Stadtteile

Lindenhof Viele Anwohner nehmen an Infoveranstaltung zur geplanten Dammsanierung im Bereich des Rheins teil / Bis zu 1000 Bäume sollen gefällt werden

Bürger wollen Kahlschlag vermeiden

Archivartikel

Die geplante Sanierung des Hochwasserdamms am Rhein schlägt Wellen. Bis zu einer Breite von 50 Metern beidseitig des Dammes sollen die Bäume verschwinden. Das Interesse der Bürger an dem Thema ist groß: Mehr als 150 Gäste kamen zur Informationsveranstaltung der Bürger- und Interessengemeinschaft (BIG) Lindenhof in der Lanzkapelle. Vertreter der Stadt oder des Regierungspräsidiums erschienen nicht – trotz Einladung.

„Das Thema soll offensichtlich an uns vorbeigehen“, ärgerte sich BIG-Gründungsmitglied und FDP-Bezirksbeirat Wolf Engelen. Schließlich seien drei Stadtteile betroffen: Lindenhof, Niederfeld und Neckarau. Engelen erläuterte die Pläne von Stadt und Land: Der Rheinhochwasserdamm zwischen dem Großkraftwerk in Neckarau und der Weinbietstraße im Lindenhof sei in die Jahre gekommen und müsse saniert werden.

„Wir begrüßen, dass die Stadt Mannheim diese, für die Sicherheit der Anwohner wichtige, Aufgabe in Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg anpacken will“, so Engelen. Allerdings sieht der Plan für die Umsetzung der Sanierung nach der DIN-Norm 19712 eine baumfreie Zone auf beiden Seiten des Damms, mit einer Breite von insgesamt 30 bis 50 Metern vor – und das auf einer Länge von 3,5 Kilometern. Bis zu 1000 Bäume, die zum Teil unter Naturschutz stehen, müssten gefällt werden.

„Massive Eingriffe“

„Das betrifft auch Privatgrundstücke, beispielsweise im Schwarzwaldviertel“, so Engelen. Dieses in der Geschichte Mannheims beispiellose Vorhaben wäre nicht nur ein ökologisches Desaster, sondern würde auch eines der schönsten Naherholungsgebiete der Region, das nicht ohne Grund als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, dauerhaft schädigen. „Es wird zu massiven Eingriffen in den Baumbestand kommen, aber sie sind alternativlos“, habe Umweltbürgermeisterin Felicita Kubala (Grüne) im Februar dieses Jahres erklärt.

Das bezweifelt Engelen schon deshalb, weil die Stadt Mannheim am kleinen Rheindamm, zwischen dem Denkmal von Großherzogin Stephanie und dem Bellenkrappen, erst vor wenigen Jahren 30 neue Bäume pflanzte – zur Ergänzung des alten Baumbestandes und zur Stabilisierung der Dammkrone.

„Nachforschungen durch BIG-Lindenhof haben zudem ergeben, dass auf vergleichbaren Dämmen in anderen Regionen Deutschlands bei Sanierungen der komplette Baumbestand erhalten blieb“, erklärte Vorstandsmitglied Wolf-Rainer Lowack. Nach Suchgrabungen an der Stör-Wasserstraße bei Schwerin durch das Baumbüro Hagen hätten alle Projektbeteiligten festgestellt: Eine Ertüchtigung der Dämme nach offizieller Norm würde mittel- bis langfristig nicht funktionieren, da das absterbende Wurzelwerk wasserführende Röhren hinterlassen könnte und der Dammkern unter dem Druck der Auflagerung zusammensacken würde.

Stadt Karlsruhe als Vorbild

Der Stuttgarter Sachverständige Lothar Wessolly habe nach baumstatischen Untersuchungen am Rheindeich bei Neuss festgestellt: Von den 500 Bäumen dort gehe keinerlei Gefährdung des Deiches aus. Auch die Stadt Karlsruhe habe ihre Forderung nach einer umweltverträglichen Alternative zu der vom Land Baden-Württemberg geplanten Erneuerung des Dammes bekräftigt und ein Prüfverfahren in Auftrag gegeben. „Wieso macht das die Stadt Mannheim nicht, warum sollen hier alle Bäume gefällt werden?“, fragten die Besucher der Veranstaltung.

Ein Planfeststellungsbeschluss ohne Prüfung von Alternativen könnte rechtswidrig sein. „Wir werden um jeden Baum kämpfen“, betonten die Bürger. Mehrere Aktionen am Rheindamm seien in Planung.