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Lindenhof Polizeioberkommissar Uwe Welker warnt bei Präventionsvortrag in Lanzkapelle vor Betrügern am Telefon und Diebstählen aus Fahrradkörben

„Bleiben Sie misstrauisch“

Es ist früh am Abend, Agnes Fink sitzt allein zu Hause, da klingelt das Telefon. Ein Ermittler der Mannheimer Polizei meldet sich am anderen Ende der Leitung. In Finks Nachbarschaft habe es einen Einbruch gegeben, zwei der Täter seien gefasst, sagt er. „Ein Dritter ist noch flüchtig.“ Deshalb rate man ihr, Wertsachen und Geld außer Haus zu bringen. Die Polizei biete an, alles sicher zu verwahren – bis die Sache aufgeklärt sei. Agnes Fink glaubt dem Mann. Er schien zu wissen, wovon er spricht, rief mehrmals an, mit immer neueren Ermittlungsdetails. Das Geld, immerhin 50.000 Euro, über Jahrzehnte angespart, übergibt sie bereitwillig. Dann ist alles weg.

Obwohl der Fall von Agnes Fink ein rein fiktiver ist, den Polizeioberkommissar Uwe Welker als Video in der Lanzkapelle zeigt, weiß er, dass solche Fälle immer wieder vorkommen. Allein im vergangenen Monat habe die Polizei Dutzende solcher Fälle verzeichnet, sagt Welker. Um aufzuklären, ist er auf Einladung der Bürgerinteressengemeinschaft Lindenhof in die Lanzkapelle gekommen. Dort hält er einen Vortrag zum Thema „falsche Polizisten“.

„Viele werden sagen, das kann mir doch nicht passieren“, meint der Präventionsbeauftragte der Neckarauer Polizei, „aber die Opfer werden eingewickelt in Bedrohungsszenarien – und letztendlich nutzten die Betrüger das Vertrauen aus, das man gegenüber der Polizei hat.“

Technische Tricks

Welker rät: Misstrauisch zu bleiben! Auch wenn die Nummer auf dem Apparat einem bekannt vorkomme. Selbst wenn es die „110“ sei. Denn diese sei eigentlich eine Notrufnummer: „Da werden nur Anrufe entgegengenommen, von dem Apparat wird niemals ein Gespräch abgehen.“ Die Nummer erscheine nur deshalb auf dem Display des Telefons, weil die Betrüger technische Tricks anwenden. „Wer also die 110 sieht, sollte auf der Hut seien.“ Und noch etwas würde die Polizei nie tun: „Sie nach Wertgegenständen und finanziellen Verhältnissen fragen.“ Grundsätzlich gelte: Das Gespräch zu beenden, sobald einem etwas merkwürdig erscheine. „Auch, wenn es sich um angebliche Mitarbeiter von Krankenkassen, Banken oder angeblich um die eigenen Enkel handelt.“ Die alten Tricks seien schließlich nicht aus der Welt.

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in Mannheim: 150 Enkeltrickfälle und über 800 Anrufe mit falschen Polizisten. „Dabei ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen“, meint Welker und ergänzt, dass 95 Prozent aller Fälle im Versuchsstadium enden würden. „Bei fünf Prozent gelingt es aber doch.“

Und noch eine zweite Masche wird populärer: der Handtaschendiebstahl aus dem Fahrradkorb. Die Polizei rät: Wertsachen am Körper zu tragen. Oder einen abschließbaren Fahrradkorb zu kaufen.