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Neckarstadt „Kino Kult Open Air“ feiert Premiere auf der Neckartreppe am Alten Bahnhof / Alle Streifen haben Bezug zu Mannheim

Fahrradkino am Neckarufer zeigt Filme über die Quadratestadt

Es wird gerade dunkel – als dann kurz nach 20 Uhr eine Premiere direkt am Neckarufer beginnt. Zum ersten Mal hat es auf der Sitztreppe zum Neckar am Alten Bahnhof trotz kühlerer Temperaturen ein Freiluftkinospektakel gegeben. Und zwar mit Hilfe der mobilen Kinotechnik von Monnem Bike, dem Fahrradkino der Stadt und Verkehrsbund Rhein-Neckar (VRN). Ins Leben gerufen hat das „Kinokult Open Air“ das Kulturamt der Stadt in Kooperation mit dem Quartiermanagement der Neckarstadt-West.

Die Idee dahinter: Die schon etablierten Konzerte und Lesungen von „Kultur am Neckar“ um eine spätsommerliche Open-Air-Kino-Reihe zu erweitern – und das auf der Sitztreppe unterhalb des Alten Messplatzes und dem Zwischennutzungsprojekt „Alter“. Was da genau noch bis zum 19. September über die mobile Leinwand flimmert? „Alle Filme, die gezeigt werden, haben einen besonderen Bezug zu Mannheim“, erklärt Klaus Biller vom Kulturamt. Die Premiere beginnt mit dem preisgekrönten Regiedebüt „Warum sind sie gegen uns?“ von Bernhard Wicki.

Der Film aus dem Jahr 1958 spielt an Mannheimer Originalschauplätzen und erzählt die Liebesgeschichte der bürgerlichen Gisela und des Arbeitersohns Günther: Der ungelernte Arbeiter verbringt seine knappe Freizeit mit seiner Motorradclique. Aber eigentlich liebt er ein Mädchen aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Sogar sein Motorrad tauscht Günther gegen einen Roller ein, damit Gisela nicht schmutzig wird.

Es kommt soweit, dass sie ihn ohne Vorankündigung mit zu sich nach Hause bringt und ihren Eltern vorstellt. Doch besonders der Vater ist von dem jungen Mann alles andere als angetan. Es kommt zum Streit. Am Ende läuft Günther frustriert davon. Ob die beiden wieder zusammenkommen, bleibt offen. Günther kehrt aber in seine Motorradclique zurück. Der bewusst offen gehaltene Schluss lässt Raum für Diskussionen. Bernhard Wickis Debüt als Regisseur gefiel schon 1958 durch gute Milieukenntnis und glaubwürdige Handlung.

In Mannheim gedrehte Produktion

Da das Werk zudem in Mannheim gedreht wurde, gilt es als „Filmjuwel“ und wurde mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Als Vorfilm haben die Veranstalter „Betonblüten“ von Evelina Winkler ausgesucht. Der Streifen entstand 2016 im Rahmen von „GirlsGoMovie“, dem Kurzfilmfestival und Coaching-Programm für Mädchen und junge Frauen aus der Metropolregion. Darin geht es um die Sprayer und die Frage, ob das Ergebnis als Kunst zu verstehen ist.

Auf der Sitztreppe mit Blick auf das Neckarufer ist es an diesem Abend nicht allzu warm. Einige Zuschauer hatten da schon vorgesorgt und sich Sitzkissen mitgebracht. Das Fazit der Besucher: „Da gab es einige Spitzen, die auch heute noch interessant sind zu diskutieren. Insgesamt war es eine sehr schöne Vorführung“, erklärt ein Zuschauer.