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Innenstadt Klimaschutzagentur informiert im Quartierforum Unterstadt über das Förderprogramm der Stadt

Das Ziel: Mehr Grün statt Grau

Archivartikel

70 000 Quadratmeter, eine Fläche fast so groß wie sieben Fußballfelder, beträgt lautKlimaschutzagentur das Begrünungspotenzial in den Mannheimer Quadraten. Würde dieses Potenzial ausgeschöpft, könnte es zu einer erheblichen Verbesserung des innerstädtischen Klimas besonders in heißen Sommern beitragen.

Bei der ersten Sitzung des Quartierforums Unterstadt nach der Sommerpause in K1 stellte Sebastian Bohnet von der Mannheimer Klimaschutzagentur nun einige – finanziell von der Stadt geförderte – Maßnahmen der Begrünung vor.

Es ist ein brandaktuelles Thema angesichts des Sommers, in dem besonders die Innenstadtbewohner nach einer kühlen Brise lechzten. „In unseren Metropolen können die Temperaturen als Folge einer falschen Stadtplanung künftig um bis zu zwölf Grad höher liegen als im Umland“, zitierte Innenstadt-Bewohner Daniel Barchet aus einer großen deutschen Tageszeitung.

Zusammen mit Quartiermanagerin Esther Baumgärtner hatte Barchet das Thema vorbereitet. Er wohnt in den T-Quadraten und kann sich noch gut an einen mit Weinlaub berankten Schuppen in seiner Nachbarschaft erinnern. „Das Gewächs strahlte im Sommer immer viel Kühle ab“, erinnerte er sich. Mittlerweile musste der Schuppen einem Neubau und Parkplatz weichen. „Durch diese Versiegelung ist es schon wärmer geworden“, sagte er. Quasi als Bekräftigung präsentierte Baumgärtner einen Auszug aus dem Temperatur-Tagebuch der Maria-Montessori-Schule am Herschelplatz. Danach wies das Thermometer unter dem Sonnensegel des überpflasterten Schulhofs am 24. Juli, 10.45 Uhr, bereits 30 Grad auf.

Zuschüsse möglich

Gute Nachrichten hielt Sebastian Bohnet für diejenigen bereit, die Dächer, Fassaden oder Hinterhöfe dauerhaft begrünen wollen. Wer seinen Hof von Asphalt, Beton und Pflaster befreie, schaffe nicht nur einen Blickfang fürs Auge, sondern tue auch etwas für das Klima. Die Maßnahme werde, so Bohnet, auch von der Stadt mit maximal 5000 Euro bezuschusst. Der Energieberater hatte zudem verschiedene Varianten und entsprechende Rechenbeispiele für eine Fassaden- und Dachbegrünung im Gepäck. Danach kann eine extensive Dachbegrünung mit bis zu 4000 Euro gefördert werden. Auch bei einer Fassadenbegrünung gibt es einen Zuschuss von maximal 3000 Euro pro Maßnahme. „Förderfähig sind alle Maßnahmen zur Begrünung von Dach-, Fassade- und entsiegelten Flächen. Es ist ein nicht zurückzahlbarer Zuschuss, der gewährt wird“, bestätigte er.

Allerdings muss man je nach Art der Bepflanzung mit mehr oder weniger Pflegekosten rechnen. Diese können happig sein, wenn man möglicherweise für den Schnitt der Fassadenbegrünung ein Gerüst benötigt. Der Fachmann empfahl, sich vor einer Fassaden- und Dachbegrünung beraten zu lassen. Dazu gehöre eine Überprüfung des Zustandes der zu begrünenden Fläche. Denn von deren Beschaffenheit hänge die Art der Bepflanzung ab.

Geht es um die Begrünung eines älteren Daches, sei es sinnvoll, diese mit einer neuen Dachabdichtung zu koppeln. Danach aber überwögen die Vorteile: Verlängerung der Dachlebensdauer, Reduzierung der Oberflächentemperatur, Verbesserung der Wärmedämmung, Bodenregenwasserrückhalt und Kühlung durch Verdunstung. Ähnliches gelte für eine Fassadenbegrünung, die zudem noch deutlich Staub- und Schadstoffe binde.

Bürger kritisieren Stadt

Nach den Ausführungen Bohnets gab es eine lebhafte Diskussion mit den rund 20 Teilnehmern der Sitzung. Dabei äußerte Bezirksbeirat Detlef Möller (SPD) den Wunsch, dass die Stadt selbst mit gutem Beispiel vorangehe und die Dächer ihrer eigenen Gebäude begrüne. Wolffried Wenneis kritisierte eine falsche Stadtplanung, die es immer wieder zulasse, dass große Bäume mit viel Blattfläche und einer entsprechenden Kühlwirkung gefällt würden.

Als „abschreckendes Beispiel“ nannte er den Neubau des Universitätsgebäudes am Eisstadion. „Dafür werden nicht nur viele alte und große Bäume gefällt, der Bau verhindert auch die Frischluftzufuhr vom Rhein und vom Hafen“, sagte Wenneis.