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Nord/Sandhofen Bezirksbeiratssitzung zum Planungsstand der Kindergärten Fahrgasse und Elia

Ärger über die Kirche

Archivartikel

Themen bei der vom Ersten Bürgermeister Christian Specht (CDU) geleiteten Sitzung des Bezirksbeirats Sandhofen in der Turnhalle des SKV Sandhofen e.V. waren die Planungen für einen Kindergartenneubau mit drei Gruppen in der Fahrgasse 8 in Sandhofen – verbunden mit der Frage, wie es mit dem eingruppigen Kindergarten Elia auf dem Scharhof weitergeht. Enttäuscht waren die Bezirksbeiräte und Bürger, dass kein Vertreter der Evangelischen Kirche Mannheim als Bauherr und Träger gekommen war.

Die Kirche könne laut Stadtplaner Harald Thiele ihre Pläne noch nicht vorstellen, da noch Klärungsbedarf besteht. Der Bau eines Kindergartens auf dem ehemaligen Friedhofsgelände sei „eine sensible Situation für die Kirche, sehr kompakt, da möglichst der Baumbestand nicht belastet werden soll“. Doch ohne die von der Kirche im April in Aussicht gestellte Bauvoranfrage, lasse die Planung sich so nicht umsetzen.

Auf den Einwand von Bezirksbeirat Heiko Karg (Grüne), die Kirche sei angehalten, primär die alte, 1950 mit dem Kindergarten bebaute Fläche Fahrgasse 4 zu nutzen, erwiderte Thiele: „An diesem Standort kriegen wir nur eine zweigruppige und keine dreigruppige Einrichtung hin.“ Helga Weber vom Heimatmuseum ist „sehr verärgert, dass der Kindergarten auf dem ehemaligem Friedhof errichtet werden soll und über die Ignoranz der Kirchengemeinde gegenüber der Bevölkerung“.

„Ansprüche zurückschrauben“

Bezirksbeirat Sebastian Butzek (SPD) kritisierte die mangelnde Kommunikationsbereitschaft der Kirche: „Uns brennt auf den Nägeln, dass es so lange dauert“, sagte er. Timo Kessler aus Scharhof schilderte die Situation der Eltern vor Ort: „Der Mannheimer Norden mit nicht mal einer Deckung von 60 Prozent in Sandhofen und Scharhof hat ein Kindergarten- und Krippenproblem.“

Zwei Jahre sei über eine Kinderbetreuungseinrichtung in der Groß Gerauer Straße diskutiert worden. „Da muss sich in Mannheim was ändern“, sagte er. Specht stimmte ihm zu. Doch oft scheiterten Bauvorhaben am Widerstand der Bürgerschaft. „Da muss man mal härter sein und sagen, das machen wir jetzt“, sagte der Bürgermeister.

Bei der Kirche sei das schwieriger, aufgrund des Eigentums habe die Stadt nur begrenzte Möglichkeiten einzugreifen. Deshalb sei der Vorschlag von Stadtrat Bernd Siegholt (AfD), auf dem Gelände des Zimmertheaters auf dem Scharhof einen neuen Kindergarten zu errichten „eine hervorragende Idee“. Auch Stadtplaner Thiele hält das Theater für einen „guten Standort“. Allerdings dürfe der Baumbestand nicht beeinträchtigt werden.

Bezirksbeirat Elias Weber-Ajaga (FDP) sagte deshalb: „Besser wäre es, die Ansprüche zurückzuschrauben und dort einen Kindergarten in Modulbauweise zu errichten.“ Bürgermeister Specht begrüßte das: „Vielleicht sollte man an der ein oder anderen Stelle gewisse Abstriche machen; nicht jeder Kindergarten muss einzigartig sein.“

Bezirksbeirat Wilken Mampel (CDU) wollte wissen, warum der im Scharhof bestehende Kindergarten Elia von der Stadt nicht in Betracht gezogen wird. „Dann wäre zumindest mal eine Gruppe gerettet.“

Andrew Ballantyne, zuständig für die „Ausbaukoordination Kinderbetreuung“ der Stadt betonte: „Natürlich ist wichtig, die Betreuungsplätze zu erhalten.“ Doch Elia sei sehr sanierungsbedürftig, und der Anspruch auf Ganztagesplätze mache es schwierig in dem kleinen Gebäude. Interimslösung für die derzeit 42 Kinder im Kindergarten Fahrgasse sei ein Container für zwei Gruppen – Kosten 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. Der Kindergarten Elia soll in den Ersatzbau integriert werden.

Es spreche auch nichts gegen zwei Kindergärten auf dem Scharhof. Die Kirche habe zugesagt, Elia so lange offen zu halten, bis der neue Kindergarten Fahrgasse steht. Die Beschlussvorlage werde es noch in diesem Jahr geben.

Christian Specht: „In den nächsten zehn Jahren gibt es weiteren Bedarf in Sandhofen.“ Gesucht würden drei bis fünf weitere Standorte. Er forderte die Bürger auf, Bestandsgebäude mit entsprechender Außenfläche zu melden.

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