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Sandhofen Pfarrer Ottjörg Albert starb vor 20 Jahren / Dreieinigkeitsgemeinde erinnert im Gottesdienst am Sonntag an den Geistlichen

„Ein Pfarrer mit Leib und Seele“

„Sie haben sich weit über die berufliche Verpflichtung hinaus für die Gemeinde und den gesamten Stadtteil eingesetzt.“ Als der Vorsitzende der Bürgervereinigung Sandhofen, Egon Jüttner, im November 1996 die Laudatio auf Pfarrer Ottjörg Albert hält, lobt er dessen „überragende Verdienste“. Die Bürgervereinigung verlieh dem evangelischen Geistlichen mit der Bürgermedaille damals ihre höchste Auszeichnung.

Fast genau vor 20 Jahren verstarb der Pfarrer, der 27 Jahre lang in der Dreifaltigkeitsgemeinde tätig war und seinen Ruhestand nur kurz genießen konnte. Im Gottesdienst am Sonntag, 17. März, 9.30 Uhr, erinnert die Dreieinigkeitsgemeinde an den Geistlichen. Der MGV 1878 singt ihm zu Ehren. „An seinem Todestag, dem 20. März, werden um 15 Uhr auch die Glocken in Sandhofen läuten“, berichtet Hennry Huscher, der von 1995 bis 2013 Kirchenältester der Gemeinde war und sich noch gut an Ottjörg Albert erinnert.

Pfarrer Albert wurde am 2. November 1931 in Freiburg als Sohn eines Pfarrers geboren. Schon als Vikar kam er in den Mannheimer Norden und stand Walter Ewald auf der Schönau und Karl Pöritz in Sandhofen zur Seite. Die Ältesten der Dreifaltigkeitsgemeinde hatten den Pfarrer nach der Pensionierung von Pfarrer Pöritz zur Bewerbung in Sandhofen aufgefordert, wo er seinen Dienst im Mai 1969 startete: „Er hat der Gemeinde seinen ganz besonderen Stempel aufgedrückt, war ein Mensch mit Ecken und Kanten“, sagt Huscher im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Auftrag des evangelischen Blindendienstes habe er viel Engagement in die Blindenseelsorge der Region gesteckt. Er leitete die Gesangbuchkommission und war Vertrauenspfarrer für Kirchenmusik. Im Prüfungsausschuss für Orgel- und Chorleitung saß Albert ebenfalls.

Von 1971 bis zu seiner Pensionierung stand er dem Singkreis vor, dem auch Huscher angehörte: „Pfarrer Albert hat mich einfach an der Kirchentür abgepasst und mich gefragt, ob ich singen kann. Dann habe ich 26 Jahre im Chor gesungen“, erinnert sich Huscher lächelnd. Die Liebe zu seinem Beruf habe Albert geprägt, auch für die Kirchen- und Orgelrenovierung sowie die Umgestaltung des Lutherhauses und die Erneuerung des Kirchenvorplatzes habe er sich eingesetzt.

Albert hat viele Gemeindefreizeiten organisiert. Obwohl ihn die Krankheit schon gezeichnet hatte, hielt er Gottesdienste: „Für ihn war es keine Frage, dass sie nicht stattfinden“, erinnert sich Huscher. Seine unvoreingenommene Gesprächsbereitschaft und seine Toleranz seien seine Markenzeichen gewesen. Auch wenn die Begegnungen mit ihm nicht immer bequem gewesen seien, wie ein Gemeindemitglied zum 60. Geburtstag Alberts formuliert hatte, so seien sie stets bereichernd gewesen.

Als Albert 1996 in den Ruhestand ging, zog er nach Emmendingen. Er starb am 20. März 1999 nach langer Krankheit in Bretzfeld und hinterließ seine Frau Elfriede sowie drei Kinder. Dass der Geistliche in Sandhofen auch nach seiner Pensionierung unvergessen war, zeigte sich bei seiner Beerdigung: Fast 40 Gemeindemitglieder nahmen teil. „Er war ein Pfarrer mit Leib und Seele“, sagt Huscher. Elfriede Albert möchte den Gottesdienst am Sonntag besuchen.