Stadtteile

Lindenhof BIG kritisiert Standort des geplanten Kiga an der Ecke Waldpark- und Landteilstraße / Neubau blockiere Frischluftschneise / Grüne sprechen von Dilemma

Bürger in Sorge um Grünfläche

Die Freude über den geplanten Neubau an der Ecke Waldpark-/Landteilstraße war zunächst sowohl bei Lindenhöfer Familien als auch bei den meisten Bezirksbeiräten groß. Und dass der Ausbau der Kinderbetreuung auf dem Lindenhof „wichtig und dringlich“ sei, betont auch Marc-Oliver Kuhse von der Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof. Dennoch kritisiert er die Standortwahl. Denn ein Bau an dieser Stelle liege auf einer der letzten Frischluftschneisen des Stadtteils.

„Und diese Frischluftschneise belüftet auch die Meerlachstraße und Torwiesenstraße und führt Luft bis zur Meerfeldstraße. Ein mehrstöckiger Querriegel würde die Frischluft blockieren und mehrere Straßenzüge erwärmen.“ Was angesichts des vergangenen Sommers und künftiger Prognosen besonders von Relevanz sei. Deshalb richtete er in einem Schreiben an die Stadt mahnende Worte: „Bitte korrigieren Sie nicht einen Fehler, indem Sie einen anderen machen. Die Eltern möchten ihre Kinder in einem grünen Stadtteil großziehen.“

Viel geeigneter für eine Kita seien, so Kuhse, zwei andere Standorte. Zum einen neben der Jungendherberge: „Grün, gut anfahrbar, ein Spielplatz in der Nähe und viel Platz – also ein Traum für Stadtkinder.“ Das Ergebnis nach einer Prüfung durch die Verwaltung habe „relativ häufig überschwemmt“ gelautet. „Genauso gut hätte man schreiben können ,relativ selten überschwemmt’, weil relativ ist eben nicht objektiv“, so Kuhse.

Kühle Luft vom Rhein

Als weitere Alternative nennt Kuhse den von CDU-Ortsvorsitzende Ingeborg Dörr seit 2011 immer wieder vorgeschlagenen Standort Pfalzplatzbunker, den die Stadt mit dem Hinweis abgelehnt habe, dass er sehr „sanierungsbedürftig“ wäre. „Richtig ist,“ so Kuhse, „dass er in den 80er-Jahren saniert wurde und lediglich die Decke abgedichtet werden muss“. Laut Dörr sei der Platz ideal, weil dort bereits ein Spielplatz für Kinder- und Jugendliche vorhanden sei sowie unter dem Areal eine Tiefgarage mit rund 150 Plätzen eingerichtet werden könnte.

Dennoch halte die Verwaltung an dem geplanten Projekt fest, wie ein Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung versichert. „Wir haben die Vor- und Nachteile der verschiedenen Standorte geprüft. Dabei wurde auch die klimaökologische Wirkung berücksichtigt.“ Mit dem Ergebnis, dass die Grünfläche an der Ecke Waldparkstraße/Landteilstraße zwar „lokalklimatische Positiveffekte“ entfalte, jedoch nur „auf die direkt angrenzende Bebauung“, so ein Sprecher der Stadt. Dies bedeute, dass der für die Kinderbetreuungseinrichtung geplante Bereich nicht die Funktion einer Frischluftschneise erfülle, sondern sich lediglich positiv auf die Häuser ganz in seiner Nähe auswirke. Dazu erwidert Kuhse: „Es ist zwar richtig, dass es nicht die Klasse einer Frischluftschneise erfüllt. Aber durch die direkte Anbindung an den Rhein ist der Effekt sehr hoch. Nicht wegen der Grünfläche an sich, sondern vom Rhein.“ Diese kühle Luft werde auch in die Seitenstraßen transportiert.

Dass sich der Positiveffekt nur auf die Häuser in der direkten Umgebung begrenze ist nach Kuhses Ansicht „schlichtweg falsch und ignorant“.

Der an der Ecke Waldpark-/Landteilstraße in Trägerschaft von „kinderland.net“ geplante Neubau eines viergruppigen Kigas mit 80 Ganztagesplätzen soll Ende 2020 in Betrieb gehen (wir berichteten). Zudem ist dort ein Naturkindergarten vorgesehen, der laut Stadt noch in diesem Jahr bezugsfertig sein wird.

„Leider hat man es nicht geschafft, in den zahlreichen Neubauprojekten der letzten Jahre eine Kita zu platzieren“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Melis Sekmen auf „MM“-Anfrage. Der Kitaplatz-Mangel auf dem Lindenhof spitze sich zu. Und klar sei, dass die Nachfrage so schnell wie möglich abgedeckt werden müsse. Der geplante Bau könne, so Sekmen, nur mit der „verheerenden Versorgungssituation“ auf dem Lindenhof begründet werden: „Es ist ein Dilemma.“

Ökologische Bauweise

Die Nahverdichtung kommt, so Sekmen, aus Sicht der Grünen nur in Frage, wenn dabei eine ökologische Bauweise mit hohen Energiestandards, eine Dach- oder Fassadenbegrünung und der Erhalt des Baumbestandes auf der Fläche berücksichtigt werde: „Gerade auf dem Epiphanias-Gelände haben wir gesehen, dass mit einer Holzbauweise und der Ausrichtung des Neubaus der Erhalt der Bäume und eine ökologische Bauweise möglich ist. Was sich auch klimatisch auf den Stadtteil auswirken wird.“