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Staus Ein Experte für Verkehrssignaltechnik vom Tiefbauamt der Stadt erklärt die Verkehrsführung an Kreuzungen in Neckarau

Ampelschaltungen ärgern Autofahrer

Karl-Heinz Hedemann hat ein Auge fürs Detail. Seit Jahrzehnten lebt er nun schon in Neckarau. Wachsam streift er durch sein Viertel. Er will das Beste für seine Umgebung und setzt sich dafür ein. Nach der Berichterstattung des „MM“ über den Rückstau an der Kreuzung Neckarauer und Speyerer Straße hat sich der 82-Jährige gemeldet. In einem Leserbrief vom Dezember 2015 wies er bereits auf das Problem dort hin. Für ihn schien es damals klar zu sein, dass der Stau „hausgemacht“ sei. Als der ehemalige Ingenieur noch berufstätig gewesen war, sei er regelmäßig über die Kreuzung gefahren. Inzwischen ist die Ampelschaltung geändert worden. Eine vor rund vier Wochen erfolgte Maßnahme, die sich sehr bewährt und die Staus dort deutlich reduziert habe (wir berichteten), wie auch Frank Benz vom Fachbereich Tiefbauamt bestätigt. Aktuell hat Hedemann jedoch noch drei Kreuzungen in Neckarau im Visier, an denen die Ampelschaltung den Verkehr ins Stocken bringt.

Problemfall eins: Rheingold- / Siegfriedstraße

Die erste Kreuzung befindet sich an der Rheingoldstraße, Ecke Siegfriedstraße. Kommt dort ein Auto aus der Seitenstraße, werde der restliche Verkehr für 20 bis 40 Sekunden lahmgelegt. Laut Hedemann fährt in dieser Phase selten mehr als ein Fahrzeug aus der Siegfriedstraße heraus und Fußgänger queren den Übergang eher selten. Er fordert eine „schnellere Verkehrsführung“, der Verkehr müsse fließen. Alles andere hält er für Umweltverschmutzung, allein schon wegen des hohen Benzinverbrauchs. Seine Devise: „Es könnte alles schneller gehen, wenn es richtig durchdacht ist.“

Frank Benz räumt ein, dass es möglich wäre, die Ampeln auch anders zu schalten, doch im Vordergrund stehe die Sicherheit der Fußgänger. Der Verkehrssignaltechnik-Experte der Stadt begründet die relativ lange Wartezeit damit, dass Fußgänger und Autofahrer an der Kreuzung gleichgeschaltet sind. Wäre das nicht so, müssten sich die abbiegenden Autos auf zwei verschiedene Situationen einstellen: Manchmal würden die Fußgänger die Fahrbahn beim Abbiegen kreuzen, manchmal nicht. Das gefährde jedoch ihre Sicherheit. Eine Verkehrsregelung sei dann am besten, wenn immer die gleichen Verhältnisse bestehen. Außerdem herrsche an der Kreuzung ja „kein großer Verkehrsdruck“ und es werde „kein Stau provoziert“.

Problemfall zwei: Rheingold- / Steubenstraße

Weiter auf der Rheingoldstraße kreuzt die Steubenstraße. Dort biegt die Straßenbahn nach links in Richtung Innenstadt ab, die Autos fahren weiter geradeaus. Karl-Heinz Hedemanns Beobachtung: Ihre Ampel schaltet oftmals für etwa zwölf Sekunden auf Rot, wenn die Straßenbahn vorbeifährt – obwohl sich beide Verkehrsteilnehmer nicht gegenseitig behindern. Für den ehemaligen Ingenieur ist das „völlig überflüssig“. Laut Verkehrsexperten Benz ist die Rotphase, während die Bahn fährt, jedoch rein zufällig: Für Autos schaltet die Ampel in einem festen Rhythmus auf Grün, bei der Straßenbahn nach Bedarf. Es kann also, sagt Benz, sowohl vorkommen, dass beide Grün haben, als auch, dass die Straßenbahn fahren darf, die Autos jedoch warten müssen.

Problemfall drei: Rheingoldplatz / Sedanstraße

Nur ein paar Meter weiter am Rheingoldplatz sieht Hedemann den nächsten Brennpunkt. Dort trennt sich die Spur: Rechts geht’s in die Sedanstraße, links in die Steubenstraße. Ein Problem erkennt Karl-Heinz Hedemann darin, dass die Linksabbieger erst viel später Grün bekommen würden. Außerdem sei die Grünlichtphase zu kurz, so dass maximal fünf Autos fahren können. Wenige Meter dahinter lasse eine automatische Fußgängerampel gerade dieselbe Anzahl an Fahrzeugen überqueren.

Frank Benz erklärt, dass die Ampeln rund um den Rheingoldplatz für die Autos in grüner Welle geschaltet sind. „Das kann jedoch nicht gleichzeitig für alle sein.“ Der Versuch, freie Fahrt für so viele Verkehrsteilnehmer wie möglich zu erreichen, gestalte sich dort als besonders schwierig, weil Autos ohne grüne Welle auf der Rheingoldstraße zwischen dem Neckarauer Waldweg und dem Fußgängerüberweg innerhalb von 300 Metern sechs Mal anhalten müssten. Gäbe es Bedarfsampeln, müssten die Fußgänger entweder wegen der grünen Welle warten oder sie würden sie unterbrechen – und das würde den Verkehr unruhig machen, so Benz.

Rheingoldplatz und Steubenstraße seien eine „verzwickte Stelle“. Verkehrsplaner könnten an solchen Punkten nur verlieren. „Jedoch versuchen wir immer, das Bestmöglichste rauszuholen“, sagt der Verkehrsexperte.