Stadtteile

Neckarau Blumenhaus Röth schließt nach 100 Jahren

Das blühende Geschäft im Süden macht Schluss

Nach 100 Jahren schließt nun auch dieser Familienbetrieb in Neckarau: Wolfgang Doberass hat sein Blumengeschäft aufgegeben. „Es ist nicht einfach“, sagte der Geschäftsinhaber, der in diesem Jahr seinen 73. Geburtstag feiert. Die Entscheidung, den Blumenladen, den Antonie Betz, die Großmutter seiner Frau Christel 1918 gegründet hat, zu schließen, sei ihm nicht leicht gefallen. Doch schon vor langem habe er mit seiner Frau, die vor vier Jahren verstarb, besprochen, dass sie nach dem 100-jährigen Bestehen das Blumenhauses schließen werden.

„Und in diesem Jahr ist es soweit“, sagte Doberass. Zumal sein Sohn Peter, der Architekt ist, kein Interesse daran hätte, ins Blumengeschäft einzusteigen. Ein weiterer Grund für die Schließung sei der erhebliche Sanierungsbedarf. Der Anbau an das 1965 erbaute Haus habe sich abgesenkt, weil der Grundwasserspiegel gefallen sei. „Wir müssen alles einreißen und die Geschäftsräume neu herrichten.“

Doberass sucht noch einen neuen Mieter für die Geschäftsräume in der Morchfeldstraße 28. Ob das ein Blumengeschäft sein wird, weiß er nicht. Die Einrichtungsgegenstände habe er bereits an Kollegen verkauft. „Ich weiß schon, dass damit ein Stückchen Neckarau verloren geht“, sagte Doberass. 1973 war der Gärtnermeister in das Geschäft seiner Schwiegermutter Anna Röth eingestiegen. Nach deren frühem Tod übernahm er die Firma. Ein Geschäft mit Tradition, das Doberass in der dritten Generation führte. Er kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als es gegenüber vom Bluemenhaus noch die Rheinische Zelluloid gab, in der 2000 Menschen arbeiteten. Damals sei der Blumenbedarf noch groß gewesen, habe er auch immer etliche Paletten Blumenerde geliefert bekommen. Heute seien es im gleichen Zeitraum gerade mal zwei Paletten. Die Konkurrenz der Gartenmärkte sei groß geworden. „Blumen bekommt man doch mittlerweile an jeder Tankstelle und in jedem Supermarkt.“

Viele Menschen kauften lieber zehn Rosen für 1,99 Euro beim Discounter als für zehn Euro bei ihm. „Zu uns sind die Kunden gekommen, wenn sie etwas Besonderes wollten.“ Ein Geschäft wie dieses immer auf hohem Niveau zu halten, sei mittlerweile schwer. Schließlich war der Beruf für den Gärtnermeister immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Vor allem die Stammkunden bedauerten die Schließung. „Schade, das Blumenhaus lag immer so schön auf meinem Heimweg von der Arbeit“, sagte Gerlinde Baunach. Jede Woche habe sie hier vorbeigeschaut. „Ich bedauere die Schließung sehr“, sagte Stammkunde Artur Lenz, Schon seine Eltern hätten im Blumenhaus Röth eingekauft – wegen der guten Qualität. ost