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Oststadt 400 bis 500 Besucher stöbern regelmäßig in der Plattenbörse im Rosengarten nach Vinyl, CDs und DVDs

„Ich brauche das Knistern“

Archivartikel

Seit 29 Jahren ist Wolfgang „Wolly“ Korte mit seiner Plattenbörse in fast ganz Deutschland unterwegs. Von Münster bis Stuttgart können Vinyl-Freunde, aber auch Fans von CDs, DVDs und Comics stöbern, was das Herz begehrt. Macht „Wolly“ in Mannheim Station, findet man ihn im Rosengarten. „Es gab schon früher Plattenbörsen, da war ich selbst noch als Aussteller dabei“, erzählt Korte, der im hessischen Bad Vilbel wohnt, quasi in der Mitte seines Börsen-Einzugsgebietes.

Von AC/DC bis James Last

„Meine erste eigene Börse organisierte ich im Mai 1991 in Frankfurt in der Jahrhunderthalle. Früher waren die Börsen drei- bis viermal im Jahr, heute mache ich es hauptberuflich.“ In Mannheim erwartet Korte stets 400 bis 500 Besucher. An seinem Kassentisch am Eingang steht ein CD-Player, daheim hat er aber auch einen Plattenspieler und Platten.

Wer die Halle in der Absicht betritt, nach Platten zu suchen, weiß erst einmal gar nicht, wo er anfangen soll. Zwar ist die Zahl der Händler überschaubar, doch die Stände sind groß – und es ist alles an Musikrichtungen vertreten, was man sich vorstellen kann – das Spektrum reicht von AC/DC bis James Last.

Zwischen den Plattenständen finden sich auch Verkäufer, die CDs im Angebot haben – doch Vinyl dominiert. „Ich habe 300 LPs und 500 Singles dabei, zu Hause ist nochmal das Zehnfache“, sagt Götz Göller, einer der Händler. „Das Schöne am Vinyl ist, dass man etwas in der Hand hat.“ Seine Tochter Lara ist ebenfalls Vinyl-Fan: „Eine Platte ist Nostalgie. Das Cover hat einen muffigen Geruch, wie bei Büchern, und der Klang ist wärmer.“

Was hat eine Platte noch, was eine CD nicht hat? Richtig, das Knistern. „Bei einer CD ist der Klang komprimiert, aber ich brauche das Knistern. Und ich liebe die Cover. Ich sammle seit 1967 – damals kostete eine Single noch 5 und eine LP 19 Mark. Ich habe mich immer bei Oma eingeschmeichelt, wenn ich etwas haben wollte“, blickt Göller zurück.

Große Preisspanne

Die meisten der Besucher sind männlich, doch man sieht auch Frauen, die in den Plattenkisten nach der einen Scheibe kramen, die unbedingt mitgenommen werden muss. Oder auch zwei oder drei. „Ich mag Vinyl, da sich die Musik der 60er Jahre originaler anhört als auf CD“, sagt Anja Laux, die aus der Nähe von Heilbronn kommt. „Vor allem bei Garage ist der Sound kratziger und härter.“ Auch für jedes Budget ist etwas dabei, es gibt Platten für 5, teilweise aber auch für 50 Euro – auch am Preis lassen sich Raritäten im Sortiment identifizieren.

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