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Neckarau Nach 56 Jahren geht eine Ära zu Ende / Mit einer Abschlussfeier schließt die Schiller-Werkrealschule

Denkwürdiger Abschied unter Tränen

„Zehn, neun, acht, sieben, sechs, . . .“ – mehr als 60 bunte Luftballons stiegen auf gen Himmel. Daran befestigt waren Karten, auf denen Wünsche von Schülern, Lehrern und Hausmeister Karl Hornberger für die Zukunft der ehemaligen Schüler der Schiller-Werkrealschule standen. Zum Abschluss dieses Schuljahres ging in Neckarau nach 56 Jahre die Ära des Sekundarschulbereichs an der Schillerschule mit einem Abschlussfest zu Ende.

Mit den im letzten Schuljahr noch verbliebenen 58 Schülern aus Klasse acht, neun und zehn feierten Rektor Stefan Bolay, Konrektor Thiemo Maas und die Lehrerinnen Claudia Höly, Barbara Elsner, Dagmar Rothe und Tonia Strobel ein kleines Abschlussfest, bei dem als Höhepunkt ein Luftballonstart stattfand. Rektor Bolay erklärte: „Mit eurem Jahrgang geht jetzt die Zeit der Werkrealschule an der Schillerschule zu Ende.“

Seit 1962 hatten Schüler ab Klasse fünf die weiterführende Schule besucht. Stefan Bolay zeigte sich dankbar für die vergangenen 20 Jahre, in denen er die Schule leitete. „Es waren tolle Jahre mit den Werkrealschülern, eine wunderbare Zeit und es ist schade, dass es nun ohne unsere Großen an der Schillerschule weitergeht“, erklärte der Rektor. Er erinnerte an die wechselhaften Jahre der Schule: Die Geschichte der Schillerschule in der Luisenstraße reicht zurück in die 1960ziger Jahre, in eine Zeit des pädagogischen Aufbruchs.

Generationen von Neckarauern

Da die Raumnot sowohl in der Kirchgartenschule, als auch in der Almenhofschule groß war, wurde beschlossen, eine neue Schule in Neckarau zu bauen. Anfang Mai 1962 zogen die ersten Klassen in die Schillerschule ein. Insgesamt 680 Schüler wurden im ersten Jahr im neuen Schulgebäude unterrichtet, davon stammten circa 530 Schüler aus der nun aufgelösten Kirchgartenschule.

Die anderen rund 150 Schüler kamen aus der Almenhofschule hinzu. Die Eröffnung der Schillerschule unter ihrem ersten Rektor, Rudolf Marx, wurde am 27. September 1962 gefeiert. Anwesend waren unter anderem Architekt Helmut Striffler und Oberbürgermeister Hans Reschke. Die Schillerschule war zunächst Volksschule. Zu Beginn des Schuljahres 1968/69 wurde sie dann als reine Hauptschule weitergeführt. Im Jahr 1992 wurde aus der Schiller-Hauptschule eine Verbundschule, das heißt, es kam nach 24 Jahren wieder ein Grundschulzug dazu. Nach weiteren Reformen in der Bildungslandschaft wurde die Schillerschule 2011 eine Grund- und Werkrealschule. Durch die zurückgehenden Schülerzahlen kam ab 2012 vom Schulträger ein Schulentwicklungsprozess in Gang. Der hatte zur Folge, dass die Schließung der Werkrealschule zum Ende des Schuljahres 2017/18 erfolgen wird. „Generationen von Neckarauern haben ihren Schulabschluss an der Schillerschule absolviert“, sagte Bolay.

Ab 2018 nur noch Grundschule

Mit der Schließung der Sekundarstufe 1 am Standort Schillerschule biete dies für den Stadtteil Neckarau zukünftig ausschließlich die Wilhelm-Wundt-Schule an. Die Schillerschule wird ab September 2018 als reine Grundschule fortgeführt. Manche der Werkrealschüler wollen weiter zur Schule gehen, andere eine Ausbildung beginnen oder erst mal ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. „Es ist irgendwie traurig, dass es unsere Schule nicht mehr gibt“, bedauerte Nicole Fisher. „Es war eine schöne Zeit, ich habe mich an der Schule wohlgefühlt“, sagte Giovanni Longo. Er wechselt an die Pestalozzischule in der Schwetzingerstadt. Das sei zwar nicht weit, doch dann könne er seine Freunde nicht sehen. Sadettin Toprak fand: „Es war eine schöne Schulzeit, die Lehrer waren sehr nett und unter den Schülern gab es eine gute Gemeinschaft.“

Auch die beiden Schulsprecherinnen, Saskia Illmer und Seyma Hatice, lobten „den guten Zusammenhalt“: „Alle wurden so akzeptiert, wie sie sind. Und mit den Lehrern sind wir gut klar gekommen, die haben sich immer sehr für uns engagiert.“ Weinend lagen sich Robin Meerstetter und seine Lehrerin in den Armen. „Ich habe Robin schon unterrichtet, als er noch ein kleiner Schüler war“, sagte Claudia Höly.