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Gartenstadt Die Heidelberger Organistin Maria Mokhova spielt auf der sanierten Steinmeyer-Orgel / Nudelverkauf hilft bei Finanzierung

„Ein Orchester in zwei Händen“

Archivartikel

„Die Sanierung der Orgel begann am 16. April, und sie ist gerade so fertig geworden“, atmete Pfarrer Michael Koch in Bezug auf die frisch renovierte Steinmeyer-Orgel durch. „Viel Geld ist zusammengekommen, einiges fehlt noch“, bedauerte der Theologe weiter. In der evangelischen Gnadenkirche im Stadtteil Gartenstadt fand zur Wiedereinweihung des reparierten und gereinigten Pfeifeninstrumentes ein Konzert mit der Kirchenorganistin Maria Mokhova statt, mit ausgewählten Stücken von Bach über Mendelssohn-Bartholdy bis Joseph Rheinberger. Mit ihrem filigranen Spiel sorgte die Musikerin für erhebende Momente. Nach dem Konzert gab es einen Umtrunk mit Häppchen.

Für die Renovierung der Steinmeyer-Orgel bezuschusste die Landeskirche ein Drittel des finanziellen Budgets, was umgerechnet ungefähr 10 000 Euro sind. Die restlichen zwei Drittel mit 20 000 Euro brachte die Gemeinde Gnadenkirche eigenständig auf. „Genießen Sie das Konzert. Dass die Orgel auch in Zukunft so strahlend erklingen möge“, wünschte Koch.

Rasante Melodie

Mit der temporeichen Sinfonia aus der Kantate Nr. 29 „Wir danken dir Gott, wir danken dir“ von Johann Sebastian Bach eröffnete Organistin Maria Mokhova das Konzert. Eine rasante Melodie stürmte voran, während unterhalb der beiden Orgel-Manuale tiefe Töne auf den Füßen nachfolgten. In der evangelischen Gnadenkirche breitete sich eine majestätische Klangfülle aus. Anschließend widmete sich Gastmusikerin Mokhova, die in der russischen Millionenmetropole Nischnij Nowgorod geboren wurde, dem Werk „Präludium g-Moll“ des Komponisten Cesar Cui sowie dem „Präludium und Fuge c-Moll“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mit ihrem ausgefeilten Spiel schickte die Gastorganistin die Besucher durch ein Wechselbad der Gefühle, eine wahre Achterbahnfahrt der Stimmungen. Darüber hinaus stimmte die Klangkünstlerin noch die Stücke „Toccata“ von Georgi Mushel und die Cantilene aus der Orgelsonate Nr. 11 (Opus 148) von Joseph Rheinberger an, gefolgt von „Toccata und Fuge d-Moll (BHV 565)“,die zu den berühmtesten Bach-Melodien gehört, die es gibt.

Nach dem Konzert verkauften zwei Gemeindemitarbeiterinnen eigens hergestellte Nudeln namens „Pasta Musica“ in Päckchen, produziert von einer Design-Nudel-Firma an der Weinstraße. „Mit dem Kauf dieser Nudelmischung unterstützen Sie die Renovierung der Orgel in der Gnadenkirche“, war auf diesen Packungen zu lesen. Zusätzlich boten die beiden Helferinnen noch selbst gemachte Marmelade und Flaschen mit Likör aus dem Ältestenkreis feil.

Was gefällt Maria Mokhova an dem nicht transportablen Instrument Kirchenorgel? „Dass es so umfangreich ist, ein ganzes Orchester in zwei Händen, zwei Füßen. Jede Orgel ist anders“, erklärte Mokhova, die an der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik doziert.

Vor fünf Monaten war die 36-Jährige ins ferne Israel geflogen, um dort in einem Kloster in Jerusalem zu konzertieren. „Die Menschen dort sind herzlich. Musik ist eine universale Sprache, da ist man weit weg von Krieg und Politik“, berichtete die Wahl-Heidelbergerin.

Gemeinde feiert 2019

Nächstes Jahr im Frühsommer steht der evangelischen Gnadengemeinde übrigens ein großes Ereignis bevor – dann wird die Gemeinde ihr 70-jähriges Bestehen feiern. „Dafür wird uns der Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh besuchen“, verriet Pfarrer Michael Koch schon mal vorab.