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Niederfeld Zu seinem 50. Geburtstag gönnt sich das Moll eine dicke Chronik / „MM“-Redakteur Konstantin Groß beleuchtet Historie / Christian Specht hält Festrede

„Eine schöne Erinnerung, die bleibt“

Archivartikel

Nur anderthalb Stunden hätte Schulleiter Gerhard Weber auf die positive Antwort des „MM“-Redakteurs und Historikers Konstantin Groß warten müssen, eine Schulchronik über das Moll-Gymnasium zu schreiben. Aus den anfänglich projektierten 200 Seiten wurden aber schnell 250, 300, 350 bis hin zu 400 Seiten: „Dann haben wir die Reißleine gezogen“, wie Weber bei der Präsentation des Werkes an jenem Vormittag vergnügt und auch stolz berichtet. „Der Stoff treibt einen weiter“, so seine Erklärung.

Das Buch spannt den Bogen von der ersten Schule mit dem Namen Moll 1900 bis zur Gegenwart, greift zudem auch viele Hintergründe der Stadt- und Sozialgeschichte auf und kommt auf dieser Breite genau zu dem eigentlichen Thema: „Die Schulgeschichte und die Persönlichkeiten treffend darzustellen.“ Es war eine terminliche Punktlandung, einen Tag vor der Präsentation wurden die Bücher geliefert; „Aus der Stadt ins Grün“ lautet der Titel der Chronik mit den nunmehr 360 Seiten, bei kleiner Schriftgröße, die anlässlich des 50. Geburtstages des Moll-Gymnasium im Niederfeld erscheint.

„Die Schulgemeinschaft ist eine Wertegemeinschaft“, wie der Erste Bürgermeister Christian Specht in seiner Rede die Bedeutung der Schule definiert, sie sei „extrem prägend, es entstehen Freundschaften und es werden große Persönlichkeiten hervorgebracht“.

Er spricht von einer soliden Ausbildung als wichtige Basis für den beruflichen Erfolg. Aber, „wichtiger ist, dass die Zivilgesellschaft Verantwortung übernimmt, sich für die Gemeinschaft engagiert und ihr etwas zurück gibt“. In diesem Sinne sieht er die Chronik als eine „schöne Erinnerung, die Chronik ist etwas, was bleibt“. „Als Schüler hätte ich nie gedacht, dass ich mal die Chronik dieser Schule schreiben darf“: Autor Groß war selbst bis zum Abitur am Moll-Gymnasium und ist der Schule bis heute verbunden. Da fiel es ihm natürlich leicht, aus seiner persönlichen Erinnerung viel beizusteuern. Doch allein neun Seiten Quellen- und Bildnachweise beweisen, dass die Chronik weitaus mehr ist: In 41 Kapiteln beleuchtet er alle Aspekte der Schule – von den Hausmeistern über die Lehrer, Schüler, Arbeitsgemeinschaften, Schulzeitungen, Landschulaufenthalte, Schulverpflegung und die Veränderungen in den vielen Schulfächern.

Exotische Anfänge mit Rekorder

In Zeiten des technischen und gesellschaftlichen Wandels ist Letzteres eine Mammutaufgabe, nicht nur für die Schule, sondern auch für den Chronisten. Bei allgegenwärtigen Tablets und Smartphones erinnert er an die exotischen Anfänge des Computer-Unterrichtes am Moll mit Volkscomputern und die Datenspeicherung mit Kassettenrekorder.

Aber etwa auch den Religionsunterricht beleuchtet Groß mit viel Hintergrundinformationen und Themendetails sowie auch der gesellschaftlichen Entwicklung, die zur Einführung des Ethik-Unterrichtes als Pflichtfach für diejenigen führte, die weder dem evangelischen noch dem katholischen Glauben angehören. Selbst die Lehrpläne aus dem ersten Ethik-Lehrjahr 1984/85 beschreibt Groß. Doch es blieb damals zunächst nur bei der Theorie: Mit nur einem Iraki, einer Türkin und zwei Freireligiösen Schülern wurde die Mindestanzahl für den Ethik-Unterricht nicht erreicht und bedeutete weiterhin Freistunde für die vier Schüler. Heute ist Ethik ein fester Bestandteil am Moll mit seinen Schülern aus 54 Nationen.

„Die Lehrer werden entdecken, wie viel über sie drin steht“, berichtet Groß bei der Präsentation und erntet viel Schmunzeln von den zahlreich anwesenden ehemaligen Lehrern. Auch über die Schüler steht viel in der Chronik, zumindest ist jeder Abiturient im Anhang genannt.

Ohne die finanzielle Unterstützung des Vereins der Freunde des Moll-Gymnasium wäre das Projekt nicht möglich gewesen, dessen Vorsitzender Peter Kollruss wurde damit zum Herausgeber der Pflichtlektüre für jeden, der mal an dieser Schule war.

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