Stadtteile

Neckarau Verleihung im „gekaperten“ historischen Rathaus an / Silberne Spange für Wolfgang Reinhard

Ehrung aus zarter Hand

So schnell wird die kommunale Obrigkeit ihr Rathaus los: Gestern kaperten die einstigen Neckarauer Hoheiten das historische Rathaus in der Rheingoldstraße und erklärten es kurzerhand zum Prinzessinnenschloss. Hausherr Walter McDavid nickte nur verschüchtert, er wusste wohl, dass er seine Amtsstube spätestens am heutigen Aschermittwoch wieder zurückbekommt. Der Anlass der „Besetzung“: die Ehrung von Wolfgang Reinhard mit der Silbernen Prinzessinnenspange. Der Beifall im Wappensaal zeugte davon, dass die Lieblichkeiten eine richtige Wahl getroffen haben.

Seit mehr als 20 Jahren gehört die Verleihung der Spange zum festen Bestandteil der Neckarauer Fasnacht. Angeregt hatte sie der einstige Leiter des Standesamtes, Helmut Rolli. Das Ereignis erlangte inzwischen eine Bedeutung in der Mannheimer Fasnacht. So begrüßte die Sprecherin der Prinzessinnen, Lore Herbert neben dem Prinzenpaar Miriam I. und Marcus I. zahlreiche Ex-Prinzen, mehrere Abordnungen von Mannheimer Fasnachtsvereinen und der Karneval-Kommission. Auch den Bundestagsabgeordneten Nicolas Löbel (CDU) gesellte sich hinzu, die Landtagsabgeordnete Elke Zimmer (Grüne), später auch Stadtrat Claudius Kranz (CDU) sowie der Chor der Mannheimer Weiber und Mitglieder des Vereins Geschichte Alt-Neckarau.

Mit der Ehrung zeichnen die Prinzessinnen Persönlichkeiten aus, die sich um die Mannheimer und speziell Neckarauer Fasnacht sowie um das kulturelle Leben der Stadt verdient gemacht haben.

Und das trifft ohne Zweifel für Wolfgang Reinhard, den Vorsitzenden des Vereins Geschichte Alt-Neckarau, zu. Die Laudatio auf den neuen Spangenträger blieb seinem Vorgänger Manfred Schumacher, Technischer Direktor des Großkraftwerks, vorbehalten.

Er lobte Wolfgang Reinhard (71) als einen engagierten Heimathistoriker, der für die Erforschung und Bewahrung der Geschichte des einstmals selbstständigen Ortes sorge, der seit 1899 Mannheimer Stadtteil ist. Zudem mache er die Historie mit Auftritten in historischen Kostümen – und zwar in der Rolle des Kurfürsten – erlebbar.

Kurfürstin Veronika

In Augsburg geboren, zogen die Eltern, als klein Wolfgang gerade ein Jahr alt war, nach Mannheim. Jahre später verliebte er sich in Neckarau in Veronika, die er im Rathaus und in der Kirche St. Jakobus heiratete. Sie teilt seine Passion für die Geschichte des Vorortes, in den historischen Vorführungen tritt sie als Kurfürstin auf.

Doch nicht nur die Geschichte gehört zu seinen bevorzugten Interessen. Der gelernte Kfz-Mechaniker engagierte sich beim Benz als Betriebsrat und Mitglied des Gesamtbetriebsrates für seine Kollegen. Mehr 20 Jahre war er ehrenamtlicher Arbeitsrichter. In seiner Jugend war er ein aktiver Fußballer beim VfR, gerne erinnert er sich daran, wie er von dem legendären Fips Rohr trainiert wurde. In seinen Dankesworten hob Reinhard hervor, dass er in die Auszeichnung auch seinen Heimatverein einbeziehe.

Zur fasnachtlichen Note der Veranstaltung trugen Ex-Prinz Alexander Fleck und Christa Krieger mit politischen Büttenreden bei. Der Chor der Mannheimer Weiber ließ mit seinem Gesang unter anderem die Quadratestadt hochleben.