Stadtteile

Mitte/Neckarstadt-Ost Lange Rötterstraße am Anfang noch belebt und am Ende fast menschenleer

Geplant wird nur von Tag zu Tag

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus sind Ansammlungen von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit verboten. Und die Menschen in der Lange Rötterstraße halten sich erkennbar daran. Während das Ende der Straße am Montagmorgen fast menschenleer ist, herrscht am Anfang der Haupteinkaufsstraße in der Neckarstadt-Ost, in Richtung Alte Feuerwache, noch relativ viel Publikumsverkehr.

Vor der Falken-Apotheke bildet sich eine Schlange, wobei die dort geduldig wartenden Menschen sogar in mehr als den geforderten 1,50 Metern Mindestabstand hintereinanderstehen. „Ich war am Wochenende nur zu Hause und gehe auch heute nur raus, um das Nötigste für mich zu besorgen“, sagt Annie Diek. „Auch Spazierengehen ist ja nicht mehr möglich, weil die Parks alle zu haben“, erklärt die Seniorin.

Die Situation sei für sie schon schwierig, zumal sie psychisch krank sei. Denn wegen Corona sei ja auch der Kontakt zu ihren Angehörigen minimiert. Nur zwei Kunden auf einmal dürfen die Falken-Apotheke betreten, und zwar nur auf einem durch ein Band abgesperrten Weg. „Hier in der Lange Rötterstraße ist noch viel los“, stellt Apotheker Markus Eulig fest. Die Haupteinkaufstraße der Neckarstadt-Ost sei immer noch recht belebt – „zu belebt“ nach seinem Eindruck.

Mit Notklappe näher am Kunden

Durch Plexiglasscheiben, Abstandshalter und Masken versucht der Inhaber der Falken-Apotheke, sich und seine Mitarbeiter zu schützen. „Wir haben als Apotheke eine Versorgungspflicht, also werden wir, wie bisher, für unsere Kunden offenbleiben“, versichert Eulig. Manche Apotheken versuchten zwar, sich durch Notklappe zu schützen. „Aber da ist man wesentlich näher an den Kunden“, glaubt der erfahrene Apotheker. Auch die Metzgerei Lang hat geöffnet. Einzeln betreten die Kunden das Fleischerei-Fachgeschäft. „Wir bleiben geöffnet“, verspricht Barbara Lang. Doch die Situation sei schwierig, da zwei ihrer Mitarbeiter aus Angst vor dem Coronavirus nicht mehr zur Arbeit kommen. „Wir versuchen, den Laden so lange wie möglich offen zu halten, aber alle Mitarbeiter haben Angst vor Ansteckung“, erklärt Lang. Während sie am Montagmorgen noch von Mitarbeiterin Rosa Yetkin unterstützt wird, ist sie am Nachmittag allein im Laden. Sie weiß deshalb nicht, wie lange sie das noch machen kann. Ihr Mann und sie sind in vollem Einsatz für ihre Kunden da: Ihr Mann arbeitet hinten in der Wurstküche und sie vorne im Laden. „Wir bieten auch wie bisher alle Waren an“, erklärt Barbara Lang. Doch planen könnten sie immer nur von Tag zu Tag. „Denn wir wissen nicht, was nach dem nächsten Wochenende noch für Auflagen kommen“, sagt sie.

Wie gefährlich das Virus ist, habe sie erst gestern wieder gehört, erzählt Opernsängerin Heike-Theresa Terjung. Sie bleibt deshalb zuhause und plant die nötigsten Einkäufe, um möglichst wenig auf die Straße zu gehen. Wegen des Versammlungsverbots sind ihr als freie Sängerin natürlich alle Auftritte weggebrochen. „Deshalb bin ich froh, dass ich die Musikschule noch als zweites Standbein habe“, erklärt Terjung. Schade findet sie, dass Café und Restaurant in der Lange Rötterstrße schließen mussten. „Die Straße hat gerade in den letzten Jahren eine so schöne Aufwärtsentwicklung erfahren“, sagte sie. „Aber es gibt auch noch eine Zeit danach, wir werden zusammenhalten“, erklärt sie weiter.

„Solange wir dürfen“

Es sind nur noch wenige Geschäfte, die in der Lange Rötterstraße geöffnet haben: Neben den zwei Supermärkten, den drei Apotheken, den zwei Bäckereien und den zwei Metzgereien ist auch die Tür des kleinen Obst- und Gemüseladens „Grüne Meile“ weiterhin für seine Kunden geöffnet. Durch die Einschränkungen kämen zwar derzeit wesentlich weniger Kunden, berichtete Inhaber Raffael Stierlein. „Doch wir bleiben geöffnet, so lange wir dürfen“, versichert er. Sie behalten die normalen Geschäftszeiten bei. Sich selbst und die Mitarbeiter versuchen sie, durch Abstand halten und Desinfektionsmittel zu schützen. Sie haben aber notgedrungen Personal reduziert. Außerdem versuchen sie, immer nur zu zweit im Laden zu stehen.

Zum Thema