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Lärmbelästigung Gleiskreuzung an der Station „Neckarau-West“ sorgt für Unmut / Stadt und Verkehrsbetriebe: „Alles im rechtlichen Rahmen“

Bahnweiche raubt Anwohner den Schlaf

David Hajnal wählt seine Worte mit Bedacht. Wer ihm genau zuhört, merkt jedoch schnell: Der 37-Jährige ist wütend. „Ich werde nicht ernst genommen“, sagt er. Grund für seinen Zorn ist eine Bahnweiche. Sie liegt wenige Meter von der Straßenbahnstation Neckarau-West entfernt – in Fahrtrichtung Innenstadt.

Jedes Mal, wenn eine Bahn darüber fährt, ist ein Rumpeln zu hören. Dieses Rumpeln ist es, das Hajnal schon häufiger aus dem Schlaf gerissen hat. „Sogar bei geschlossenem Fenster höre ich es“, sagt er. Besonders nachts sei das Geräusch sehr laut zu vernehmen. An der betroffenen Gleiskreuzung kommen die Schienen der Linie 3 und das Gleis einer Wendeschleife zusammen. Diese wird aber selten befahren.

Hajnal hat eine Vermutung. Da die Gleiskreuzung meistens nur von einer Seite angefahren werde, seien verschiedene Teile der Weiche unterschiedlich stark verschlissen. „Das bewirkt ein unnötiges Springen der Räder des Zuges, wenn die Gleiskreuzung überfahren wird. So wird der Lärm verursacht“, sagt er.

Mehrere Videos hat der Diplomphysiker gedreht, mit einem Mikrofon hat er den Lärm gemessen. Zahlreiche Gutachten und Publikationen hat er zu Rate gezogen – zum einen, um der Ursache nachzuspüren, zum anderen, um Lösungsvorschläge zu machen. Ein Gutachten aus Düsseldorf lege zum Beispiel nahe, dass das Problem, das aus seiner Sicht bestehe, mit geringem Kostenaufwand beseitigt werden könnte.

Auf Anfrage des „MM“ schließt die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) nicht aus, dass an Weichen mehr Lärm entstehe als anderswo. Die Ursachen seien aber andere, so RNV-Sprecher Weintz: „Aus technischen Gründen ist die Schiene an gewissen Stellen unterbrochen. Das hört man.“ Ein Defekt liege an der fraglichen Gleiskreuzung aber nicht vor. „Technisch ist alles einwandfrei“, sagt Weintz. Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe seien mehrmals vor Ort gewesen und hätten keine außergewöhnliche Lärmbelästigung festgestellt.

Nach Angaben der RNV haben Techniker zum letzten Mal im Mai an der Weiche gearbeitet. „Innerhalb von einigen Tagen wurden die Schienen aufgeschweißt und abgeschliffen“, so der Sprecher. Die Stadt teilt dazu mit: „Ein Defekt wurde ordnungsgemäß behoben.“

Während der Arbeiten mussten die Bahnen langsamer fahren. Hajnal erinnert sich, dass der Lärm zu dieser Zeit nicht so groß gewesen sei. Er fragt sich: „Warum kann man die Züge nicht dauerhaft langsamer fahren lassen?“ Die RNV sieht dazu auf Nachfrage dieser Zeitung keinen Anlass. Die Anlage funktioniere einwandfrei.

Ärger über Lärm-Definition

Bei seinen Recherchen hat Hajnal Mitstreiter gesucht. Fünf Bewohner seines Hauses hätten ihm bestätigt, dass sie auch von dem Lärm betroffen seien. „Für sie spreche ich stellvertretend“, sagt er. Auch ein Ladenbetreiber aus der Gegend bezeugt das Geräusch an der Weiche. „Der Krach wurde mit der Zeit immer lauter“, sagt er. Es höre sich so an, als würde das Rad mit großer Wucht auf die Schiene aufschlagen.

Wegen des Lärms hat sich Hajnal an die Stadt gewandt. Er argumentiert, dass es gesundheitsschädlich sei, nachts durch Lärm geweckt zu werden. Die Stadt teilt dazu mit, dass die Lärmbelästigung im Bereich rund um die Weiche unter den kritischen Werten liege. Für Hajnal reicht diese Erklärung nicht aus. Ihn stört, dass bei der Bewertung nur eine Art Mittelwert zugrunde gelegt werde. Kurzzeitige Spitzenwerte, zum Beispiel, wenn eine Bahn für einige Sekunden über eine Weiche fahre, würden dabei nicht individuell bewertet. Gegen diese Praxis hat die Bundesvereinigung gegen Schienenlärm nach eigenen Angaben eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht.

Laut Stadt gilt der sogenannte Dauerschallpegel als Grundlage für die Lärm-Bewertung. Die Verwaltung verweist darauf, dass es sich beim Dauerschallpegel nicht um einen reinen Durchschnittswert handele. Spitzenwerte würden sehr wohl berücksichtigt. Deshalb bewege sich alles im rechtlichen Rahmen. „Es besteht kein weiterer Handlungsbedarf“, sagt eine Sprecherin.