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Vogelstang Geschwister-Scholl-Gymnasium zeigt Schau über Russlanddeutsche / Zehn-Prozent-Anteil der Bevölkerung

„Ausstellung am geeigneten Ort“

Archivartikel

Fast zehn Prozent der Bewohner auf der Vogelstang sind als sogenannte „Spätaussiedler“ aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Die Wanderausstellung „Deutsche aus Russland – Geschichte und Gegenwart“, die im Rahmen der 25. Kulturtage Vogelstang im Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) gezeigt wird, zeichnet die bewegte Geschichte dieser Migranten nach und zeigt die geschichtlichen Zusammenhänge auf.

Schulleiterin Silke Herr begrüßte zahlreiche Gäste zur Midissage im Forum. Sie freue sich sehr, dass diese Veranstaltung in der Schule als Ort der Bildung stattfindet. Dazu gehöre auch kulturelle Bildung. „Die Ausstellung ist ein Beitrag zur kulturellen Bildung, dazu, sich selbst zu orientieren und seinen eigenen Platz zu finden“, sagte die Direktorin. Sie begrüßte das Angebot von Ausstellungsleiter Jakob Fischer, die Schüler des GSG durch die Ausstellung zu führen. Schließlich würden 90 der insgesamt 630 Schüler zu Hause auch Russisch sprechen.

Zweiter Anlauf

Claus Preißler, Beauftragter für Integration und Migration der Stadt Mannheim, freute es sehr, dass man die Ausstellung, die seit vielen Jahren durch Deutschland wandert, endlich auch in Mannheim zeigen könne – „nach einem zweiten Anlauf am richtigen Ort und zur richtigen Zeit“. Zum einen wegen des Jubiläums 25 Jahre Kulturtage Vogelstang und zum anderen, weil die Vogelstang der geeignete Ort dafür sei. „In Mannheim haben drei Prozent der Bevölkerung eine Migrationsgeschichte aus den ehemaligen Ländern der Sowjetunion, hier auf der Vogelstang sind es sogar zehn Prozent der Menschen“, so Preißler. Die Idee einer solchen Ausstellung schaffe die Möglichkeit zur Begegnung.

Anschließend führte Ausstellungsleiter Jakob Fischer von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in die Ausstellung ein. Diese wird vom Bundesministerium des Inneren und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert und vermittelt ein Verständnis für diesen wichtigen Teil der jüngeren bundesdeutschen Geschichte.

Bereits im Mittelalter siedelten Deutsche in Russland an. Die größte Auswanderung der Deutschen erfolgte von 1763 bis 1862. Das hing mit dem Manifest von Zarin Katharina der Großen zusammen, die den Aussiedlern unter anderem Land schenkte und ihnen Befreiung vom Militärdienst gewährte.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stellten deutsche Spätaussiedler einen Antrag auf Aufnahme beim Bundesverwaltungsamt in Köln. Der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit wurde gleich bei der Einreise gewährt, wenn die Spätaussiedler ein Kriegsfolgeschicksal – beispielsweise Vertreibung ihrer Eltern und Großeltern oder Deportation in Zwangsarbeitslager – nachweisen konnten.

Lesung in beiden Sprachen

„Doch leider gibt es noch immer viele Vorurteile gegenüber den Russlanddeutschen“, bedauerte Fischer. Als Beispiele erfolgreicher Integration wird unter anderem Sängerin Helene Fischer präsentiert.

Die Gesangsgruppe „Bunte Welt“ mit Deutschen aus Russland von der Bergstraße umrahmte die Midissage musikalisch. Die Russisch-AG des GSG unter Leitung von Eugenie Hoffmann erfreute mit einer amüsanten szenischen Lesung – im Wechsel einmal auf Deutsch und einmal auf Russisch.