, dass die Mannschaft für mich brennt und einen Trainer, der für seine Spieler brennt."

Die Spekulationen über einen Vereinswechsel im Sommer werden trotz dieses Bekenntnisses nicht aufhören. Doch vorerst kann sich der Trainer wieder ganz auf seinen Job in Hoffenheim konzentrieren - und der bringt in den nächsten Wochen jede Menge Herausforderungen. Bis zur Länderspielpause Anfang November stehen vier Bundesliga-Matches an, zwei Mal Europa League und einmal DFB-Pokal. "Das wird wieder einen Entwicklungsprozess geben. Wir müssen und werden auch international punkten", zeigte sich Nagelsmann, der den Ausfall von bis zu neun Profis als einen Grund für die jüngsten Rückschläge nannte, kämpferisch. Mut macht ihm die Rückkehr von Nationalspieler Kerem Demirbay und Nadiem Amiri, auch Robin Hack ist nach seiner Gehirnerschütterung in Freiburg wieder fit. Serge Gnabry, Ermin Bicakcic, Lukas Rupp und Adam Szalai fehlen weiterhin verletzt.

"Wir mussten vor der Länderspielpause immer ans Limit gehen. Man hat gesehen, wie wichtig es für uns ist, dass alle Profis fit sind", erklärte der Hoffenheimer Trainer, der vor allem bei der Chancenverwertung Verbesserungspotenzial sieht. "Wir müssen ein gutes Gleichgewicht finden. Wir brauchen einen geduldigen Spielaufbau inklusive Tore und eine gute Konterabsicherung." Keine Frage, der ehrgeizige Nagelsmann will den FC Augsburg, dessen Entwicklung mit Trainer Manuel Baum er ausdrücklich lobte, unbedingt schlagen.

Zur Möglichkeit, dass er erstmals in seiner Trainerkarriere zum dritten Mal in Folge verlieren könnte, antwortete der 30-Jährige gewohnt schlagfertig: "Verlieren ist nicht mein Fall. Für mich und mein Umfeld wäre es gut, wenn wir gewinnen." Bisher sind für das Spiel in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena 26 000 Karten verkauft.