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Brühl Diskussion zum Miteinander in den Rheinauen / Bürgermeister will Hundebesitzer, Spaziergänger und Angler an einen Tisch bringen

„Ich werbe für Verständnis“

Die einen wollen die herrliche Natur genießen, ihren Vierbeiner ausführen oder ein paar Züge schwimmen, die anderen in Ruhe Angeln oder ihre Felder bestellen: Die Nutzung des Naherholungsgebiets rechts und links am Rhein bei Brühl samt Kollerinsel sorgt immer wieder für Zündstoff. Gut besucht war ein Austauschtreffen zum Thema „Für ein gutes Miteinander in den Rheinauen“ zu dem Bürgermeister Ralf Göck auf Wunsch von Hundebesitzern in den Sitzungssaal des Brühler Rathauses eingeladen hatte. „Denn mit Feldhütern allein schaffen wir das nicht, die Probleme zu lösen“, so Göck: „Wir müssen was anderes tun, damit die Leute aufeinander zugehen, darum werbe ich für gegenseitiges Verständnis.“ Dazu sollen auch spätestens ab kommendem Frühjahr thematische Spaziergänge und Informations-Flyer beitragen.

„Ich komme mit Landwirten und Anglern bestens klar“, sagte Brühls Jäger-Chef Walther Schleich, der sich nur über die Hundebesitzer ärgerte, die ihre Vierbeiner frei laufen ließen. Eine Reiterin, die regelmäßig ihr Pferd ausführt, relativierte auch das: „Es gibt genügend freundliche Hundebesitzer, die Rücksicht nehmen und ihr Tier zur Seite nehmen, wenn wir kommen“. Und auch Hundebesitzerin Sabine Schlusinger hat bisher nur gute Erfahrungen gemacht. „Man begegnet mir hauptsächlich freundlich und ich komme oft sogar nett ins Gespräch“, sagt sie. Von Verboten hält sie nicht viel: „Die Motivation, miteinander auszukommen, muss von den Menschen selbst ausgehen.“

Juwel auf Mannheimer Teilgebiet

„Warum gegeneinander und nicht miteinander?“, fragt sich auch Hundebesitzerin Jasmin Stanka. Die Jägerin und Tierschützerin hatte nach einigen „unschönen Begegnungen“ während des jüngsten Hochwassers beim Bürgermeister den Anstoß für das Treffen gegeben. Und sie hatte in einer Power Point-Präsentation die schönen Rheinauen, aber auch die Konfliktthemen aufgezeigt. Was fehle, sei die Kommunikation untereinander und das Interesse füreinander, bedauert sie. Gemeinsam mit Bürgermeister Göck wolle sie Vertreter der verschiedenen Gruppen, die alle einen Nutzen in den Rheinauen haben, an einen Tisch bringen.

Für die Koller-Bauern sprach Hartmut Erny: „Die Hundebesitzer lassen ihre Tiere von der Leine, und zwar ganze Hundeschulen, die sich unberechtigterweise dort aufhalten. Sie sind das größte Problem, denn sie stören brütende Vögel und das Niederwild“.

Das seien, so Göck, „Einzelfälle, die ich eindämmen möchte.“ Erny hoffe zukünftig auf mehr Unterstützung von amtlicher Seite, denn er selbst sei oftmals mit Aggressionen konfrontiert, sobald er die Hundebesitzer auf ihr Fehlverhalten anspreche. Spaziergänger Klaus Tremmel aus Ketsch stimmte zu: „Ermahnen ist heutzutage schwierig geworden.“

„Es ist leicht, mögliche Missstände einfach bei den Gemeindeverwaltungen abzuladen“, so Göck. Schon die heute hohen Personalkosten ließen die einfache „Wiesenaufsicht“ leider nicht mehr zu und auch Ordnungsbeamte könnten bloß zeitweise anwesend sein. „Deswegen sind wir ja hier, um andere Weg zum „Miteinander“ zu finden“, erinnerte Göck an „den Sinn der Veranstaltung“. Viele Nutzer seien sich der Unterschiede zwischen Naturschutzgebiet, das sich unmittelbar am Rhein befindet, und Landschaftsschutzgebiet nicht bewusst.

Auf diese Unterschiede wies Stanka in ihrer Präsentation hin. Da das „grüne Juwel“ überdies nicht bloß aus Brühler Gemarkung besteht, sondern Mannheimer, Edingen-Neckarhausener und Schwetzinger Gemarkungsteile enthalte, werde bei der Bevölkerung eine Frage laut: „Wer ist für welchen Teil zuständig?“

Versöhnliches Schlussplädoyer

Die Zuständigkeitsbereiche und die Unterschiede zwischen Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten, wolle Göck genauer kommunizieren, die Gemeinde werde einen Flyer dazu konzipieren.

Jasmin Stanka zeigte sich zuversichtlich: „Es ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen vonstattengeht, aber wir haben alle das Konzept verstanden.“