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Feudenheim Offene Probe des Kurpfälzischen Kammerorchesters begeistert in der Kulturkirche Epiphanias

Bravo-Rufe für den Tenor

Archivartikel

Im Rahmen einer offenen Probe in der Kulturkirche Epiphanias hat das Kurpfälzische Kammerorchester mit dem tschechischen Ensemble 18+ zwei verschiedene Fassungen der Oper „Alessandro nell’Indie“ konzertant aufgeführt – ein außergewöhnliches musikalisches Projekt, das sie in diesen Tagen nach Tschechien führen wird, wie Moderatorin Gabriele Gefäller erläuterte.

Bereits seit einigen Jahren ist das Kurpfälzische Kammerorchester in Zusammenarbeit mit einem tschechischen Partner im Aufbau einer deutsch-tschechischen Akademie, die sich zum Ziel gesetzt hat, die engen historischen Verbindungen der Mannheimer Schule – viele prägende Mitglieder der Mannheimer Hofkapelle, darunter Johann Stamitz und Franz Xaver Richter, stammten ursprünglich aus Böhmen – wieder aufleben zu lassen. Die musikalische Gegenüberstellung der barocken und im Laufe der Jahrhunderte völlig in Vergessenheit geratenen Opernraritäten „Alessandro nell’Indie“ nach einem Libretto von Pietro Metastasio in der Vertonung von Ignaz Holzbauer (1711-1783) und Jan Antonín Kozeluch (1738-1814) wurden unter der Leitung von Marek Stilec präsentiert.

Eine ausgezeichnete Stimme

Die knapp zweistündige Vorstellung in der Kulturkirche Epiphanias – mit einem tschechischen Sängertrio – war für die mehr als 60 Zuhörer ein besonderer Genuss. Countertenor Vojta Pelka glänzte mit seiner glasklaren und androgynen Stimme in der Rolle des „Poro“. Was der junge Sänger, der nach jeder seiner beiden Arien frenetischem Beifall bekam, bis in schwindelnde Höhen an Natürlichkeit und Koloratur leistet, ist einfach überwältigend. Sopranistin Michaela Srumová begeisterte mit ihrer kristallinen Höhe, brillanter Schärfe und Durchschlagskraft: eine ausgezeichnete Stimme für die Rolle der „Erissena“, Poros Schwester.

Zwischen der Sopranistin und dem Countertenor wirkte Petr Nekoranec mit seiner klassischen Tenorstimme fast schon wie ein Exot. Als galanter, aber selbstgefälliger Alessandro wusste er sich jedoch ebenso leidenschaftlich wie stilsicher zu behaupten. Das begleitende Orchesterensemble wurde von Marek Stilec sehr behutsam geleitet. Er gibt die Einsätze mit dem Kopf, mit dem Oberkörper, mit den Händen – was eben gerade frei ist. Das Ergebnis ist ein faszinierend lebendiges, wie aus dem Augenblick heraus empfundenes Musizieren.

Das Orchester setzt vor allem durch den temperamentvollen Einsatz vom Cembalo markante Akzente. Die Streicher spielen dazu ungemein genau und in den ruhigeren Arien auch sehr klangschön. Mit den Bläsern werden zudem ganz überraschende Farben gemischt.

Und am Ende steht fest: „Alessandro nell’Indie“ ist eine echte Entdeckung. Das von der Aufführung begeisterte Publikum, das nach jeder Arie applaudierte, bejubelte am Schluss das Sängerensemble, das Orchester und den Dirigenten minutenlang, wobei viele Bravo-Rufe zu hören waren und ein Teil der Zuschauer den Interpreten stehende Ovationen bescherte.

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