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Feudenheim Schützengesellschaft 1744 feiert 275. Geburtstag in der Kulturhalle

Ein Verein für „Adeliche Herrn und Bürger“

Archivartikel

Der laute Knall war weithin hörbar: „Die I. Churfürstlich Privilegierte Böllerschützen Compagnie Churpfalz“ ließ es beim Salut zu Ehren des 275-jährigen Vereinsjubiläums der Schützengesellschaft Mannheim 1744 vor der Kulturhalle Feudenheim so richtig krachen. Die sieben Böllerschützen hatten zuvor mit einer „langsamen Reihe“ und einer „schnellen Reihe“ den Festakt eingeläutet.

Die sechs Männer und Silke Böttcher als Wahrerin der Familientradition hatten zuvor ihre Hand- und Schaftböller gestopft und auf Kommando die Zündhütchen gesetzt, gespannt und gezündet. Wolfgang Böttcher, Gründungsmitglied der churfüstlichen Compagnie, hatte das Kommando gegeben. „Wenn ich das Kommando gebe, dann klappt alles“, so der 80-Jährige nach der eindrucksvollen und lautstarken Vorführung. Und auch der Salut für die Schützengesellschaft Mannheim 1744 funktionierte einwandfrei.

Die Lorscher Bläschbaddscher hatten da schon für Stimmung gesorgt. Mit „Wir halten die Welt an“ und „Rote Lippen muss man küssen“, hatten die Musiker schon einmal vorgegeben, was die Gäste im vollgefüllten Saal erwartete. Den Einzug gestalteten Fahnenträger befreundeter Schützenvereine, die feierlich in den Saal einmarschierten. Die Lorscher Musiker servierten das „Badener Lied“, das die Hessen eigens für diesen Anlass einstudiert hatten, wie der Vorsitzende der Schützengesellschaft, Jürgen Muschelknautz hervorhob.

Vom Kurfürsten erlaubt

Selbst Erster Bürgermeister Christian Specht war überrascht, was in der Metropolregion Rhein-Neckar alles möglich ist. Er berichtete, dass es ja vor der Vereinsgründung schon einen Schützenverein gegeben hatte. Laut Ratsprotokollen ließe sich ein solcher Verein sogar bis ins Jahr 1669 zurückverfolgen – zu einer Zeit, als Karl I. Ludwig Kurfürst war. „Damit ist das der älteste heute noch existierende Verein in der Quadratestadt“, so Specht.

Damals sei eine Schießordnung erlassen worden. Was einem Stadtkämmerer weniger gefalle, sei, dass das „Schießhaus“ 1679 auf städtische Kosten im heutigen Jungbusch errichtet worden war, so der Erste Bürgermeister unter Gelächter der Festgäste.

„Alles was Rang und Namen hatte, war damals im Schützenverein“ , sagte Specht. Das habe sich bis heute erhalten. Am 1. Juli 1744 sei schließlich die Erlaubnis zur Gründung der Schützengesellschaft von Kurfürst Carl Theodor gegeben worden. „Adeliche, Herrn und Bürger“ durften schießen. 1863 wurde ein erstes Landesschießen veranstaltet. Dieses endete nach den Worten von Specht mit einem Verlust von 2000 Gulden, wofür wiederum die Stadt gerade stehen musste, bedauerte der Stadtkämmerer erneut – und hatte die Lacher erneut auf seiner Seite.

Über Feudenheim, das 1910 eingemeindet wurde, zogen die Schützen schließlich 1928 an das Gelände an der Riedbahn. Heute bestehe der Verein aus 500 Mitgliedern, darunter zehn Prozent Jugendliche, betonte der Bürgermeister. Schießsport sei auch heute noch ein gesellschaftlicher Auftrag. Er fördere Konzentration und Ausdauer. Mit „Herumballern“ habe das nichts zu tun. Trotzdem bedankte sich Specht auch dafür, dass die Schützen ihn immer unterstützten, selbst wenn es um die Verschärfung des Waffenrechts ging.

Kämmerer bringt Geschenk

Als Geschenk überreichte Christian Specht ein Luftbild aus den Anfängen des Schießstandes an der Riedbahn und einen Scheck für die Jugendarbeit. Jürgen Zink vom Badischen Sportbund Nord unterstrich die Bedeutung des Schießsportes. Der Sportbund habe den Verein daher in den vergangenen Jahrzehnten mit rund 100 000 Euro gefördert. Der Schatzmeister des badischen Sportschützenverbandes, Lothar Boos, unterstrich, dass das Schützenwesen ein „Immaterielles Kulturerbe“ der Unesco sei. Der Schießsport habe heute einen schweren Stand, weil auch das „Wir-Gefühl“ nicht mehr vorhanden sei.

Peter und Monika Juraschek wurden mit der Ehrennadel in Silber für ihre Arbeit bei den Mannheimer Sportschützen belohnt, ehe nach einem kalt-warmen Büfett Hugo und Regina Steegmüller mit Mannheimer Liedern für einen gelungenen Abschluss sorgten.

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