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Oststadt Ausstellung „fifty-fifty“ in der Galerie im Tulla zeigt Malerei im Duett / Schülerworkshop mit Künstlerpaar aus Köln

Kunst mit vier Händen

Wie es gelingt, zu zweit ein Bild zu malen und dabei Malereien, Zeichnungen und Radierungen zu erschaffen, zeigt die neue Ausstellung „fifty-fifty“ in der Galerie im Tulla der Kölner Künstler Annette Reichardt und Stewens Ragone.

„Beide hatten auch schon Einzelausstellungen hier“, berichtete Galerie-Leiterin Dorothea Fogt den zahlreichen Gästen bei der Vernissage. Sie dankte der Lehrerband für die musikalische Umrahmung, den Schülern für das Aufhängen der Bilder und dem Künstlerpaar, das mit den Schülern im Vorfeld einen Workshop durchgeführt hatte. „Das Besondere der diesjährigen Herbstausstellung ist, dass Annette Reichardt und Stewens Ragone als Künstler-Paar an den Start gehen“, sagte Fogt. Zu zweit ein Bild malen – auf diese Idee kommen nur wenige Künstler. Lehrer Daniel Nischwitz stellte Annette Reichardt und Stewens Ragone im Gespräch mit den Künstler aus Köln vor. Annette Reichardt und Stewens Ragone kennen sich seit ihrer Schulzeit und haben gemeinsam an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig studiert.

Mehrere Bilder gleichzeitig

Durch die Idee eines Galeristen, ihre Bilder in einer gemeinsamen Ausstellung zu präsentieren, arbeitet das Künstlerpaar nach erfolgreichen Solokarrieren nun schon seit 14 Jahren unter dem Projektnamen „fifty-fifty“ gemeinsam an Zeichnungen, Radierungen und Malerei.

Zum Entstehungsprozess ihrer Bilder erklärte Ragone: „Das bedeutet nicht, dass der eine den Hintergrund malt und der andere die Figuren.“ Beides entstehe vielmehr in einem gemeinsamen Prozess, einer permanenten Auseinandersetzung und Diskussion – wobei sich die beiden Künstler gegenseitig herausfordern, anspornen, ergänzen und beflügeln.

„Wir malen immer an mehreren Bildern gleichzeitig, und erst, wenn wir beide vom gemeinsam geschaffenen Hintergrund überzeugt sind, beginnen wir mit den Figuren“, erzählte Reichardt. Durch die Zusammenarbeit kämen sie zu Ergebnissen, die sie individuell nicht schaffen könnten. „Dadurch wird es für uns dann leichter, unsere persönlichen Grenzen zu überwinden und Neues zu schaffen“, erklärten die Künstler. „Jeder kann alles, das ist die Grundvoraussetzung“, betonte Stewens Ragone. Dadurch, dass sie ihre Talente gebündelt haben, hätten sie „quasi eine dritte Person erschaffen.“ Wegen Rangones Allergie gegen Lösungsmittel kehrte das Künstler-Paar maltechnisch zurück in Richtung Vergangenheit, zur Tempera-Malerei im Stil alter Meister. Beispiele für ihren Stil sind hier ihre Selbstporträts oder das Bild „Strenge Zofe“ (nach Christian Tagliavini).

Durch mehrfachen Auftrag von Firniss erhalten ihre Werke eine ungewöhnliche Plastizität. Die Bilder erzählen absurde Geschichten, meist mit Humor und Augenzwinkern, wie beispielsweise die Ladys mit Gewehr und Pistolen, die sich einen Cowboy als Mann wünschen, aber zuweilen auch mit bissiger Ironie wie das Bild „Kredithai“.

Titelbild der Ausstellung ist der „Super Schnüffler“ – ein weißer Hamster mit Sherlock Holmes Mütze, der den Betrachter direkt anschaut und ihn auffordert, auf Spurensuche zu gehen.

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