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Neckarstadt-West Band Sherpa The Tiger spielen Konzert im Keller des Alten Volksbads

Elektro-Pop aus der Ukraine

Archivartikel

Mal ist es die Querflöte, dann die Klarinette oder der E-Bass. Und in diese seltsam anmutendenden Klänge mischt sich dann auch noch ein alter sowjetischer Syntheziser, dem Bandmitglied Andrii Davydenko durch das Drehen der Knöpfchen und Drücken der Tasten piepende, fiepende und zirpende Geräusche entlockt. Es sind schwelgerische und traumwandlerische Lieder, mit denen die Band Sherpa The Tiger das Publikum beim Konzert im Rahmen der „Brandherd-Reihe“ im Keller des Alten Volksbades in ferne Ton-Dimensionen katapultiert.

„Wir sind über eine Booking-Agentur auf die Band gestoßen“, erklärte Veranstalter Bernhard Kreiter, der mit seinen Helfern wie gewohnt das Konzert der Indie-Rock-Band bei freiem Eintritt im Untergeschoss des Alten Volksbads in der Neckarstadt-West über die Bühne gehen ließ. Auf diese Weise möchte Organisator Kreiter auch den Menschen im Stadtteil mit schmalerem Geldbeutel einen abendlichen Kulturgenuss der rockigen Art ermöglichen. „Neuerdings machen wir hier unten auch Comedy“, erzählte Initiator Bernhard Kreiter.

Band auf Europatournee

Unterdessen spielen die vier Osteuropäer auf der Bühne wie in Trance versetzt auf ihren Instrumenten. Die Musiker leben eigentlich in der 730 000-Einwohner-Stadt Lemberg in der westlichen Ukraine. Aktuell aber touren sie mit ihrer Musik durch Europa und haben eben nun auch den Weg nach Mannheim gefunden. Wie es mit der Kulturszene in ihrer Heimat, im ukrainischen Lemberg, so aussieht? „Die Veranstaltungskultur ist bei uns in der Stadt nicht sehr aktiv. Da die jungen Leute kein Geld haben, um von Stadt zu Stadt fahren zu können, gehen sie in die örtlichen Kneipen, um dort Party zu machen“, erklärte Gitarrist Mykhailo Kanafotskyi.

Seine Heimatstadt, die im Deutschen Lemberg und in ukrainischen Lwiw heißt, wurde im 13. Jahrhundert gegründet, sie sei sehr altmodisch und sehe ein wenig aus wie die tschechische Hauptstadt Prag oder das polnische Krakau. Mannheim dagegen findet der 32-Jährige „sehr industrialisiert“. Bei ihnen zu Hause in Lemberg gebe es einen Musikclub namens „Fest Republic“, in dem Sherpa The Tiger bereits auftreten durften.

Innerhalb des Bandgefüges gilt der langhaarige Artem Bemba als Multiinstrumentalist, beherrscht er doch so unterschiedliche Klangwerkzeuge wie Querflöte, Klarinette und E-Bass. Zwischen diesen Instrumenten wechselte Bemba ständig hin und her. Hinzu kommt der Sound der Synthesizer – und in der Summe spült dann eine Kraftwerk-ähnliche Klangwelle über das Publikum hinweg.

Psychedelische Songs

Dabei tragen die psychedelischen Songs der Tiger The Sherpas rätselhafte Titel wie „Peninsula“ und „Golden Ratio“. Und trotzdem: Beim Konzert im Keller des Alten Volksbads nehmen die Zuhörer die Musik der Ukrainer begeistert auf. Für einen Abend lang verwandelte sich die Kellerbühne in ein Soundlabor.

Stilistisch lässt sich das weit gereiste vierköpfige Gespann nur schwer in Schubladen einräumen. Als maßgeblichen künstlerischen Einfluss für das eigene kreative Schaffen nennt das Quartett übrigens die deutsche Krautrock-Band Neu! aus Düsseldorf.

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