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Rheinau Geschichtsfreunde wählen den 34-jährigen Sven Prues zu ihrem neuen Vorsitzenden / Ende einer dreijährigen Vakanz an der Spitze

Auflösung des Heimatvereins abgewendet

Archivartikel

Neuer Vorsitzender des Heimatvereins Rheinau/Pfingstberg ist Sven Prues. Mit der einstimmigen Wahl des 34-Jährigen auf der jüngsten Mitgliederversammlung ging eine dreijährige Vakanz an der Spitze zu Ende. Zugleich ist damit die Gefahr einer Auflösung des Vereins einstweilen abgewendet.

Das war keineswegs zu erwarten, als sich die Mitglieder in der Gaststätte „Krautwickel“ einfanden. 2015 verstarb der Vorsitzende Uwe Moravec, danach die Schatzmeisterin Carmen Schäfer. Der stellvertretende Vorsitzende Werner Stückle, in Kürze 84 Jahre alt, sah sich aus Gesundheitsgründen nicht in der Lage, selbst den Verein weiter zu führen.

Um einen Neuanfang zu ermöglichen, ergriffen die beiden Kassenprüfer Wolfgang Lehmpfuhl und Verena Kubinski die Initiative, brachten die Unterlagen auf Vordermann und beauftragten Rechtsanwalt Alexander Fleck mit dem Prozedere, eine Mitgliederversammlung einzuberufen, auf der über die Zukunft des Vereins diskutiert werden sollte.

Dies war nun der Fall. Von den erschienen Aktiven waren mithin alle der Meinung, dass der Verein nicht sterben dürfe. Die Rahmenbedingungen sind gut. Zwar wurden 2017 die Beiträge der rund 80 Mitglieder nicht mehr eingezogen, dennoch verfügt der Verein über ein Vermögen von mehr als 15 000 Euro.

Finanziell solide Bilanz

In der von Alexander Fleck sachkundig geleiteten Diskussion, die der formalen Entlastung der Kasse im Speziellen wie des Vorstandes im Ganzen folgte, war man sich schnell einig: Der Verein soll weiterbestehen. Doch: Wer soll ihn führen? Von den vorgeschlagenen Mitgliedern war niemand dazu bereit – sei es wie bei Kurt Kubinski aus Altersgründen, sei es wie bei Michael Lösch, weil sie mehrere andere Ämter innehaben.

Die erlösende Nachricht kam, als ein Neumitglied sich bereit erklärte, zu kandidieren: Sven Prues, 34 Jahre und damit der mit Abstand Jüngste in der Runde, von Beruf Hausverwalter, geboren in der Nähe von Osnabrück und erst seit einigen Jahren auf der Rheinau, in sie und ihre Geschichte jedoch total „verliebt“: „Auf den ersten Blick begeistert die Rheinau nicht“, bekannte er: „Aber wenn man sie näher kennenlernt, die historischen Gebäude sieht, ihre Geschichte erfährt, dann wird man von ihr eingenommen.“ Und die Bewahrung der Geschichte sei wichtig, weil dies die Voraussetzung sei, dass sich die Menschen wohlfühlen und für die Gemeinschaft engagieren.

Der Elan, mit dem sich der junge Mann vorstellte, verfehlte seine Wirkung nicht: In geheimer Abstimmung wurde er einstimmig gewählt.

Erstes Thema: Altes Relaishaus

Damit war der Vorsitz besetzt. Doch wie sollte es mit den anderen Ämtern weitergehen? Auch dafür hatte der neue Vorsitzende eine Lösung: Er nannte dem Gremium zwei Personen, die seine Begeisterung für die Rheinau teilen: Als Stellvertreter schlug er Andreas Schäfer vor, 55 Jahre, wohnhaft in der Neuhofer Straße und von Beruf Raumausstatter, dadurch also prädestiniert für das große Projekt des Vereins, die Einrichtung eines Heimatmuseums.

Mary Schönhoffer sollte die Posten übernehmen, in deren Aufgaben sie sich auskennt: Schatzmeisterin und Schriftführerin. Beide wurden denn auch einstimmig gewählt. Kassenprüfer sind mit Wolfgang Lehmpfuhl und Michael Lösch zwei altgediente Vertreter des Vereinslebens, die wie die anderen Anwesenden auch dem neuen Team ihre volle Unterstützung zusicherten.

In seinen Schlussworten skizzierte der neue Vorsitzende bereits seine Pläne für die Zukunft. Als erstes will er weitere Mitstreiter für die Sache der Heimatgeschichte gewinnen: „Mein Ziel ist, dass wir in einem Jahr einen anderen Raum brauchen als den hier, weil dieser dann nicht mehr ausreicht.“ Und er hofft: „Wenn wir dann zusammensitzen, werden wir darüber lachen, dass jemals eine Auflösung Thema war.“

Aktuell drängendes Projekt, dem sich der neue Vorsitzende widmen will, ist die Rettung des Alten Relaishauses, dessen Zwangsversteigerung für den 20. Juni vorgesehen ist. „Ich werde hingehen und gleich mit dem neuen Besitzer, der es ersteigert, über die Zukunft reden.“

„Das wird sicher schwierig“, weiß der neue Vorsitzende, dennoch will er alles versuchen – gemäß dem Motto, das ihn sein gesamtes Leben hindurch getragen hat: „Man muss die Sonne anstreben. Und wenn es nur der Mond wird, dann ist es auch okay.“