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Rheinau Gleich zwei Turniere bei Rot-Weiß Rheinau / Starke Gastgeber holen ersten und zweiten Platz

Alte Herren spielen wie junge Götter

Archivartikel

„Foul, Foul“, tönte es ganz laut über den grünen Rasen der Rot-Weiß Rheinau. Und dazu der laute Schrei nach „Videobeweis“. Man hätte meinen können, gerade sei das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zu Gange. Aber hier lachten die Zuschauer, die das riefen. Sie waren sich bewusst, dass es sich bei diesem Turnier weder um ein Foulspiel handelte, noch dass ein Videobeweis vonnöten gewesen wäre.

Stattdessen ging es sehr manierlich auf dem Feld zu. Rot-Weiß Rheinau hatte gleich zwei Turniere für Alte Herren auf einen Tag gelegt. Zum einen spielten die jüngeren, nämlich die „Über-35-Jährigen“ zum ersten Mal um den Werner-Duttlinger-Pokal und die Herren über 50 Jahre zum 13. Mal um den von Ehrenmitglied Joachim Storz gestifteten Pott. Bereits in den Vorrundenspielen ging es ernst, aber fair zur Sache. Schiedsrichter Uwe Grund hatte nur selten die Pfeife im Mund. „Das mache ich, weil es mir Spaß macht“, erzählte der Unparteiische, der im Hauptberuf bei der Polizei arbeitet. Eigentlich würde sich das ja nicht lohnen. Aber zumindest die Fahrtkosten wären gedeckt und ein Getränk könne man sich leisten, meinte er fröhlich.

Rinderrouladen als Stärkung

Und schon startete wieder ein Spiel, zu dessen Gelingen er beitrug – diesmal zwischen dem SC Käfertal und 07 Bensheim. In deren Reihen trat mit dem 78-jährigen Rainer Kuhlmann übrigens der älteste Spieler im Turnier gegen das Leder.

Dass es bei diesem Turnier nicht nur bierernst zur Sache ging, bewiesen nicht zuletzt die Spieler von Moguntia Mainz, die in einer Pause sich „das Beste an diesem Turnier nicht entgehen ließen“, wie es Spielführer Florian Göllnitz formulierte. Bereits am frühen Morgen waren die rot-weißen Helfer in der Küche zu Gange, um Rinderrouladen zu richten. Mehr als 200 Portionen wanderten über den Tresen und verschwanden in den Mägen „Etwas essen muss der Mensch“, hatte Göllnitz geraten. Für viele war das der Grund, um den bestens präparierten Rasen in Rheinau überhaupt zu betreten. „So mancher kommt nur wegen des Essens“, berichtete Vorsitzender Erwin Prudlick. Turnierleiter Bernhard Mentz, Rainer Peterkau und Jürgen Brauder erledigten ihre Aufgabe mit Bravour. Am Ende standen auch die Sieger fest. Bei den älteren Herren hatten die heimischen Rot-Weißen die Nase vorne und siegten souverän. „Die sind einfach stärker,“ hatte Zuschauer Rainer Prudlick im Verlaufe der Spiele festgestellt. Zweiter wurde die Mannschaft des SV Rohrhof vor der SG Mannheim. Bei den Jüngeren stand nach 18 Jahren Pause die SC Moguntia Mainz auf dem Siegertreppchen ganz oben. Zweiter nach einem spannenden Neunmeterschießen wurden hier die Rot-Weißen aus Rheinau vor der Spielvereinigung Ilvesheim und Phönix Mannheim.

Aber die Ergebnisse waren eher zweitrangig. Am Ende suchten viele einen schattigen Platz, um noch etwas zu verweilen. „Wer hier in der Familie dabei ist, der kommt einfach von dem Verein nicht los“, hatte Pokalstifter Joachim Storz festgestellt. Er stand zusammen mit seinen Freunden noch lange am Tresen.