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Neckarau Atieh Salari stellt in „Gehrings Kommode“ persönliche Aktmotive aus / Gewaltopfer verarbeitet Schmerz über Kunst

Malerin hilft bei Selbstheilung

Gemalte Selbstporträts, die die Künstlerin nackt und zusammengekauert auf dem Boden liegend zeigen. Die Malerin Atieh Salari wirkt darauf verletzlich und Schutz suchend. „Vor ungefähr drei Jahren wurde sie Opfer körperlicher Übergriffe. Ich bin zur Polizei gegangen. Es stand Aussage gegen Aussage. Damals war ich depressiv“, erinnerte sich die 26-Jährige. Um dieses schreckliche Erlebnis seelisch zu verarbeiten, greift die Kunststudentin zu Pinsel und Ölfarben – und verarbeitet so das Erlebte mit den Selbstporträts.

Eine Auswahl ihrer Gemälde hängt seit kurzem, auf Einladung des Kulturvereins „NeKK’99“, bis Ende Juni in der Kneipe „Gehrings Kommode“ im Stadtteil Neckarau.

Unter der Überschrift „Urteilsblinde Gesellschaft“ sind die Werke in der schummrigen Gaststätte zu betrachten. Darunter auch Bilder ihrer Mutter und eine Freundin darstellende Kleinzeichnungen. Gebürtig stammt die Malerin Atieh Salari aus dem Iran. Seit vier Jahren lebt die Wahl-Mannheimerin in Deutschland. Aufgewachsen ist sie in der Hauptstadt Teheran. „Wenn im Iran eine Frau vergewaltigt oder misshandelt wird, unterstellt man ihr oft, zu lügen“, kritisierte Künstlerin Salari während der Vernissage.

Der Übergriff sexueller Gewalt fand Salari zufolge in ihrer Zeit in Heidelberg statt. „Mein Leben war kaputt.“ Sie habe sich in psychologische Behandlung begeben, nun ginge es ihr besser, wie sie zufrieden erklärt.

Für einen Neuanfang sei Salari von Heidelberg nach Mannheim umgezogen. Lange Zeit konnte sie kaum die Stadtgrenze verlassen. Vieles erinnerte sie an das Erlebte. „Ich habe dadurch viele Freunde verloren“, bedauerte die iranischstämmige Neckarauerin. An Deutschland stört sich die Malerin an den allgegenwärtigen Vorurteilen gegen ausländische Mitbürger. Außerdem sieht Salari hierzulande in Bezug auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch Verbesserungsbedarf.

Das Schweigen brechen

In der Kulturkneipe „Gehrings Kommode“ arbeitet Salari, die an der Freien Kunstakademie studiert, ein- bis zweimal in der Woche als Bedienung. „Mannheim ist multikulturell, das mag ich“, findet die 26-Jährige, die mit einem Pop- und Blues-Musiker verheiratet ist, Gefallen an ihrer neuen Heimat. Nach Abschluss ihres Studiums möchte sie als Lehrerin unterrichten.

„Ich mag die Arbeiten der Künstler Jenny Saville und Alex Kanevsky, das sind Vorbilder für mich“, nennt Salari ihre Inspiration. Als Vorlage für ihre eigenen Bilder dienen ihr selbstgeschossene Fotos.

„Jenny Saville malt viele Frauen, beide Künstler sind figurativ, nicht abstrakt.“ Zu ihrem eigenen Antrieb gehöre auch, Tabus und das Schweigen zu brechen. „Wir Künstler müssen den Menschen helfen, sich auszudrücken und Erlebtes zu verarbeiten“, erläuterte Salari.