Stadtteile

Rheinau/Neckarau Kappenfahrt der „Sandhase“ wegen Sturmwarnung abgesagt / Zuschauer bejubeln „Pilwe“-Zug vom Straßenrand

Besucher trotzen Wind und Kälte

Archivartikel

Sturmtief „Bennet“ wirbelte den Rosenmontag durcheinander – und leider hatte auch auf der Rheinau die Warnung des Deutschen Wetterdienstes Auswirkungen auf das närrische Treiben. Buchstäblich in letzter Minute ist die Kappenfahrt vom 1. Rheinauer Carnevalverein von 1963 „Die Sandhase“ abgesagt worden. Doch auch eine dreiviertel Stunde nach der Absage um 13 Uhr standen die farbenfroh geschmückten Prunkwagen immer noch abfahrtsbereit am Treffpunkt Rheinauer Ring. Und das Fußvolk von „Narhalla Ketsch“ mit Prinzessin Valentina I. tanzte im strömenden Regen zu fröhlicher Stimmungsmusik.

Im Jubiläumsjahr, in dem der Rheinauer Carnevalverein unter dem Motto „55 Jahre Sandhase (1963-2018)“ auch die Stadtprinzessin stellt, sollte die Kappenfahrt besonders prächtig werden. Und so waren nicht nur die „Pilwe“ aus Neckarau und die „Grokageli“ aus Lindenhof mit großem Gefolge gekommen, sondern erstmals zu Ehren des Stadtprinzenpaars Daniela I. und Dirk II. auch Vereine aus Ketsch, Hockenheim, Brühl und Reilingen.

So richtig glauben wollte niemand an die Absage. „Der Kappenzug steht wegen der Sturmwarnung auf der Kippe“, meinte CDU-Bezirksbeirat Chris Rihm noch. Sie hätten die Plane an ihrem Lkw, auf dem ihr Piraten-Boot thronte, noch einmal extra gesichert. Der Zug-Ordnungsdienst sei noch immer unterwegs. Auch die „Sandhase“ harrten aus in ihrem Prunkwagen. Präsident Holger Kubinski war zu diesem Zeitpunkt trotz Absage noch immer unterwegs, um die Stadtprinzessin zum Umzug abzuholen. „Es wäre schade, wenn der Umzug ausfiele, so viel hat Rheinau ja nicht zu bieten“, meinten Jennifer und Andreas Hirsch. Im herrlich bunt geschmückten Firmenwagen der Firma Ries stecken viele Stunden Arbeit. „Hätte der Ordnungsdienst nicht schon früher Bescheid sagen können“, ärgerte sich Günter Ries. Firmenchef Rolf Ries versicherte: „Wir gehen nicht weg, wir bleiben da, egal was die Stadt sagt, wir haben 8000 Beutel Popcorn dabei.“

Um den Umzug noch zu retten, hatte CDU-Stadtrat Claudius Kranz den Sicherheitsdezernenten Christian Specht angerufen. Doch dieser war gerade im Urlaub. Specht vermittelte Kranz den Kontakt zu Klaus Eberle, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung. Dieser habe auf die Sturmwarnung des Deutschen Wetterdienstes hingewiesen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 90 Stundenkilometern. Dies sei zwar kein Grund für die Stadt, die Sache zu verbieten, die „Sandhasen“ könnten die Kappenfahrt auf eigene Verantwortung durchführen. „Doch als kleiner Verein können wir diese Verantwortung nicht übernehmen“, bedauerte „Sandhase“-Präsident Holger Kubinski nach seiner Ankunft mit der Stadtprinzessin.

Bunte Narrenparade

Teilweise in Dreierreihen standen die Zuschauer gestern Nachmittag an der Umzugsstrecke quer durch Neckarau. Dafür bekamen sie einen ausgesprochen bunten Narrenreigen geboten. Trotz Wind und Regen schlängelte sich der närrische Lindwurm durch die Straßen im Ortskern. Das traditionelle Zügl am Fasnachtsdienstag wurde von der Neckarauer Narrengilde „Die Pilwe“ organisiert. Angeführt vom Musikzug und den Garden, die zum Regenschutz ganz in Plastik eingepackt waren, startete der farbenfrohe Zug.

Zwanzig Gruppen mit über 300 Teilnehmern stellten alles Bisherige in den Schatten. Knapp zwei Stunden defilierten die Prunkwagen und Fußgruppen aus Neckarau, Rheinau und Lindenhof an Tausenden Zuschauern vorüber.

Fußgruppen wie der Verein Geschichte Alt-Neckarau als bunte Gärtnerschar samt Handkarren und Werbung für die Bundesgartenschau und „Ritter“ Helmut Wetzel als wehrhafter Streiter, Sportler der Judo-Abteilung der Post-SG mit sportlichen Einlagen, sowie kleine Indianer der Kindertagesstätte der Freizeitschule wechselten ab mit prachtvollen Themenwagen, unter anderen der Mainzer Prunkwagen der Alten Herren des TSV Neckarau.

Nicht minder prächtig war die zauberhafte Unterwasserwelt der KNG mit kleinen Haien, zarten Meerjungfrauen und Seifenblubberblasen. Doch auch das Piratenschiff der Gemeindediakonie/Maria Blarer Haus, die Schleppergarde, die „Vun allem Ebbes“ dabei hatte, die „Müllschlucker“ aus Rheinau, die „alles schlugge“, der Avendi Seniorenservice, die TSG und Elektro Ries, das Café Tongfa, die roten Socken der SPD und die Neckarauer Hexen, hatten Wagen und Fußgruppen mit viel Liebe gestaltet. Auch die „Sandhase“, die das Stadtprinzenpaar Daniela I. und Dirk II. als Gutselwerfer dabei hatten, und die Lindenhöfer „Grokalgeli“ bereicherten den Zug, der mit dem Wagen der „Pilwe“-Frauen endete.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/fasnacht