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Lindenhof Sportgruppe und Stadtteilführer Jens Flammann eröffnen neue Slackline-Anlage auf der Rheinwiese / Vielgestaltige Sportmeile im Gespräch

Balanceakt auf wackligem Band

Archivartikel

Barfuß und mit rudernden Armen balancieren Tilmann Hiller und seine Freunde über die zwischen den Pfosten gespannten Gurte. Wie Artisten aus dem Zirkus sehen die athletischen Männer aus. „Man muss ein Gefühl für den Gurt entwickeln, was gut für Konzentration, Koordination und Körperspannung ist“, erklärt Hobbysportler Hiller. „Dass die durchhängenden Gurte nach links und rechts ausschlagen, ist dabei die Herausforderung.“

In Zusammenarbeit mit dem städtischen Grünflächenamt konnte die Gruppe an Sportlern auf der Wiese der Rheinpromenade im Lindenhof, auf Höhe der Jugendherberge, eine Slackline-Anlage installieren, im Erdboden verankert durch das Unternehmen „Berliner Seilfabrik“. Mit Diplom-Ökonom Jens Flammann weihte die Sportgruppe diese sechs blauen Pfosten bei einer Ortsbegehung ein.

Seit Anfang Juli sind sie auf der Lindenhöfer Rheinwiese aufgestellt. Die Stadtverwaltung wollte aufgrund des Naturschutzes nicht mehr, dass sich die Slackline-Athleten mit ihren Seilen an die umstehenden Baumstämme hängen.

„Ich stand neulich mal auf so einem Ding drauf, total spannend“, freute sich Wirtschaftsexperte Flammann bei der Präsentation der Slackline-Anlage. In Höhe und Länge lassen sich die Gurte innerhalb der fundamentierten Pfosten individuell variieren, für gewöhnlich spannt man die Gurte knie- bis brusthoch.

Anfänger willkommen

Dazu messen die Slackline-Gurte eine Länge von sechs bis 28 Metern. „Als Fortgeschrittener kann man sogar zu zweit auf den Gurten balancieren“, erläuterte Tilmann Hiller. Sobald man das Seil betritt, muss der Drahtseiltänzer seinen inneren Ruhepunkt ausloten. „Ich nenne das den mentalen Fokus“, berichtete der 31-Jährige. Ab sofort dient der Sportgruppe die Slackline-Anlage als gemeinschaftlicher Treffpunkt. „Ein sogenannter place to be, Anfänger sind herzlich willkommen“, versicherte Initiator Hiller, der dafür eine Facebook-Seite gegründet hat.

Oben spielerisch auf dem Gurt vergesse man sämtliche Alltagssorgen. Nach Benutzung baut die Sportgruppe die mit Ratsch-Gelenken festgezurrten Gurte, die zwischen 25 und 50 Millimeter breit sind, stets wieder ab. Allerdings verfügen die Pfosten über ein dauerhaft gespanntes Herkulesseil.

Rund um die neue Slackline-Anlage soll eine vielgestaltige Sportmeile entstehen. „Die Sportmeile ist eine Idee, noch keine feste Planung“, erläuterte Flammann, der regelmäßig Rundgänge durch den Stadtteil anbietet.

Immerhin befinden sich auf dem weitläufigen Areal entlang der Rheinpromenade die drei Vereinsheime von Paddel-Gesellschaft, Ruder-Club 1875 und Kanu-Club. Dieses bereits vorhandene Potenzial an Möglichkeiten sei ausbaufähig. „Hier gibt es schon einiges an Sportaktivitäten, etwa ein Fußballplatz“, schilderte Flammann, der sich über laufende Entwicklungsprojekte im Lindenhof informiert.

Im Rahmen einer Abstimmung unter den Besuchern des Promenadenfestes 2017 der „Stadtevents Mannheim“ votierten 350 Bürger für eine solche Sportmeile, 213 Bürger stimmten für ein mögliches Hafenmuseum an dieser Stelle. „Mannheim ist der zweitgrößte Binnenhafen nach Duisburg“, analysierte Flammann. Im Herbst wird das Vereinsheim der Paddel-Gesellschaft für einen Neubau abgerissen. Dazu verteilte Flammann einen geografischen Stadtteilplan zum Thema „Erholungs- und Sportmeile Lindenhof“ mit detaillierten Legenden. Zum Beispiel könnte man dort Beachvolleyball-Felder anlegen oder die Tennisplätze der Universität im Schlossgarten intensiver nutzen.

Trinkwasserstelle nötig

Außerdem fehle eine Trinkwasserstelle, um den Gebrauch von Plastiktüten einzudämmen. In diesem Zusammenhang äußerte der Stadtteilführer eine deutliche Kritik: Immer mehr Menschen würden auf der grünen Rheinwiese ihren kleinteiligen Müll verstreuen, weshalb jene Bürger, die dort picknicken, oftmals mit nackten Füßen auf herumliegende Kronkorken treten – ein schmerzhaftes Erlebnis.