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Feudenheim Rundgang auf dem Friedhof mit Tobias Schüpferling begeistert die Teilnehmer

Bäume – natürliche Luftfilter und Anpassungskünstler

Der 1870 gebaute rund 4,7 Hektar große Friedhof Feudenheim lässt sich immer wieder aufs Neue erkunden. Fachagrarwirt Tobias Schüpferling brachte bei einem so genannten Baumrundgang interessierten Baumfreunden die Natur mit viel Wissen näher. Bei der gemeinsamen Veranstaltung von Gärtnermeister Bernhard Welker und dem Verein für Ortsgeschichte Feudenheim konnte Vorstandsmitglied Barbara Waldkirch trotz Sommerhitze fast dreißig Teilnehmer begrüßen.

Bäume waren zu allen Zeiten und Kulturen geachtete Begleiter der Menschen, galten als Trost- und Heilspender, als Vermittler zwischen Himmel und Erde, als Sinnbild für Leben überhaupt, berichtete Waldkirch. Fachagrarwirt Schüpferling ist für alle circa 10 000 Bäume auf den Friedhöfen in Mannheim verantwortlich. Beim zweistündigen Rundgang führte der Experte in die interessante Welt der Bäume, Baumpflege und Körpersprache der Bäume ein.

Schon über die Hybrid-Linde am Ausgangspunkt des Rundgangs am Friedhofseingang wusste Schüpferling Interessantes zu berichten. Bei der Hybrid-Linde handelt es sich um eine Kreuzung. Diese erfolgte vor knapp 100 Jahren zur besseren Haltbarkeit der Bäume, was sich allerdings nicht bewährt habe, so Schüpferling. Auch was ein Hexenbesen ist, erfuhren die interessierten Teilnehmer. „Das sind durch Bakterien, Pilze oder tierische Parasiten hervorgerufene abnorme Astwucherungen an Bäumen. Durch übermäßige Verzweigungen entstehen besen- und vogelnestähnliche Gebilde.“

Auf einem Grab steht noch der Rest einer Blutbuche. Der Baumstumpf blieb stehen, weil mit einem Baum oft Erinnerungen verbunden sind und weil man Bäume besser stehen lässt. „Ein Baum stirbt nie“, betonte Schüpferling.

Erdbestattungen problematisch

Schon während seines Lebens habe er für ausreichend Nachwuchs gesorgt. Erdbestattungen seien ein Problem, weil dadurch oft das Wurzelwerk beschädigt werde. Andererseits seien Bäume anpassungsfähig, verschafften sich neue Standfestigkeit durch Wurzelwachstum in die andere Richtung. Mittels Zugseilen prüft der Baumexperte alle zwei Jahre die Standfestigkeit der Bäume.

Schüpfelrling erläuterte auch die Symptome und Gefahren von Druckzwieseln, eine besondere Form des Stammwuchses, die für den Baum kritisch und bruchgefährdend sind. Zur aktuellen Diskussion über die drohende Fällung von 1000 Bäumen am Rheinhochwasserdamm, erklärte Schüpferling: „Bäume gehören nicht auf einen Damm.“ Mittels eines in einem Erdhügel gedrehten Stocks zeigte er, was passiert, wenn Hochwasser das Erdreich um das Wurzelwerk fortspült. „Das entstehende Loch könne nicht mehr gefüllt werden, da erst der Baum komplett mit Wurzeln beseitigt werden müsste. Alle 200 Jahre drohe ein Jahrhunderthochwasser und niemand wisse, wann das nächste komme. Gefahr drohe dann nicht nur für die Menschen im Lindenhof und in Neckarau, sondern bis zum Rangierbahnhof.

Auch auf die Gefahren durch die zunehmende Versiegelung und die Wichtigkeit der Bäume angesichts der steigenden Weltbevölkerung wies der Experte eindringlich hin: „Bäume neutralisieren die Schadstoffe und wandeln sie in Luft zum Atmen um“.