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Neckarau Kinder schicken Winter auf dem Niederbrücklplatz in die Sommerpause

Abschied voller Freude

„Das ging ja in Sekundenschnelle“, lautete das Fazit einer Mutter, die ihre kleine Tochter beim Sommertagszug begleitet hatte. Der Kleinen blieb noch nicht einmal Zeit, die Brezel von ihrem Stecken zu nehmen und genüsslich daran zu knabbern – da war der Winter schon vertrieben. Die Feuerwehr hatte den Niederbrücklplatz abgesperrt, damit ja nichts anbrennt, was nicht in Flammen aufgehen sollte. So geschah es denn auch – „Strih, Strah, Stroh der Summerdag is do. Der Sommer und der Winter, das sinn Geschwisterkinder,

Summerdag. Staab aus, blost em Winter die Aage aus. Strieh strah Stroh, der Summerdag is do“, erklang es ein letztes Mal aus den vielen Kinderkehlen, die sich auf dem Platz versammelt hatten und das Spektakel beobachtet haben.

Zuvor war der Zug ganz pünktlich am Marktplatz gestartet. Vorneweg ein Schneemann, der auf dem von einem Traktor gezogenen Wagen die muntere Schar betrachteten, die dem Winter ein letztes Geleit gaben. Unterwegs erklangen Lieder wie „Winter ade, scheiden, tut weh“ oder die Ankündigung des Frühlings mit „Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“. Die Dannstadter Musikkapelle bot – immer im Takt der eigenen Schritte – ein breites Spektrum an Kinderliedern.

Wahrscheinlich ist der Sommertagszug auf heidnische Ursprünge zurückzuführen, als Kampf des Winters mit dem Sommer. Darüber hinaus fließen Elemente eines Heischebrauches mit ein. Am Ende des Winters waren viele Vorratskammern leer und die Kinder gingen betteln. Das Fest wird schon in den Briefen der Lieselotte von der Pfalz erwähnt, der Schwägerin des Sonnenkönigs, Ludwigs XIV. von Frankreich. Sie erwähnt in ihren Briefen schon das Lied „Stroh, Stroh, Stroh“.

Als das Ziel schließlich erreicht war, wurde das Gestell des Schneemanns vom Wagen gehoben und von der Jugendabteilung der Feuerwehr fachgerecht in Brand gesetzt. An den Flammen hatten die Kinder noch einmal kurzzeitig ihre Freude. Aber bei den herrschenden Sommertemperaturen hatte der kalte Geselle keine Chance zu überleben: „So viele Kinder waren es schon lange nicht mehr, die den Zug begleiteten.

Da haben viele Kindergärten und andere Vereine mitgemacht“ freute sich die Zweite Vorsitzende der Interessengemeinschaft Neckarauer Vereine, Claudia Küster, über den guten Zuspruch. Schon traditionell begleiten Ponys der Reitergemeinschaft Neckarau den Zug. Gegen einen kleinen Obolus durfte sich, wer wollte, auf ein Pferdchen setzten und ein wenig reiten. Das ließen sich einige nicht entgehen. has