Stadtteile

Gartenstadt Stadt prüft drei Varianten im Norden / Beschlussfassung im Herbst im Gemeinderat geplant

„Bau am Benz-Bad attraktiver“

Archivartikel

Lange Diskussionen gab es bei der jüngsten Bezirksbeiratssitzung im Gemeindesaal der Gnadenkirche zum Bäderkonzept der Stadt Mannheim. Markus Becker vom Fachbereich Sport und Freizeit stellte den Beiräten und Bürgern vor, dass es unabhängig vom Bau eines Kombibades im Herzogenried drei Varianten für den Norden gebe: „Die Sanierung der Bäder Vogelstang und Waldhof-Ost, zwei Neubauten an den jetzigen Standorten oder den Neubau eines Hallenbades am Standort Benz-Bad als Kombibad.“

Becker berichtete, dass die Besucherzahl in den Nord-Hallenbädern rückläufig sei. Zudem bestehe hoher Sanierungsbedarf. „Der Kostendeckungsgrad liegt bei acht und elf Prozent“, so Becker. Das Benz-Bad sei wegen der Witterungsabhängigkeit zahlenmäßig nicht vergleichbar. Aus Sicht der Schulen, so Becker, gebe es bei allen drei Möglichkeiten Gewinner und Verlierer. Aktuell habe man sich noch nicht auf eine Lösung festgelegt: „Ziel ist es, im Herbst eine Beschlussfassung in den gemeinderätlichen Gremien zu bekommen.“

Wechselwirkung im Blick

Jochen Tölk vom Fachbereich Stadtplanung erklärte, dass die Verwaltung jederzeit die Wechselwirkung mit dem Areal des Viktor-Lenel-Heims nördlich des Benz-Bades im Blick gehabt habe: „Eine Weiterentwicklung am Bad-Standort ist nicht ohne Flächen des Viktor-Lenel-Heims möglich.“ Die bauliche Entwicklung auf dem Lenel-Areal habe dagegen aber keine Auswirkungen auf einen potenziellen Um- oder Ausbau des Carl-Benz-Bads. „Wir prüfen außerdem, wie die Einrichtung einer Kita auf dem Gelände integriert werden kann“, so Becker (wir berichteten). Zur Erinnerung: Die Verwaltung hatte den Bezirksbeirat vor einigen Monaten über die Absicht informiert, einen Bebauungsplan „Südlicher Rottannenweg/nördlich des Carl-Benz-Bades“ aufzustellen, um eine Bebauung zu ermöglichen. Der Beirat hatte dies im Januar abgelehnt.

Bezirksbeirat Thomas Steitz (Freie Wähler/ML) erklärte, dass ein Kombibad „für Menschen, die zwei Bäder in zwei Stadtteilen haben, längere Wege“ bedeute. Ein Neubau am Benz-Bad habe allerdings eine durchaus interessante Lage. „Es wird immer gesagt, dass die Gartenstadt der einzige Stadtteil in Mannheim ist, dessen Bevölkerung nicht wachsen wird. Sind in den Planungen auch die Einwohner auf Franklin berücksichtigt?“, fragte Steitz. Becker erklärte, dass diese berücksichtigt seien. Der städtische Vertreter erinnerte, das Ganze aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten: „Der Bau am Benz-Bad wäre sicherlich attraktiver, aber alles steht nach wie vor zur Diskussion.“

Helga Schlichter (CDU) erkundigte sich, wann das Kombibad Herzogenried fertiggestellt werde: „Man baut ja nicht gleichzeitig im Herzogenried und am Benz-Bad.“ Becker erklärte, dass eine Kombination durchaus denkbar sei: „Baubeginn im Herzogenried ist 2020/21, Fertigstellung 2022/23. Das heißt aber nicht, dass erst nach Abschluss dort am Benz-Bad begonnen wird.“

Gudrun Müller (Freie Wähler/ML) und Gerald Unger (Linke) brachten das Parkplatz-Problem auf den Tisch: „Soweit sind wir noch nicht“, sagte Becker. Er stellte klar, dass alles noch völlig offen sei: „Welcher Vorschlag zum Tragen kommt, ist unklar, wir legen nur die Fakten dar.“ Steitz appellierte an die Verwaltung, „das Hallenbad, Benz-Bad, das Lenel-Areal und die Kita-Ideen gemeinsam zu planen“. Aus der Bürgerschaft kam die Frage, ob die mögliche Wohnbebauung im Rottannenweg durch die Pläne hinfällig sei. „Eine Einschränkung des Bäderbetriebs durch die Wohnbebauung darf nicht sein. Die Bebauung ist nicht vom Tisch“, so Tölk.

Ulrike Hartmann, Leiterin der Friedrich-Ebert-Schule, befürchtet durch ein Kombibad weniger Kapazitäten: „Wir wachsen und wachsen. Müssen sich dann alle Schulen die Bahnen teilen?“ Becker erklärte, dass Schulschwimmen vorrangige Pflichtaufgabe sei: „Das steht klar im Fokus.“ Auch Bürger Manfred Of hob den Schulsport hervor: „Wir brauchen beide Bäder.“

Jörg Meißburger beklagte die hygienischen Zustände: „Das ist unhaltbar. Meine Enkel rutschen auf der gleichen Rutsche, auf der ich schon gerutscht bin, mit den gleichen Löchern, die nur übermalt wurden.“ Zugeladen waren auch Bezirksbeiräte von der Vogelstang. „Wir sind demografisch ältester Stadtteil, die Menschen gehen in kein anderes Bad“, ermahnte Uwe Sievers (SPD), das Bad Vogelstang nicht aufzugeben. „Alles wird ausgebaut bei uns und das Hallenbad zugemacht?“, fragte auch Rotraud Schmitt (Linke).