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Neckarau Schüler des Bach-Gymnasiums stellen ihre Werke in „Gehrings Kommode“ aus

Blick auf das eigene Ich

Birgit Friedrich ruft die jungen Schülerinnen ihrer Kunst-Leistungskurs-Klasse auf die Bühne. Sie scheinen ein wenig aufgeregt, als der Applaus für sie und ihre künstlerischen Werke nach vorne schwallt. Kein Wunder, denn „Gehrings Kommode“ ist auch an diesem Abend gut gefüllt, Familien, Freunde und neugierige Gäste sind gekommen, um die Vernissage zu erleben. Sie ist ihre erste.

Neun Frauen und ein „Quotenmann“ aus dem Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium zeigen in der Schulstraße 82, was sie im Kunstunterricht gelernt haben. „Dass wir hier ausstellen dürfen, macht uns sehr glücklich“, betont die Lehrerin Birgit Friedrich und bedankt sich bei Barbara Eckert-Stahl vom Neckarauer Kunst- und Kulturverein „Nekk99“, die die Idee dazu hatte. Seit genau zwanzig Jahren fördert der Verein Kultur aus dem Quartier und seit genau vierzig Jahren hat sich „Gehrings Kommode“ hier als Live-Bühne für alle Kunstsparten etabliert.

Intensive Auseinandersetzung

Bei „State of the Art“ hat Meike „Mein Cello und ich“, gemalt. Das Bild gehört zu den wunderbaren Selbstbildnissen, die Teil der Aufgabenstellung „Verwandlung“ sind. Angelehnt an das Konzept der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman, die für ihre fotografischen Selbstbefragungen und Rollenspiele Berühmtheit erlangte, spaltet sich das eigene Ich mittels malerisch eingesetzten Spiegeln oder symbolträchtigen Beigaben. Andere Porträts, denen die intensive Auseinandersetzung mit Rembrandts Hell-Dunkel-Malerei vorausgegangen ist, treten aus mattem Hintergrund ins kontrastreiche helle Licht hervor. Auch das ist spannend.

Im Frühjahr hatte die Klasse eine Reise nach Amsterdam unternommen, um vor Ort Farben und Lichtwirkungen des Meisters zu studieren. Denn die Pädagogin unterrichtet über das Malen hinaus. Sie gibt kunsthistorischen Unterricht und wandelt darin mit ihren Schülern durch die Zeiten. Im Expressionismus angekommen, werden Finger in Farbe getaucht, Holz oder Leinwände damit ausgeputzt, das Thema „loderndes Feuer“ gestisch zum Ausdruck gebracht.

Weiter geht’s mit Jackson Polloks „Action Painting“. Spritzer drippeln auf den Malgrund. Die freie Malerei soll geübt werden. Intuitiv und spontan. Das habe Spaß gemacht, erzählt Tabea Waßerfall, deren Stärke nicht nur im Reden, sondern auch in ihren Selbstporträts liegt. „Der Raum war mit Folie ausgelegt. Aber nach Tagen haben wir noch Kleckse am Köper entdeckt.“ Mit Anmut und Humor hält sie die Einführungsrede und erzählt von den „Wasserbildern“ die man zum Löschen des „Feuers“ gemalt habe. Seit September letzten Jahres haben die zehn Kunstinteressierten Farbenlehre und Anatomie studiert, haben sich mit Kunstschaffenden befasst, beobachtet, gemalt und gezeichnet. Und so sind neben den Werken in Acryl auch Bleistiftzeichnungen entstanden, wie die Porträtstudie von Nele Ries. Aber auch die anderen haben ihr Talent bewiesen. Alle können sie stolz sein. Und der Applaus gehört jedem einzelnen.