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Gartenstadt Selma Scheele und ihre Musiker präsentieren in der Herrmann-Gutzmann-Schule Märchen für Erwachsene

Erzählkunst trifft Oriental Jazz

Archivartikel

Eine Erzählerin und drei Musiker versetzten die Besucher in der Aula der Hermann-Gutzmann-Schule in eine Welt irgendwo zwischen Anatolien, Persien und der Türkei. Mystisch angehaucht, erinnerte alles an diesem Abend an eine Welt aus Tausendundeiner Nacht.

Selma Scheele, die Theaterpädagogik und Erzählkunst in Berlin an der Universität der Künste gelernt hat, erzählte die Märchen gestenreich – als ob sie gerade in die Geschichte hineinversetzt worden sei. Ihr Mann, der Perkussionist Nurullah Turgut auf der orientalischen Daf, der Trompeter Johannes Stange und Gitarrist Jörg Teichert trugen dazu bei, dass die Zuhörer mit der Musik in eine ferne Welt eintauchten. Rhythmus und Erzählkunst wechselten sich am von Livekultur organisierten Abend gelungen ab.

Publikum war gefragt

Zunächst galt es, sich auf die orientalische Erzählweise einzulassen. Sie ist frei von vorgegebenen Texten und lebt spontan von dem Moment. Dafür eignete sich die Geschichte von Peppo, der wohl auf deutsch mit Kuckuck übersetzt werden kann, die Geschichte von der über zehn Jahre älteren Schwester, bei der die jünger viel erlebten durfte oder von dem Jäger, dem seine allerliebste abgehauen war. Da war das Publikum gefragt, mitzumachen und die Geschichte mit zu erzählen, was dieses auch bereitwillig tat. Die Wendungen zum Schluss hin waren alle seltsam verwoben. Und führten nach einem persischen Volkslied zum zweiten Teil des Abends über, in dem es um die geheimnisvolle Sahmaran, der Königin der Schlangen ging.

Cemsid, ein etwas einfältiger Holzfäller, zu dem er wurde, weil er in der Schule und in einer Schmiedelehre versagte, entdeckte im Wald eine Höhle, die mit Honig gefüllt ist. Gemeinsam mit seinen Freunden holte er den Honig heraus, um ihn zu verkaufen. Die Freunde wollten aber nicht mit Cemsid teilen und sperrten ihn in der Höhle ein. Dort begegnete er Sahmaran, freundete sich mit ihr an und verbrachte einige Zeit in ihrem unterirdischen Reich.

Zum Abschied beschenkte Sahmaran den Gast reichlich und nahm ihm das Versprechen ab, nie mit jemandem über sie zu sprechen. Außerdem durfte Cemsid kein öffentliches Bad mehr besuchen, weil sich durch seinen langen Aufenthalt in der Schlangenwelt seine Rückenhaut zu Schuppen umgebildet hatte.

Sieben Jahre nach Cemsids Heimkehr erkrankte der Sutan. Der Wesir Sahmur erfährt aus einem heiligen Buch, dass nur ein zubereiteter Körperteil von Sahmaran das Leben des Sultans retten kann. Alle Einwohner des Landes wurden gezwungen, öffentlich zu baden. So wurde Cemsids Geheimnis offenbart.

Trotz der in Aussicht gestellten Belohnung verriet er den Unterschlupf seiner ehemaligen Gastgeberin nicht. Erst als ihm die Todesstrafe drohte, führte er die Handlanger des Sultans zur Höhle. Es gelangt Sahmur, Sahmaran durch einen Zauber zu überwältigen. Er tötete sie und bereitet sie zu.

Vor ihrem Tod offenbarte Sahmaran Cemsid das Geheimnis, dass nur das erste Wasser aus ihrer Hand heilbringend, das zweite Wasser aber tödlich sei. Cemsid füllte unauffällig das erste Wasser ab. Sahmur trank von dem zweiten Wasser und starb qualvoll. Cemsid heilte den Sultan, der ihn dankbar zum neuen Wesir ernannte. Außerdem wurde er zu einem ganz berühmten Arzt. Sahmaran erstand in ihrer Tochter wieder auf und herrschte weiter über das Reich der Schlangen. Am Ende hieß es: „Und wenn sie nicht gestorben sind…“