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Neckarau Soziales und nachhaltiges Second-Hand-Kaufhaus Markthaus kehrt nach umfangreicher Sanierung zur Routine zurück / Große Wiedereröffnung

„Das muss alles erst wieder anlaufen“

„Wir sind erwachsen geworden als Unternehmen, mit Mitarbeitern, die schon Lange bei uns arbeiten“, freute sich Geschäftsführer Thomas Weichert über das seit 1997 existierende soziale Kaufhaus Markthaus im Stadtteil Neckarau.

Besonders hob der Chef das nicht selbstverständliche Engagement seiner Mitarbeiterschaft hervor, die sich aus gesunden und behinderten Angestellten zusammensetzt. Nicht selten gehe der Einsatz der Mitarbeiter, wie Weichert lobte, über die normale Pflicht hinaus. Nach Grundsanierung und Neueinrichtung des mehrflügeligen Firmengebäudes von Oktober 2017 bis Mai 2018 feierte das Second-Hand-Kaufhaus mit einem Sommerfest nun große Neueröffnung.

Nachhaltiger Inklusionsbetrieb

„Wir haben neu möbliert, neue Böden verlegt, teilweise neue Fenster bekommen und das Gebäude auf den aktuellen Stand der Brandschutzbestimmungen gebracht“, erklärte der Geschäftsführer, der seit 2001 das Neckarauer Recycling-Kaufhaus leitet.

Im Rahmen der feierlichen Wiedereröffnung zeichnete Weichert drei Auszubildende und jubilierende Mitarbeiter aus. Im Innenhof der Floßwörthstraße, wo sich das soziale Ökokaufhaus mit dem breiten Angebot an Second-Hand-Verkaufsartikeln befindet, bildet ein hellgrüner Flachbau – die Erkennungsfarbe des Unternehmens – den Mittelpunkt. Bevor das Second-Hand-Geschäft die ausschließlich gespendete Ware weiterverkauft, müssen die gebrauchten Gegenstände einem gewissen Qualitätsanspruch genügen. Das Markthaus versteht sich in seiner Firmenphilosophie als nachhaltiger Inklusionsbetrieb, also als ein Unternehmen, das sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse für Menschen mit (Schwer-)Behinderung anbietet.

Vor dem Haupteingang des Markthauses hatte die Mitarbeiterschaft keinen roten, sondern einen grasgrünen Showteppich ausgerollt. Für die Besucher der Wiedereröffnung, zu der die örtliche Marching-Band „Brass2Go“ quer über das Gelände und durch die Räumlichkeiten spielend flanierte, und für eine kesse Modenschau der Mitarbeiter, die farbenfrohe Kleidung aus dem Bestand vorführten.

„Das muss alles erst wieder anlaufen“, schilderte Manuela Langkath, eine Mitarbeiterin für Marketing und Kommunikation. Denn das Markthaus ermöglicht berufstätigen Menschen mit und ohne Einschränkung eine Teilhabe am aktiven Arbeitsmarkt. Im Markthaus lädt zudem ein kleines Besucher-Bistro zum Verweilen ein. Außerdem warten in einer Abteilung etliche Kisten mit alten Schallplatten auf kundige Vinyl-Sammler.

Koffer mit Überraschung

„Wir nehmen kostenfreie Sachspenden an: Ob Möbel, die nicht mehr gefallen, Geschirr, nicht mehr passende Kleidung, Elektrogeräte oder DVDs, an denen man sich sattgesehen hat“, erläuterte Marketing-Angestellte Langkath, die seit Januar dem Mitarbeiterstamm angehört, und ergänzte: „Wir haben eine sehr schöne Kinderabteilung.“ Jedoch nimmt das Markthaus keine gebrauchten Motorradhelme entgegen – die könnten nach einem möglichen Unfall im Inneren gebrochen und damit unsicher sein.

Während der Wiedereröffnungsfeier sorgte das spazierende Bläserensemble „Brass2Go“ mit einem Udo-Jürgens-Medley und Stücken wie „Chameleon“ von Herbie Hancock und dem beschwingten Cantina-Thema aus dem Filmsoundtrack von „Krieg der Sterne“ für Unterhaltung.

Später hielt Manuela Langkath als Auktionatorin mit Hämmerchen eine Versteigerung diverser Koffer mit unbekanntem Inhalt ab – bei einem Startgebot von neun Euro. „Ich habe die Koffer gefüllt“, erklärte Langkath.