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Almenhof Festumzug erinnert an berühmten sozialistischen Vordenker Karl Marx, der am Sonntag 200 Jahre alt geworden wäre

Krakenarme und Kennzeichen

Michael Lapp wohnt seit zwei Jahren in der Karl-Marx-Straße auf dem Almenhof. Dass sich am 5. Mai der Geburtstag des Namensgebers seiner Straße zum 200. Mal jährt, sah er als Anlass, Marx wieder mehr in Erinnerung vieler Leute zu rufen. Seine Idee: ein Festumzug, am Sonntag, 6. Mai. „Ich habe verschiedene Parteien, Organisationen und Vereine angeschrieben und eingeladen, mitzumachen. Es ist großartig, wie viele sich angeschlossen haben“, freut sich Lapp. Was als Bürgerinitiative startete, ist zu einem Umzug mit über 500 Teilnehmern angewachsen. Dieser begann bei sommerlichem Wetter um 15 Uhr am Freiheitsplatz, die Route führt durch Straßen, die nach bedeutenden Vertretern des Sozialismus und der Sozialdemokratie benannt sind.

Würdigung weiblicher Sozialisten

Vorne, direkt hinter dem Banner mit der Aufschrift „MA–RX 200“ im Auto-Kennzeichen-Stil, läuft die Mannheimer SPD. Ralf Eisenhauer, Fraktionsvorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion, begrüßt die Initiative: „Es ging Marx darum, die Welt zum Positiven zu verändern, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Dafür steht auch die SPD.“

Christine Pospesch, Bezirksbeirätin der Partei Die Linke und Mitglied im Festkomitee, trägt Straßenschilder unterm Arm: „Jenny-Marx-Weg“ und „Rosa-Luxemburg-Weg“ steht darauf. „Wir setzen uns dafür ein, dass auch die Frauen in der sozialistischen Bewegung mehr gewürdigt werden und Straßen nach ihnen benannt werden“, erklärt sie die symbolischen Schilder.

Das Mannheimer Bündnis für gerechten Welthandel ist mit einem kleinen Wagen vertreten. Dargestellt ist eine Hand, die nach der Weltkugel greift. Sie gehört zu einem Pappmaché-Kopf, auf dessen Zylinder die Logos großer Unternehmen prangen. Dazu sind Zitate aus Marx’ Schriften zu sehen. Daneben wird ein pinker Krake gezogen, der von der globalisierungskritischen Organisation Attac gestellt wird. Seine Arme sind mit den Quellen beschriftet, aus denen Profit gezogen wird, zum Beispiel Wohnen, Umwelt und menschliche Arbeit. „Alles ist dem Profit unterworfen, wir wandern von einer Krise zur nächsten, wie Marx vorhergesagt hat“, so Rotraud Schmidt, die den Kraken zieht.

Am Rand des Zuges haben sich kleinere Gruppen aufgestellt. Sie trinken Sekt und tragen Schilder mit Aufschriften wie „Egoismus schafft Gemeinwohl: die zynischen Kapitalisten“. Eine von ihnen ist Karin Jerg. „Wir haben die Beschimpfung als Stilmittel gewählt, wie auch Bertold Brecht sie anwandte. Damit wollen wir verschiedene Grundverständnisse und Weltsichten darstellen.“

Kritik an Kapitalismus, Ausbeutung und Profitgier ist es, was die Teilnehmer am Umzug eint. Sie alle sehen Karl Marx als einen großen Philosophen und Demokraten an. Dieser ist sogar leibhaftig vertreten – zumindest beinahe: SPD-Stadtrat Ralph Waibel sieht ihm in seiner Verkleidung täuschend ähnlich und ist ein begehrtes „Selfie“-Motiv. „Wir stehen für einige von Marx’ Thesen, auch wenn er nicht mehr der uneingeschränkt gültige Prophet ist. Natürlich ist das ein Gag, aber eben nicht nur“, erklärt er.

„Gemeinsam und mit Freude“

In der Heinrich-Heine-Straße liest Schauspielerin Bettina Franke aus „Deutschland. Ein Wintermärchen“. „Zuckererbsen für jedermann“, proklamiert sie pathetisch und unter dem Jubel der Anwesenden – heute atmet der Almenhof Revolutionsgeist.

Mit Livemusik und Verköstigung feiern die Zugteilnehmer am 48er-Sportplatz weiter. In seiner Rede betont Klaus Stein, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Mannheim, die trotz unterschiedlicher politischer Schwerpunktsetzung bestehenden Gemeinsamkeiten aller Teilnehmer: „Eines tun wir gemeinsam und mit Freude: Wir gratulieren dem, aus Sicht vieler, wichtigsten Vordenker und Vorkämpfer der Arbeiterbewegung – bis zum heutigen Tag.“