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Vogelstang Waldorfkindergarten feiert 50-jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür

Begreifen als Grundprinzip

Archivartikel

1969 wurde der Waldorfkindergarten Vogelstang gegründet. 50 Jahre später feiert das Team um Leiterin Marianne Schwemmle gemeinsam mit Kindern, Familienangehörigen, Freunden und Interessierten das Jubiläum der Betreuungseinrichtung im Rahmen eines Tages der offenen Tür. Bei zahlreichen Mitmach-Aktionen rund um das Gebäude soll Besuchern am Samstagnachmittag eines ganz besonders klar werden, betont Erzieherin Sabine Wehner-Fischer: „Die Grundidee der Waldorfpädagogik, die den Kindern ganz elementare Erfahrungen ermöglicht, ist natürlich seit 1969 beibehalten worden.“

Holzspielzeug und Naturmöbel

Auf Holzspielzeug und Naturmöbel sowie selbst zubereitetes Mittagessen habe man schon damals großen Wert gelegt. Aber eine ganze Menge hat sich in den vergangenen 50 Jahren auch verändert – zum Beispiel die Größe der Einrichtung. „Damals gab es nur eine Kindergartengruppe, die mit zwei bis drei Erziehern in einer Holzbaracke untergebracht war“, berichtet Wehner-Fischer. Mittlerweile sind es drei Gruppen zu je knapp 25 Kindern sowie eine Kleinkindgruppe.

Julian Schmitt ging vor 30 Jahren selbst mal hier zum Kindergarten. Heute ist er zusammen mit seinem Neffen Theo da, der sich gut auskennt und gleich in Richtung Sandkasten rennt. Einiges sah damals noch anders aus, einiges sei ganz verschwunden, erinnert sich Schmitt. Unter anderem das riesige Baumhaus, wo er früher viel Zeit verbracht habe. „Und es kam mir alles viel größer vor. Aber das mag daran liegen, dass ich selbst noch kleiner war.“ Auch Theo fühle sich hier wohl – vor allem aufgrund des großen Gartens, meint Schmitt: „Ich fand es cool, dass wir früher so viel draußen in der Natur waren. Und das ist ja immer noch so.“

Baran war insgesamt vier Jahre lang im Waldorfkindergarten Vogelstang. Bei ihm ist das allerdings noch nicht ganz so lange her – der Sechsjährige geht seit diesem Jahr in die Schule. Gerade kommt er aus dem kleinen Zelt eines improvisierten Spielzeugwarenladens gekrochen. Im Tausch gegen einen Goldstein als Geldeinheit können die jungen Besucher hier Vögel und Schmetterlinge aus Märchenwolle, Notizblöcke und viele weitere selbst hergestellte Dinge erwerben. Baran hat sich für eine bunte Papierschachtel mit Edelstein entschieden. „Ich habe da eine ganze Sammlung von zuhause“, meint er und will prompt weiter zur nächsten Attraktion – dem Filzstand.

Dort fertigen einige Kinder bereits fleißig bunte Schlangen und Bälle an. Mehrere Körbe sind mit gefärbter Wolle gefüllt. Daneben steht ein Korb mit Rohwolle. Letzterer diene allerdings nur zu Dekorationszwecken, sagt eine Erzieherin, die ihren Namen nicht in den Medien lesen möchte. „Die muss erst noch kadiert und gekämmt werden. Mit den Kindern machen wir das normalerweise auch. Für heute wäre das jedoch etwas aufwendig.“

„Verstehen, wie alles funktioniert“

Großer Beliebtheit erfreut sich die Apfelpresse, wo klein geschnittene Äpfel zu frischem Apfelsaft verarbeitet werden. Für ein 0,3-Liter-Glas braucht es etwa zwei Äpfel. Dazu passend: Stockbrot. Aus Hefe, Wasser, ein wenig Olivenöl und eigens gemahlenem Mehl. Erzieher Kevin Aspenleiter hat neben sich mehrere Schüsseln mit fertigem Teig stehen, die jeweils für etwa zwölf Portionen reichen sollen. Nicht nur am Jubiläumstag bereite man Apfelsaft und Stockbrotteig selbst zu, erläutert der Pädagoge: „Uns ist wichtig, dass Kinder dabei den ganzen Vorgang verstehen und wie alles funktioniert.“

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