Stadtteile

Lindenhof Bezirksbeirat diskutiert über Probleme bei der Kinderbetreuung im Stadtteil

„Existenzfrage“ für viele Eltern

Archivartikel

Die Situation der Kinderbetreuung auf dem Lindenhof war auch bei der Sitzung des Bezirksbeirates in der Lanzkapelle unter Leitung von Stadträtin Nuran Tayanc (Grüne) das Thema. Sabine Gaidetzka, Leiterin des Fachbereichs Tageseinrichtungen, die das städtische Meldesystem für Betreuungsplätze Meki vorstellte, zeigte sich gesprächsbereit: „Wir sind für alle Fragen offen, wichtig ist Austausch.“ Das System Meki wurde von den anwesenden Eltern kritisiert.

Peter Schäfer, kommissarischer Leiter des Jugendamtes, erklärte: „Für die angespannte Kinderbetreuungssituation auf dem Lindenhof zeichnet sich eine Lösung ab.“ Auf einer Grünfläche an der Ecke Landteil-/Waldparkstraße soll ein neuer Kindergarten mit vier Gruppen gebaut werden. Hinzu kommen zwei „Draußengruppen“ für Kindergartenkinder, die bis zum Beginn des kommenden Jahres geschaffen werden sollen. Insgesamt 30 Millionen Euro habe der Gemeinderat im Dezember bewilligt: 2020/2021 sollen stadtweit 21 neue Krippengruppen und 27,5 neue Kindergartengruppen entstehen – sowie bestehende Einrichtungen saniert werden. Nicht mehr sanierungsfähig hingegen sei der Kindergarten St. Josef in der Bellenstraße. Außerdem plane die katholische Kirche, das sanierungsbedürftige Gebäude des Kindergartens Maria Hilf in der Karl-Blind-Straße auf dem Almenhof durch einen Neubau zu ersetzen. Dort sollen auch die zwei bestehenden Gruppen des Kindergarten St. Josef untergebracht werden (wir berichteten).

Kritik von Lokalpolitikern

Die Planungen weckten jedoch bei den Bezirksbeiräten wenig Hoffnung auf eine Verbesserung. Peter Karbstein (Grüne) kritisierte bei der Sitzung die geplante Bebauung der grünen Wiese Ecke Landteil-/Waldparkstraße, die in der Frischluftschneise zum Waldpark liege. Auch in einer nachträglich versandten Mitteilung erhob Karbstein Vorwürfe: „Es ist ein schweres Versäumnis der Stadtverwaltung, dass bei der Planung des Glückstein-Quartiers keine zusätzlichen Betreuungsplätze für Kinder eingeplant wurden.“ Dass nun die letzten Grünflächen, wie an der Ecke Landteilstraße/Waldparkstraße auf dem Lindenhof mit einer neuen Kita zugebaut sollen werden, bezeichnete der Sprecher der Grünen im Bezirksbeirat als „verfehlte Politik“.

Auch Marcus Butz von der SPD bemängelte, dass im Glücksteinquartier mit 1500 neuen Einwohnern und 5000 Arbeitsplätzen keine Kinderbetreuungseinrichtung vorgesehen ist, was die Situation im Lindenhof zusätzlich verschärfe.

Wolf Engelen (FDP) gab sich enttäuscht, dass die geplante Kinderbetreuungseinrichtung im neuen Technischen Rathaus nur für dort arbeitende Mitarbeiter gedacht ist. Ingeborg Dörr (CDU) wies darauf hin, „dass es schwierig ist für Eltern, ihre Kinder vor Arbeitsbeginn in einen anderen Stadtteil zu bringen“.

Auch die anschließenden Redebeiträge der Bürger machten deutlich, wie wichtig ein Platz für den Nachwuchs ist. Martin Gruschka von der Elterninitiative sprach von einer „Existenzfrage“ für viele Familien. Arbeitsplätze würden gekündigt, weil Eltern keinen Betreuungsplatz finden. Marc Oliver Kuhse vom Vorstand der Bürger- und Interessengemeinschaft (BIG) Lindenhof bezeichnete Meki aufgrund fehlender Plätze als „Mangelverwaltung“.

CDU-Bezirksbeirat Friedrich Lutterkort ging noch weiter: „Kinder sind in Mannheim quasi Nebensache.“ Das zeige sich bei der Schließung des Bolzplatzes auf dem Glücksteinplatz ebenso wie an den Öffnungszeiten der Horte in den Ferien. „Hier muss von der Stadt etwas getan werden, damit die Eltern ihren Job machen können.“