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Neuostheim Letzer Selbstständigentreff des Stadtvereins / Vorsitzender von mangelndem Interesse enttäuscht / Austausch erwünscht

Gründung von Gewerbeverein gescheitert

Archivartikel

Es war ein Versuch, die Gewerbetreibenden im Stadtteil zusammen zu bringen, zu vernetzen und dadurch zu stärken. Doch zum letzten Selbständigentreff des Stadtteilvereins Neuostheim im Bistro Mirenes Art kamen gerade mal sieben Teilnehmer, darunter drei Vertreter des Gewerbes aus Neuostheim.

„Die Gründung eines Gewerbevereins hat sich damit erledigt“, bedauerte Initiatorin Ulrike Thomas. Sie hatte in den letzten Monaten alle Gewerbetreibenden im Stadtteil aufgesucht und versucht, sie für die Idee eines Gewerbevereins zu begeistern. Drei Treffen fanden statt, mal mit mehr, mal mit weniger Teilnehmern. „Alle haben gesagt, das ist toll, halten Sie mich auf dem Laufenden“, erinnerte sich Thomas sarkastisch. Niemand hier habe ein Interesse an Gruppenbildung. „Das ist vielleicht auch der Grund, warum sie heute nicht hier sind, weil keiner was machen will“, überlegte Thomas.

Beschwerden von Anwohnern

Es gebe rund 100 Gewerbetreibende in Neuostheim, mithin mehr als man gemeinhin glaubt. Das Potential sei also da, so die Initiatorin. „Doch selbst 100 Gewerbetreibende sind zu wenig, um eine Werbebroschüre, wie in den anderen Stadtteilen, zu erstellen; eine solche Broschüre kostet 2000 bis 3000 Euro, was fehlt ist der Handel“, gab Anzeigenberater Thomas Jentscheck zu bedenken. „Wenn die Gewerbetreibenden noch nicht mal den Weg abends hierher finden, so ist das doch sehr enttäuschend“, bekannte der Vorsitzende des Stadtteilvereins, Stefan Bickmann.

Dabei hätten die Gewerbetreibenden im ruhigen Wohnort mit mancherlei zu kämpfen: Beschwerden über Lärm beispielsweise beim Bistro von Maler und Bildhauer George Mirenes oder Essensgerüche von Restaurants in Häusern mit gemischter Nutzung von Wohnen und Arbeiten. „Gastronomie ist hier schwierig“, weiß Bickmann. Doch es habe auch schon Beschwerden von Anwohnern gegeben über die an- und abfahrenden Krankenwagen beim ThomasCarree. Auch das Einkaufsverhalten der Menschen habe sich geändert. Kleine Lebensmittelgeschäfte könnten kaum überleben, wenn dort nur noch Kleinigkeiten eingekauft würden.

„Es gab mal zwei Supermärkte in Neuostheim, doch als der große Edeka-Markt an der Seckenheimer Landstraße aufmachte, begann das Sterben der kleinen Geschäfte in der Dürerstraße“, berichtete Bickmann. Jetzt seien auch noch die Discounter Aldi und Lidl da. Aber ganz aufgeben will der Stadtteilverein das Gewerbe in Neuostheim dennoch nicht. Angebote, sich einzubringen, gab es von anderer Seite: Alex Lastovezki von der Aktionsgemeinschaft der Gewerbetreibenden Mannheim Ost e.V. (ADG) lädt die Gewerbetreibenden ein zum ADG-Forum, in dem es spezielle Informationen für Selbstständige und Möglichkeiten zum Austausch gibt. Außerdem plant der Stadtteilverein Neuostheim anlässlich seines zehnjährigen Bestehens 2020 ein großes Jubiläumsfest.

Dabei können sich die Gewerbetreibenden präsentieren. Nach wie vor werden weitere Aktionen von Selbstständigen für die „Lange Nacht der Kunst und Genüsse am Samstag, 2. November, in Neuostheim gesucht. Wer sich beteiligen will, kann sich an Margoth Werner vom Stadtteilverein wenden. ost

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