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Neckarau Pfadfinder Thomas Morus feiern 90. Geburtstag / Jubiläums-Hoffest mit Kinderprogramm und gemütlichem Beisammensein

Blick zurück auf eine bewegte Geschichte

„Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr und das traditionelle Hoffest ein anderes, weil unser Stamm Thomas Morus Mannheim-Neckarau 90 Jahre alt wird“, erklärte Christine Kaiser vom Vorstand der DPSG (Deutsche Pfadfinder St. Georg) bei der Eröffnung der Feier rund um die Kirche St. Jakobus in der Neckarauer Rheingoldstraße 11.

Sie erinnerte an die bewegte Geschichte der Jugendorganisation in Neckarau: Im Jahre1928 wurde aus der Wandergruppe des Jungmännervereins Neckarau heraus der Stamm Pfadfinder Neckarau mit neun Mitgliedern gegründet. Erster Stammesleiter war damals Feldmeister Josef Ott. Im Jahre 1932 stiftete die Familie Gustav Mayer das erste Banner. Dieses wurde 1933 das letzte Mal öffentlich bei der Fronleichnamsprozession gezeigt.

Während des Dritten Reiches waren Pfadfinderbünde verboten. Im Jahre 1948 erfolgte die Wiedergründung der DPSG Neckarau durch Julius Pimiskern und die Übergabe des wieder ausgegrabenen Banners. Erst fast 20 Jahre später, im Jahre 1967, nannte sich der Stamm schließlich Thomas Morus.

1979 waren aus anfangs neun inzwischen 194 Mitglieder geworden. Heute freuen sich die Pfadfinder Neckarau über 90 aktive Mitglieder. Vorstände sind noch bis November Benjamin Wellhöfer und Christine Kaiser.

Fahnehissen vor Gemeindehaus

Nach Hissen der Fahnen des DPSG und der Weltpfadfinderschaft vor dem Gemeindehaus, wurde im zünftig als Lager für die Jugendorganisation ausgestalteten Kirchhof gefeiert. „Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt, was die Deko angeht“, sagte Pfadfinderin Lina Graf. Im Kirchhof begrüßte Laura Reiss die zahlreichen Gäste im Namen des Fest-Teams. Es sei bereits die zehnte Feier, die sie vorbereitet habe. „Ich freue mit jedes Jahr wieder, obwohl es absolut viel Arbeit ist, weil es wirklich ein sehr schönes Fest ist. Und die Leute freuen sich schon Monate lang vor dem eigentlichen Termin darauf“, sagte Leiss.

Das Besondere beim Jubiläumsfest war der interaktive Zeitstrahl, der an die vielen kleinen und großen Geschichten der letzten 90 Jahre erinnerte und auf dem die Besucher auch ihre eigenen Erinnerungen eintragen konnten. Lange hätten sie diskutiert, ob sie ein Jubiläums-T-Shirt herstellen sollten, so Reiss. Die alten Jubiläums-T-Shirts hingen auf einer Leine über dem Biergarten. Das neue Shirt war zwar noch nicht fertig – aber erste Bestellungen wurden beim Jubiläumsfest bereits gerne entgegengenommen.

Während die Erwachsenen in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen beisammen saßen, genossen die kleinen Gäste das attraktive Kinderprogramm. Neben Baumstammnageln und Kinderschminken erzählte Pfadfinderin „Geli“ den Kindern spannende Geschichten am Lagerfeuer.

Ein richtiges Lagerfeuer loderte vor dem Gemeindehaus. Dort backte Joshi Kratzer Stockbrot mit Kindern und Erwachsenen. Außerdem lockte ein spezielles Bingo mit Pfadfindersymbolen.

Neue Freunde gefunden

Den ganzen Nachmittag fuhr der 15-jährige Dario mit seinem selbstgebauten Glücksrad-Wagen durch die Besucherreihen. Die Gäste waren begeistert, so auch der dreizehnjährige Fabian. Er kam schon mit sieben Jahren zu den „Jupfis“ (Jugendpfadfinder). „Meine ganze Familie ist dabei und auch ich fand das einfach gut“, erzählte er. Pfadfinder sein bedeutet für Fabian, neue Freunde finden. Er berichtete: „Bei den Pfadfinder-Lagern trifft man Jungen und Mädchen aus aller Welt. Man lernt ein bisschen was von der Welt und anderen Leuten, sieht ihre Bräuche, Sitten und lernt auch ihre Essgewohnheiten kennen.“

Martina Bischof-Knapp hingegen kam erst relativ spät zu den Pfadfindern. Bei der Firmung habe ihre Firmbegleiterin Werbung für die Gruppe Thomas Morus gemacht. Monika Bischof-Knapp war lange Jahre Gruppenleiterin und hat zusammen mit Gerlinde Fontana, Andreas Schöler und Elisabeth Lehnhardt bereits im Jahr 1995 das Hoffest ins Leben gerufen.

Mit dem Pfadfindergedanken hat sie ihre ganze Familie angesteckt. Die 15-jährige Celine half beim Jubiläums-Hoffest am Schminkstand, der 13-jährige Naomi am Kuchenstand und der zehnjährige Ruben ließ sich mit Vergnügen schminken. „Wissen Sie“, resümierte Martina Bischof-Knapp: „Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder.“

Das rundum gelungene Hoffest klang mit einem Familiengottesdienst am Sonntag in der Kirche St. Jakobus mit anschließendem Frühschoppen aus.