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Lindenhof Krabbel-Gottesdienst in der Johanniskirche begeistert nicht nur die Erwachsenen

Altartreppe wird zur Spielwiese

Mit dem Beginn des Glockengeläuts ziehen die ein- bis dreijährigen Kinder mit Müttern und Omas in die Johanniskirche auf dem Lindenhof ein. Sie staunen nicht schlecht, welche Lautstärke die fünf Glocken zusammen erreichen können.

In der Kirche angelangt erobern die jungen Gottesdienstgänger Leopold, Enno, Carla, Mara und die anderen Kinder direkt den Raum. Die Jungs entdecken dabei sofort den bequemsten Sitzplatz für Kinder: die Teppiche, Turnmatten und Stufen direkt vor dem Altar. Die Teppiche sorgen für Wärme von unten und die Sitzhöhe der Stufen erhält wirklich das Prädikat: absolut kindergerecht. Der kleine Johann hat für etwas ganz anderes Augen: die Kerze hinter dem Altar. Schnell wird alles genauestens unter die Lupe genommen: Ist das Mikrofon an? Wie gut kann man von dort oben alles sehen? Die Klettereien gehen bis auf die oberste Stufe hinauf. Ein besonderer Blickfang ist natürlich der große Flügel vor dem Altar.

Das Musikinstrument steht auch direkt im Mittelpunkt. Kantorin Claudia Seitz, die ihre beiden Töchter Laura und Chiara mitgebracht hatte, stimmt „Die Wut über den verlorenen Groschen“ von Ludwig van Beethoven an – ein Lied aus dem Gleichnis vom verlorenen Groschen.

„Was für ein Anfang, da ist viel Tempo drin, da muss man einfach mitrennen“, sagte Pfarrerin. Und das lassen sich Leopold, Enno und Johann nicht zweimal sagen. Fröhlich tollen und turnen sie durch die Kirche.

„Eine traurige Farbe“

Inzwischen hatte sich Pfarrerin Susanne Komorowski umgezogen und ihren Talar übergezogen. Der sei zwar schwarz, eine traurige Farbe, „die ich sonst nicht trage“, erklärt die Pfarrerin. Sie fragt die Kinder, ob sie heute schon traurig gewesen sind, weil sie beispielsweise etwas verloren haben. Nicht den Kindern, aber Gemeindediakonin Veronika Reuter ist genau das passiert. Sie wollte einkaufen gehen und fand ihr Geld nicht mehr. Die Kinder entdeckten den verlorenen Groschen dann gemeinsam mit den Müttern oder Großmüttern. Dabei durfte alles betastet, berührt und hochgehoben werden – eine spielerische Version des Gleichnisses.

Plätzchen zur Belohnung

Zur Belohnung bekamen die Kinder nicht nur Geld in Form von Schokoladenmünzen, sondern auch Plätzchen. Mit verschiedenen Versen, Liedern und dem Psalm 23 in kindgerechter Form lernen die Kinder im Verlauf des Nachmittags die Geschichte vom guten Hirten, der für sie sorgt und sie beschützt, kennen. Nach dem Segenslied „Guter Gott, Dankeschön“ stellen sich alle zum Abschluss zum Gruppenbild auf.

Eines ist gegen Ende bereits klar: Der nächste Krabbelgottesdienst wird erneut zum Pflichttermin. Komorowski zufolge gebe es den Krabbelgottesdienst in der Johanniskirche bereits seit mehr als vier Jahren. Seit einiger Zeit finden sie nachmittags einmal im Monat statt.

Nach mehreren Versuchen, einen geeigneten Tag zu finden, haben sich die Verantwortlichen auf den Freitag, 16 Uhr, festgelegt. „Das hat sich als sehr gut rausgestellt“, erklärt Komorowski.

Lisa Fröhlich nutzt mit Sohn Leopold seit zweieinhalb Jahren dieses Angebot für Kinder: „Weil Leopold die Musik liebt und weil die Kinder nicht stillsitzen müssen, sondern rumlaufen und auch mal laut sein dürfen.“ Auch Sabine Giesecke ist mit ihrem Sohn öfter da, „weil Enno das gemeinsame Singen mag“. Und Emilia hat den Krabbelgottesdienst sogar der Turnstunde vorgezogen, wie ihre Mutter, Laura Djellai, erzählt.