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Sandhofen Sanierungsarbeiten am Dach von St. Bartholomäus nähern sich allmählich ihrem Ende / Innenrenovierung zunächst zurückgestellt

Langer Kampf gegen zerstörerischen Pilz

Archivartikel

Die Gottesdienste können mit leichten Einschränkungen stattfinden. Und auch die Turmfalken zeigten sich völlig unbeeindruckt. Sechs Jungvögel verließen in diesem Jahr ihr Nest im Turm der Bartholomäuskirche – obwohl direkt nebenan die Arbeiter zugange waren. An der Betriebsamkeit unterm Dach wird sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern. Denn mit einem Ende der umfangreichen Dachsanierung rechnet der Erzbischöfliche Bauoberamtsrat und Architekt Bruno Haun erst im Frühjahr 2019.

Ursprünglich geplant war eigentlich, das Großprojekt, das seit Mitte 2016 läuft, in diesem Herbst abzuschließen. Aber die Arbeiten gestalteten sich erheblich komplizierter als ursprünglich geplant. Das berichteten Bruno Haun, Steintechniker Michael Dursy und Stiftungsratsvorsitzender Egon Schmitt im Gespräch mit dieser Zeitung.

Rund ein Drittel teurer

Fast überall, wo man das Mauerwerk geöffnet habe, „war der Hausschwamm da“, geht Haun auf die unliebsamen Überraschungen ein, die sich während der Bauphase ergaben. Hausschwamm ist ein aggressiver Pilz, der bei entsprechender Feuchtigkeit Holz befällt, völlig zerstört und sich ins umliegende Mauerwerk frisst. „Der Austausch der befallenen Hölzer und die Behandlung des Schwamms führten zu enormen Zeitverzögerungen und einer großen Kostensteigerung“, bedauert Egon Schmitt die Entwicklung, die sich nach genaueren Untersuchungen ab dem Herbst 2016 abzuzeichnen begann.

Statt der ursprünglich veranschlagten Kosten von rund 900 000 Euro rechnet Haun jetzt damit, dass die Außensanierung um rund ein Drittel teurer wird. Zunächst geplant war, Dach und Innenräume in einem Aufwasch auf Vordermann zu bringen. Dieses Vorhaben lässt sich nun nicht mehr umsetzen. Wir müssen die Innenrenovierung neu angehen“, bedauert Haun – und das in einer Zeit, in der die Baukostenentwicklung alles andere als vorteilhaft sei. Er rechnet mit weiteren 300 000 bis 400 000 Euro, um schadhafte Stellen im Innern auszubessern, neu zu verputzen sowie der Kirche einen neuen Anstrich zu verpassen.

Dass der Putz der Innenwände an mehreren Stellen bröckelt und es über den Seiteneingängen Auswaschungen gibt, hängt ursächlich mit den Schäden am Dach zusammen. Die Probleme bei der Entwässerung führten beispielsweise dazu, dass über dem Kreuzgewölbe Wasser eindringen konnte.

So ist es bei der jetzt laufenden Sanierung wichtig, die Kirche quasi „wasserdicht“ zu machen. Dazu wurden Teile der Dachbalkenkonstruktion ausgetauscht, das Dach komplett neu gedeckt, und die Regenrinnen und Fallrohre saniert. Vor allem aber galt es, den an vielen Stellen weit vorgedrungenen Hausschwamm bis auf den letzten Rest zu beseitigen. Dazu mussten das marode Holz komplett ausgebaut und große weitere Teile entfernt werden. Nicht zuletzt dringt der aggressive Pilz auch tief ins Mauerwerk ein, das dann ersetzt werden muss.

Ein weiterer ganz zentraler Punkt der allmählich zu Ende gehenden Sanierung war die Restaurierung der Sandsteinfassade und der Kreuzblumen. Federführend dabei war und ist Michael Dursy. Die Gründerväter der Kirche, berichtet der Fachmann, hatten Schilf-Sandstein aus dem Kraichgau verarbeitet. „Das ist ein sehr gutes Material, aber es geht nach 100 Jahren in die Knie.“

Zehn Kubikmeter ausgetauscht

Inzwischen hat die Bartholomäuskirche sogar schon 120 Jahre auf dem Buckel, Schäden seien bereits bei einer Renovierung in den 70er Jahren sichtbar gewesen. Aber man habe sie nicht ganz fachgerecht „mit Schlämmen überschichtet“. An vielen Stellen seien „Reparaturen kaum noch möglich“, es bleibe „nur der Austausch der maroden Steine“. In Sandhofen habe man zehn Kubikmeter Naturstein ersetzen müssen, gut zehn Prozent der gesamten Bausubstanz. „Das ist schon sehr üppig und nicht üblich“, sagt Dursy.

Nicht zuletzt galt es, Teile der aufwendig gefertigten Kreuzblumen zu ersetzen. Seinen Experten stellt Dursy ein gutes Zeugnis aus: Die Herstellung der filigranen Kunstwerke erfordere viel Geschick von den Steinmetzen. Doch inzwischen, freut sich Bruno Haun, „sind die Natursteinarbeiten fast am Ende“.

Nicht gerade am Anfang, aber zumindest noch mittendrin steckt die Gemeinde dagegen bei der Finanzierung. Ein Drittel der Gesamtkosten hat sie selbst aufzubringen. Deshalb läuft seit 2015 die „Aktion Kirche“ als dauerhafte Spendenaktion. Mit einer Fülle von Veranstaltungen hat die Gemeinde bereits Geld gesammelt, ist aber über jede Zuwendung froh. Wer einen Beitrag leisten möchte, kann auf das Konto DE14 6706 0031 0030 0678 00 (Volksbank Sandhofen) einzahlen.