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Innenstadt Tunesierinnen berichten über menschenverachtende Arbeitsbedingungen in Textilfabrik / Stadt führt Modellprojekt mit Frauenrechtsorganisation Femnet durch

Kampf gegen unbezahlte Arbeitsstunden und Gewalt

Wie fair waren und sind die Arbeitsbedingungen in der tunesischen Textilindustrie für Frauen tatsächlich? Im Rahmen der „Fairen Woche“hat die Frauenrechtsorganisation Femnet mit der Stadt und dem Eine-Welt-Forum zwei Tunesierinnen eingeladen, die über erschütternden Erfahrungen in der heimischen Textilindustrie berichten.

Houda El Fadhel begann im Alter von 16 Jahren, in der Textilindustrie zu arbeiten. Nachdem die Fabrik, in der sie jahrelang tätig war, 2013 ohne Vorankündigung geschlossen wurde, verlor sie plötzlich ihren Arbeitsplatz, jegliche Abfindung blieb ihr verwehrt. Heute ist El Fadhel zwar selbst Inhaberin einer Polsterfabrik. Trotzdem will sie weiterhin gemeinsam mit Amani Allagui auf die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. Als Projektkoordinatorin beim tunesischen Forum für wirtschaftliche und soziale Rechte (FTDES) verteidigt Allagui besonders die wirtschaftlichen und sozialen Rechte von Arbeitnehmerinnen im Textilbereich.

Rundreise durch Deutschland

Auf ihrer Rundreise durch Deutschland berichten die beiden Frauen von ihren Erfahrungen im Kampf gegen menschenverachtende Arbeitsbedingungen, von denen weltweit insbesondere Frauen und Mädchen betroffen seien. Sexualisierte Gewalt, unbezahlte Überstunden und Diskriminierung seien oft genauso fester Bestandteil ihres Arbeitsalltags wie das Tragen von Arbeitsbekleidung für hiesige Stadtverwaltungsangestellte.

Obwohl die neue demokratische Regierung in Tunesien mittlerweile Gesetze erlassen habe, die solche Arbeitsbedingungen verhindern sollen, scheiterten die Bemühungen immer wieder an eigennütziger Gewinnsucht von Kunden und von Lieferanten, so die beiden Tunesierinnen. Ist die Produktion in Tunesien zu teuer, werde sie eben nach Asien verlagert.

Daher, so das Fazit, liege es an den Endverbrauchern, durch bewusstes Kaufverhalten dagegen zu lenken. Die Stadt Mannheim führt derzeit ein Modellprojekt mit Femnet zum Einkauf fair produzierter Arbeits- und Schutzkleidung für Mitarbeitende der Stadt durch.

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