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Jungbusch zeitraumexit bot ein halbes Jahr Raum für freie Gruppen unter der Überschrift „artfremde Einrichtungen“ / Parade zur Neckarwiese

Die Kunst mit Käsekuchen verabschiedet

Mit einer bunten Parade durch die Stadt hat sich die Aktion „artfremde Einrichtung“ des Künstlerhauses zeitraumexit verabschiedet. Dabei wurde die Lebendigkeit der städtischen Kultur gefeiert und auf die Straße getragen. Bevor sich die „Herrschaft der Kunst“ aber mit einem Käsekuchen in einem Nachen den Neckar flussabwärts endgültig davonmachte, überreichten die Akteure Stadtrat Achim Weizel als Vertreter der Kommune noch einen Forderungskatalog, den die teilnehmer der Versammlungen beschlossen hatten.

Vier Wochen Zeit

Von Oktober 2017 bis Juni 2018 öffnete zeitraumexit seine Räume in der Hafenstraße für alle: Kampagnenbüro, Business-Start-Up, Kunstprojekt, Friseursalon, Werkstatt, Vereinsheim oder Tanztee – für jeweils vier Wochen war vieles möglich, kostenlos und mit Unterstützung des gesamten Teams. Dieses stellte Veranstaltungsräume, Technik und Infrastruktur für einen Monat jeder und jedem mit einer Idee zur Verfügung. Vier Wochen Zeit, drei Veranstaltungsräume, neun Mitarbeiter und keine Miete, lautete das Motto. Die Kultureinrichtung durfte als Allmende und damit als Gemeinschafts- oder Genossenschaftsbesitz genutzt werden. Danach wurde durch gekehrt, der symbolische Schlüssel übergeben und die nächste Bespielung begann. Die einzige Bedingung war, dass die Allgemeinheit bei regelmäßig stattfindenden Versammlungen entschied, wer drankam, beziehungsweise wer gewonnen hatte. Die Spielregeln für die Abstimmung legte der Konvent im Rahmen des Festivals „Wunder der Prärie“ von allen Interessierten gemeinsam fest. zeitraumexit stellte dazu das eigene Haus auf den Kopf: Nicht Kuratoren oder Künstler entschieden, was Kunst und was nützlich ist, sondern alle arbeiteten und votierten mit. Mit „Artfremde Einrichtung“ wollte man die Definition von Kunst und den gesellschaftlichen Stellenwert von Kulturarbeit hinterfragen und neue Wege finden, mit der Unterfinanzierung der Kultureinrichtung kreativ umzugehen.

Und so war der Weg der Parade fast schon vorgegeben: Von zeitraumexit über Port 25, den Kulturbrücken, der orientalischen Musikakademie Mannheim (OMM), den Stümpfen, am Theater TIG 7 vorbei ging es zum EinTanzhaus und der Abendakademie über den Neckar zur Alten Feuerwache, dem Einraumhaus und schließlich zum Neckarufer, wo die Abschlusskundgebung und Verabschiedung stattfand.

Am Neckarufer wurde ein englischsprachiges Pärchen von dem Tross überrascht, die diesen spontan als „großartig“ bezeichneten. An allen Stationen wurde etwas geboten, waren es Getränke ein Rede oder gar ein künstlerischer Beitrag. Immer sangen die Teilnehmer den Slogan des Projektes: „Alle fragen, wer ist hier? Wir – Wir“.

Zum Abschied weiße Tücher

Nach den jeweiligen Präsentationen entschied das Publikum. Am ersten Abend hatte das Team Merry Messplatz um Philip Kohl, Björn Kornecki und Thilo Eichhorn die Nase vorn, die Wahl für sich zu entscheiden. Die zweite Bespielung gewann Meloakustika mit Ionel Chirita. Ikozaeder mit Thorsten Hempel / Werkhalle und Romana Rokvic übernahmen den dritten Schlüssel in zeitraumexit, livekultur mannheim mit Nadja Peter den vierten. Es folgten WirGeschichten mit Ron Vodovozov und Tristan Ludwig, soeie KULTival – das Mitmachfestival Kulturparkett-Rhein Neckar erhielt den letzten goldenen Schlüssel. Sie durften diesen schließlich nach einer letzten Abstimmung während der Parade behalten.

Die ursprüngliche Absicht, diesen Schlüssel dem Vertreter der Stadt zu überreichen, wurde von den Teilnehmern abgelehnt. Die beiden begeisterten Engländer schwangen übrigens wie die anderen Paradeteilnehmer schließlich zum Abschied weiße Tücher.