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Luzenberg Bauwerk schafft seit 1903 eine Verbindung auf die Friesenheimer Insel / Neues Modell besteht seit 30 Jahren / Offizielle Eröffnung am 12. Oktober 1988

Diffené-Brücke setzt im Hafen Akzente

„Beim Anblick des Modells gerieten Stadträte ins Schwärmen“, titelte der „MM“ im Juni 1985 über die Pläne zur neuen Diffené-Brücke. Das Bauwerk mit den drei roten, markanten Auslegern wurde am 12. Oktober 1988 offiziell eröffnet. Doch schon seit 1903 schuf das Vorgängermodell eine wichtige Verbindung vom Luzenberg auf die Friesenheimer Insel.

Mit dem Unterbau der ersten Brücke wurde im Jahr 1901 von der Firma Grün & Bilfiger begonnen, die Stahlkonstruktion folgte Ende 1902 sowie im Januar 1903. Ein genaues Datum der Inbetriebnahme ist nicht bekannt – März oder April 1903 gelten als wahrscheinlich. Die Kosten für den Unterbau betrugen 227 000 Euro, die Eisenkonstruktion nebst Stromzuleitung und Mechanik schlug mit 154 000 Mark zu Buche. Der Betrag wurde von Bahn und Stadt „anteilig zur Fahrbahn- und der Eisenbahnstraßenbreite aufgeteilt“, heißt es in einer Dokumentation zur Diffené-Brücke.

381 000 Euro Kosten

Wollte ein hohes Schiff den Bereich durchqueren, musste die Brücke 90 Grad in Längsrichtung gedreht werden. Ein Elektromotor übertrug seine Kraft über eine Spindel auf den Zahndrehkranz. Dabei löste sich eine Verriegelung, und die Gitterkonstruktion auf der anderen Seite wurde leicht angehoben – alles in 90 Sekunden. Fiel der Strom aus, war Handarbeit gefragt: mit einem großen Eisenschlüssel.

Die Fahrbahn bestand zunächst aus Kiefernholzbohlen, die jedoch mehrfach erneuert wurden, 1930 beispielsweise mit Hanfseilen, ein Trend aus den USA, der sich jedoch nicht bewährte. Zwischen 1912 und 1956 fuhr die Straßenbahn auf der Brücke. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Mittelteil zerstört, der Betrieb war erst wieder Mitte 1946 per Hand möglich.

„Eine sehr schöne, leider nicht mehr zu erhaltende Drehbrücke, die eigentlich unter Denkmalschutz gestellt werden müsste“, sprach Bürgermeister Niels Gormsen im Technischen Ausschuss im Juni 1985 über das Bauwerk. Doch wegen der Kosten einer Totalsanierung entschied sich die Stadt schließlich für einen Neubau. Der Mittelpfeiler und die zwei Widerlager mussten zuvor mehrfach erneuert werden. Die über 80 Jahre alte Stahlkonstruktion wurde schließlich im Mai 1986 in Einzelteile zerlegt. Experten schätzten, dass sie sich 15 000 Mal um die eigene Achse gedreht habe. 400 Tonnen Stahl wurden eingeschmolzen.

Während der zweieinhalbjährigen Bauzeit der aktuellen Brücke im nördlichen Teil des Industriehafens sorgte eine Behelfsbrücke für die Verbindung auf die Friesenheimer Insel, die Güterzüge, Fußgänger und Radfahrer nutzen konnten. Autofahrer und der Schwerlastverkehr mussten auf die Kammerschleuse im Süden des Altrheins ausweichen.

Nach den Bussen im Herbst 1987 und ersten Tests im Frühjahr rollte ab 12. April 1988 auch der übrige Verkehr über den Neubau zur Insel. Und mit der Einweihung im Oktober hieß es auch ganz offiziell nicht mehr drehen, sondern klappen: Gormsen bezeichnete die Brücke damals als „Burgtor zum Luzenberg“. Die Kanzel an der Altrheinseite wird nur im Notfall benutzt. Ferngesteuert wurde vom Käfertaler Bahnhof aus.

Es gab eine entscheidende Neuerung: Weil der Straßenteil des neuen Modells um 2,50 Meter und der Schienenteil um 1,50 Meter über dem Niveau der alten Drehbrücke lagen, musste das Bauwerk seltener hochgeklappt werden. Die Brücke hebt und senkt sich dank einer Hydraulik und Gegengewichten: Drei Elektromotoren pumpen dabei etwa 4000 Liter Öl mit 280 bar Druck in die Hebezylinder. Weil bis 2002 die Probleme mit Rost immer stärker wurden und das Bauwerk Ende 2002 ausfiel, legte die Stadt die Überführung zwischen Altrhein und Hafenbecken bis 2004 still. Seitdem gab es nur kürzere Schließungen wegen Wartungsarbeiten.

Sohn des Oberbürgermeisters

Benannt wurde die Brücke übrigens nach Philipp Diffené. Der Sohn des ersten Mannheimer Bürgermeisters Heinrich Christian Diffené war bis zu seinem Tod 1903 Mitglied der Handelskammer Mannheim, dort ab 1876 Vizepräsident und ab 1880 Präsident. Als Mitglied der Nationalliberalen Partei saß er von 1875 bis 1902 in der Stadtverordnetenversammlung Mannheims. Von 1886 bis 1890 vertrat er als Reichstagsabgeordneter die Interessen der Quadratestadt in Berlin. 1903 wurde ihm posthum die Ehrenbürgerwürde verliehen. Neben der Brücke ist auch eine Straße nach ihm benannt.

1990 erhielt die Altrhein-Überführung einen Preis der Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure. Die Jury attestierte dem Bauwerk einen markanten, heiteren Akzent und beschrieb ihre farbliche Gestaltung als „Blickfang in einer nüchternen Industrie-Landschaft“.