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Neckarstadt-West Anwohner der Humboldt-Schule klagen über nächtliche Ruhestörungen / Arbeitskreis Wohnumfeld sucht bei Diskussionsabend nach Lösung

Anwohner: „Höllenlärm“ und „obszönes Gegröle“

Archivartikel

Mannheim.Anwohner beschweren sich: Vom Hof der Humboldt-Schule würden seit geraumer Zeit erhebliche Lärmbelästigungen ausgehen. Jugendliche hätten diesen Ort für spätabendliche und auch nächtliche Treffen und Trinkgelage ausgemacht. Bewohner der benachbarten Häuser würden durch laute Musik und Fußbälle, die gegen die Türen der Schule donnern, um den Schlaf gebracht. Wie groß der Ärger ist, zeigte sich an der Vielzahl derer, die Maik Rügemer und Christian Stalf bei der Sitzung des Arbeitskreises Wohnumfeld des Quartiermanagements im Alten Volksbad begrüßten.

Anwohner berichteten von „Höllenlärm“ und „obszönem Gegröle“ – bis hin zu Mietern, „die die Nase voll haben und ausziehen“. Von Nachtruhe könne seit langem schon keine Rede mehr sein. Die Anwohner sind genervt, die Bürger fühlen sich hilflos. „Wenn wir die Jugendlichen um Ruhe bitten, lächeln die doch nur müde drüber, beleidigen und bedrohen uns“, sagte jemand. Die Polizei müsse härter durchgreifen.

Stadtrat Thorsten Riehle (SPD) hat sich vor kurzem zusammen mit der Schulleitung und der Polizei selbst ein Bild von der Situation gemacht. „Das Problem ist unter anderem, dass es keine klar definierte Abgrenzung des Schulhofs beispielsweise zum Rondell am Kreisel vor dem Schulgelände gibt“, sagte Schulleiter Harald Leber. Schon tagsüber hielten sich immer wieder Fremde auf dem Schulhof auf. Außerdem würden durch die nächtlichen Besucher immer wieder Glasscheiben zerstört. Vorgeschlagen wurde ein Zaun um das Schulgelände mit abschließbaren Toren. Doch auch ein Zaun würde keine Abhilfe schaffen, so Leber. Denn wie hoch müsste ein solcher sein, damit die Jugendlichen abends nicht mehr auf das Gelände kommen? Dann fühlten sich die Schüler womöglich auch wie im Gefängnis, und die Lernmotivation gehe verloren.

Vorschlag: Mehr Beleuchtung

Helfen könnte allein mehr Beleuchtung, meinte der Schulleiter. Doch auch das sei nicht einfach. Weil das Schulgebäude unter Denkmalschutz steht, könnten nicht irgendwelche Lampen angebracht werden.

„Lärmende Jugendliche haben wir überall. Es ist doch auch natürlich, dass die sich treffen wollen“, sagte Quartiermanager Gabriel Höfle. „Wir können natürlich Druck ausüben, dann packen sie ihre Sachen ein und tauchen woanders wieder auf.“ Ordnungsrechtlich sei dem Problem kaum beizukommen. Auch ein Zaun und abgeschlossene Tore würden die Problematik nur verlagern. Niemand bestreite, dass es eine Lärmbelastung der Anlieger gebe. Der Ärger sei groß, aber eine Lösung nicht wirklich in Sicht. Hinzu komme, dass es sich bei dieser Gruppe um junge Erwachsene handele – diese sei sehr unzugänglich und aggressiv. „Die fehlenden Sozialisierungsprozesse werden uns in der nächsten Zeit immer stärker erwischen“, befürchtete Riehle. Fakt sei aber auch, dass es in dem Stadtteil kein Angebot für Jugendliche in den Abendstunden gebe. „Im Hinblick auf die Jugendarbeit muss schnellstens etwas getan und ein Streetworker als Ansprechpartner eingesetzt werden“, dafür will sich der Stadtrat stark machen.