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Schönau Sänger aus Dühren zu Gast in der Emmauskirche

Gottesdienst mit Shantys

Archivartikel

Zuerst eine Bootsfahrt, dann ein besonderer Gottesdienst: Für die singenden Seebären aus dem Kraichgau endete so ein gelungener Tagesausflug. In der evangelischen Emmauskirche auf der Schönau fand abends ein Gottesdienst statt, der unter Beteiligung des Shanty-Chores aus Dühren bei Sinsheim regelrecht Salzwasser atmete. Vor ihrem Auftritt im Gotteshaus hatten sich die Gastsänger per Boot den Mannheimer Hafen angeschaut und hinterher gemeinsam mit den „Schönauer Buwe“ im Pfarrgarten bei einem Umtrunk die Sonne genossen.

„In ihren Liedern singen sie von der großen Fahrt. Auf ihren Ausguck, in den Mastkorb sozusagen, habt ihr heute Dietmar Coors gestellt“, erklärte Pfarrer Johannes Höflinger zur Begrüßung. In der Emmauskirche schmetterte der Kraichgauer Gastchor unter Leitung von Dirigent Werner Schrötel inbrünstig die Lieder „Hejo, alle Männer her an Bord“ und „Winde wehen, Schiffe gehen“.

Maritim angehauchte Predigt

„Man muss wissen, wo man hin will, auf dem Acker, auf dem Wasser und im Leben. Oder als Christ“, kommentierte Pfarrer Johannes Höflinger. „Auch wer mit dem Boot pflügt durch glattes Wasser und raue See, der blickt besser nach vorne, um Kurs zu halten.“ Mit dem konzentrierten Blick auf einen richtungsweisenden Kompass erspare man sich manchen Umweg. Zwischendurch verlas Pfarrer Höflinger zusammen mit dem Shanty-Chor und der anwesenden Gemeinde im sprachlichen Wechsel den Psalm 711,1, in dem die Begriffe Erdkreis, Meere und Wasser vorkommen. Hinterher trug Brigitte Mich in ihrer Lesung die Geschichte „Die Speisung der Fünftausend“ aus dem Johannes-Evangelium vor.

„Wir singen sowohl klassische als auch moderne Seemannslieder“, berichtete Dirigent Werner Schrötel, der Fan der poppigen Seefahrer-Band „Santiano“ ist. Unterstützung erhielt der Shanty-Chor von Akkordeonistin Margot Rittgasser.

Hinweis auf Tradition

Für seine Predigt bestieg später der mitgereiste Pfarrer Dietmar Coors, der sich seit einem Monat im Ruhestand befindet, die Kanzel. Dort oben erzählte der Theologe, der gebürtig aus Bremen stammt und 1972 für ein geistliches Studium nach Heidelberg gezogen war, von historisch belegten Beziehungen zwischen Sinsheim und Mannheim. So zitierte Coors etwa aus einer Ausgabe des „Sinsheimer Landboten“ von September 1852: „Seit dem Beginn des Mannheimer Hafens im Jahre 1607 war er stets auch Auswandererhafen für viele Menschen auf dem Weg in das gelobte Land Amerika.“ Darüber hinaus stimmte der gastierende Shanty-Chor noch die Stücke „La Paloma“, „Rosalie“ und „Wir fahren übers weite Meer“ an.

Und wie möchte der evangelische Pfarrer Coors, der um 1978 einige Zeit lang auf dem Luzenberg gewohnt hat, seinen Ruhestand künftig nutzen? „Mit dem Shanty-Chor weitermachen und mit viel Theater, für Erwachsene und Kinder“, erzählte der 67-Jährige nach dem Gottesdienst. Denn Theologe Coors ist nebenbei Drehbuchautor biblischer Geschichten für heimische Bühnen im Kraichgau. hfm